Redaktionsblog

Wie lebt es sich als unverheiratetes Paar mit Kind?

In unserer Serie «Wir fragen uns ...» stellen wir von Fritz+Fränzi uns gegenseitig Fragen aus dem grossen Familienuniversum. Auf die Frage von Éva Berger, Stiftungssekretärin, antwortet Benjamin Muschg, Leiter der Produktion.
Text: Benjamin Muschg
Bild: Pexels/privat
«Lieber Benjamin, du lebst mit Frau und Kind, aber ohne Trauschein. Wie ist das so für dich?» 
Éva Berger
Liebe Éva,

es ist ziemlich normal. Und ein bisschen kompliziert.

Wir fühlen uns als Familie nicht besser, schlechter oder auch nur anders als eine mit verheirateten Eltern. Für uns gab es bloss weder vor noch nach der Geburt unserer Tochter eine Motivation, unseren Zivilstand zu ändern. Um einander und der Gesellschaft zu zeigen, dass wir uns lieben und zusammengehören, brauchen wir keinen Ehering, der kirchliche Segen spielt für uns keine Rolle, und rauschende Feste können wir auch ohne Hochzeit
feiern. Wobei unsere Gelegenheiten dazu mit dem Elternsein natürlich genauso rar geworden sind wie bei jedem verheirateten Paar.

Dass wir hin und wieder darauf angesprochen werden, ob und wie das denn bei uns so funktioniert, hat wohl damit zu tun, dass wir statistisch betrachtet doch immer noch ein eher exotisches Familienleben führen. In der Schweiz werden mehr als drei Viertel der Haushalte mit Kindern von Ehepaaren geführt, der Grossteil des restlichen Viertels von Alleinerziehenden und nur 7,2 Prozent von sogenannten Konsensualpaaren. Erstfamilien
ohne Trauschein, wie wir eine sind, bilden unter den Haushalten mit Kindern sogar eine Randerscheinung von weniger als 5 Prozent. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass die «wilde Ehe» in Teilen der Schweiz bis tief ins 20. Jahrhundert – im Wallis gar bis 1995 – strafbar war. 
Für den Zusammenhalt braucht es in Benjamin Muschgs Familie keinen Ring am Finger. 
Für den Zusammenhalt braucht es in Benjamin Muschgs Familie keinen Ring am Finger. 
Heute müssen wir zwar nicht mehr fürchten, dass die Polizei bei uns klingelt. Freilich gibt es aber doch noch eine Reihe gesetzlicher Andersbehandlungen von ehelichen und unehelichen Familien. Zum Beispiel die Sache mit dem Namen: Dass das eigene Kind anders heisst, führt hie und da zu einem gewissen Erklärungsbedarf und manchmal zu einem seltsamen Gefühl beim betroffenen Elternteil. Doch das ist eine selbst gewählte Differenz.

Und insgesamt konnten wir sonst für unser Familienleben ähnliche Bedingungen schaffen, wie sie Verheiratete haben. Während allerdings durch die Ehe ein Rahmenvertrag abgeschlossen wird, in dem vieles zwischen den Partnern und ihren Kinder bereits geregelt ist, mussten bzw. müssen wir als Konkubinatspaar hierfür einen gewissen Zusatzaufwand leisten: 
  • Der Vater muss ein gemeinsames Kind gegenüber den Behörden erst formell anerkennen, damit es rechtlich mit ihm verwandt ist. 

  • Beide Eltern müssen eine schriftliche Erklärung über die gemeinsame elterliche Sorge einreichen, wenn sie diese wünschen. 

  • Möchten Konkubinatspartner einander die Vollmacht erteilen, im Notfall ärztliche Informationen einzuholen, medizinische Entscheidungen zu treffen und rechtliche oder finanzielle Angelegenheiten zu regeln, müssen sie dies in einer Schweigepflichtentbindungserklärung, einer Patientenverfügung respektive einem Vorsorgeauftrag festhalten. 

  • Bei einem Todesfall erbt der Konkubinatspartner nichts automatisch. Um einander doch in beschränktem Mass zu begünstigen, müssen beide dies in einem Testament festhalten. 

  • Konkubinatspartner erhalten zwei individuelle AHV-Renten statt wie ein Ehepaar nur eine anderthalbfache Rente. Dafür haben sie bei einem Todesfall gegenseitig bei AHV, Unfallversicherung und Pensionkasse keinen Anspruch auf Hinterlassenenleistungen. Einige Pensionskassen erbringen solche Leistungen freiwillig dennoch auch für unverheiratete Partner, jedoch nur unter verschiedenen Bedingungen und auf schriftlichen Antrag hin. Um sich für das Schlimmste besser abzusichern, können Unverheiratete eine Todesfallversicherung abschliessen. 

  • Steuerlich profitieren Ehepartner vom günstigeren Verheiratetentarif, schneiden unter dem Strich in vielen Fällen aber doch schlechter ab, weil sie durch die Zusammenrechnung beider Einkommen in eine höhere Progression geraten. Konkubinatspartner müssen in jedem Fall zwei Steuererklärungen ausfüllen, und diese können reichlich kompliziert werden, vor allem bei gemeinsamem Eigentum. 

  • Vieles lässt sich im Rahmen eines Konkubinatsvertrags regeln. Dafür gibt es allerdings keinerlei formale oder inhaltliche Vorgaben. Entsprechend anspruchsvoll ist es, den Vertrag so auszugestalten, dass er alles Wesentliche rechtlich solide, vollständig und im Sinne beider Beteiligter regelt. 

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