Elternbildung

Fünf Tipps, wie Eltern ihr Kind gendergerecht erziehen

Auch wenn Eltern keine konsequent genderneutrale Erziehung anstreben, wünschen sie sich Chancengleichheit für ihre Mädchen und Buben. Fünf Tipps für Eltern, um Geschlechterstereotypen entgegenzuwirken.
Text: Sandra Casalini
Bild: Salvatore Vinci / 13 Photo

1. Hinterfragen Sie Ihre eigenen Vorurteile

Ihr Sohn möchte sich die Fingernägel lackieren und mag Rosa? Warum nicht! Höchstwahrscheinlich ist er weder schwul noch im falschen Körper geboren (und selbst wenn, würde er hoffentlich genau gleich geliebt), sondern kreativ und experimentierfreudig. 

2. Legen Sie Ängste ab

Lassen Sie den Buben doch im Prinzessinnenkleid auf den Spielplatz gehen, wenn er das möchte. Natürlich ist es gut möglich, dass er gehänselt wird. Aber erstens können wir unsere Kinder nicht vor jeder unangenehmen Erfahrung bewahren. Und zweitens bringt ihm eine Erklärung viel mehr als ein Verbot. So kann das Kind selbst entscheiden, ob ihm seine Individualität wichtig ist oder ob es lieber so sein möchte wie alle anderen. Wem einfach verboten wird, ein Kleid zu tragen, nur weil er ein Bub ist, kann mit dieser Begründung wenig anfangen. 

3. Vermeiden Sie stereotypisierende Aussagen

Es ist zuweilen verlockend, die Tochter damit zu trösten, dass sie als Mädchen halt andere Talente habe als Mathe, wenn sie zum wiederholten Male mit schlechten Noten hadert. Gesagt zu bekommen, man habe gewisse Defizite, weil man dem einen oder anderen Geschlecht angehört, zementiert stereotype Vorstellungen. Warum sollte sich Ihre Tochter noch anstrengen, wenn sie es sowieso nicht kann? Besser: sich mit dem Kind hinsetzen und ganz konkret herausfinden, woran es hapert. 

4. Hinterfragen Sie die Vorurteile Ihrer Kinder

«Sie trägt nie Röcke und hat auch keine Barbies, aber ich glaube nicht, dass sie schwul ist!» (Aussage der Tochter der Autorin, im Alter von etwa fünf Jahren, über eine Kindergartenfreundin). Natürlich darf man über so eine Aussage auch mal lachen. Besser aber wäre es, man fragt einmal nach, warum das Kind es für so aussergewöhnlich hält, dass ein Mädchen keine Röcke anzieht, ob es diese Tatsache in irgendeiner Form wertet und wenn ja, warum. 
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5. Seien Sie kreativ

Vertauschen Sie beim Vorlesen oder Geschichtenerzählen doch mal die Geschlechter. Prinz Rapunzel lässt seine langen Haare aus dem Fenster und die Prinzessin klettert daran hoch. Oder noch besser: Erfinden Sie eine eigene Geschichte, in der sich Mädchen und Jungen nicht stereo­typ verhalten. Und wenn Sie die mutige Superheldin mit dem Namen Ihrer Tochter oder den grosszügigen, empathischen kleinen Jungen mit dem des Sohnes versehen, entstehen mit Sicherheit spannende Gespräche.  
Dieser Text stammt aus der Print-Ausgabe 02/19 mit dem grossen Dossier zum Thema Geschlechterklischees. Haben Sie diese Ausgabe verpasst? Dann bestellen Sie hier das Magazin nach.

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1 Kommentar

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Von Carlo am 09.06.2019 20:03

Das 2-jährige Mädchen, dass sich im Sandkasten ständig mit den schmutzigen Händen die Haare aus dem Gesicht wischen muss. Buben dürfen kindgerechte Kurzhaarfrisuren haben.
Ich frage diese Mädchen, ob sie gerne Haare waschen. Meist kommt ein resolutes Nein. Ich frage sie dann, warum sie denn so lange Haare haben, die so aufwändig zum Waschen sind.
Oder Mädchen, die kaum geboren, schon Ohrenläppchenpiercings über sich ergehen lassen müssen, schöne Kleidchen tragen müssen, die ja nicht schmutzig werden dürfen etc.
Meist sind es Mütter, die ihre Töchter in die "korrekte" Geschlechterrolle drängen.
Lasst doch Kinder Kinder sein. Das Bedürfnis nach Geschlechtszugehörigkeit kommt noch (zu) früh genug.

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