Redaktionsblog

Fritz+Fränzi in Corontäne

Seit rund zwei Wochen befinden sich Verlag und Redaktion von Fritz+Fränzi sowie die Herausgeberin, die Stiftung Elternsein, im Home Office. Wie es uns dabei geht, lesen Sie hier. 
Redaktion: Florina Schwander
Bilder: zVg
Normalerweise befindet sich unser Büro im Zürcher Seefeld. Aktuell befinden wir uns aber quer durch die halbe Deutschschweiz verstreut – und sogar über der deutschen Grenze. So gut es neben den familiären Verpflichtungen geht, arbeiten wir alle an den nächsten Ausgaben vom ElternMagazin Fritz+Fränzi.

A propos: Das ElternMagazin Fritz+Fränzi hat eine Solidaritätsaktion ins Leben gerufen. Wenn Sie kein Fritz+Fränzi-Abo besitzen, erhalten Sie unseren Ratgeber in unregelmässigen Abständen über die Schulen verteilt. Jetzt, wo die Schulen zu sind, schicken wir Ihnen unser Heft kostenlos und unverbindlich nach Hause. Alles, was Sie tun müssen, erfahren Sie hier: www.fritzundfraenzi.ch/gratis
Das wöchentliche Meeting am Montag findet erstmals via Zoom statt. 
Das wöchentliche Meeting am Montag findet erstmals via Zoom statt. 

Nik Niethammer, Chefredaktor. Sohn 10, Tochter 8 Jahre alt. 

«Wir müssen alles erwarten. Auch das Gute». Ein toller Satz. Er beschreibt meine Gefühlswelt ziemlich gut. Ich hoffe auf das Gute, für meine Liebsten und für mich. Gleichzeitig mache ich mir Sorgen. Was macht das Virus mit uns, mit unseren Kindern? Wie halten wir als Familie diese Zerreisprobe aus? Und was ist danach?

Meine kleine Tochter fragt: «Papa, müssen wir jetzt alle sterben?» Ich bleibe ruhig, erkläre, warum die Schulen geschlossen sind und wir alle zu Hause bleiben müssen. Ich versuche, die Nerven zu behalten, entschuldige mich, dass ich in diesen Tagen ziemlich gestresst bin, auch am Samstag und Sonntag gearbeitet habe. Beide Kinder nicken, aber sie verstehen es nicht.

Was sind das für verstörende, beängstigende Zeiten, wo bereits der Besuch beim Grossmani zur Hochrisikveranstaltung wird. Eine Naturkatastrophe in Zeitlupe, nannte ein Forscher die Corona-Krise. Ein Stresstest für die Familie, wie ihn niemand von uns in diesem Ausmass je erlebt hat.

Wir alle müssen auf nichts weniger als auf unseren Alltag verzichten. Auf soziale Kontakte, auf Umarmungen und Berührungen. Wie lange halten wir das durch?

Mein Frau ist Reisejournalistin, in diesen Tagen würde sie auf Mallorca drehen. Der Dreh ist abgesagt, alle Produktionen der nächsten Monate auf unbestimmte Zeit verschoben. Von 100 auf 0 in wenigen Tagen. In die Freude, dass wir als Familie zusammen sind, mischen sich Sorgen: Keine Arbeit – kein Einkommen. 

Ich überlege: Wann waren wir zum letzten Mal so lange so nah aufeinander? In den Ferien. Aber das hier, das sind keine Ferien. Das ist der ultimative Stress für Familien. Trotzdem bin ich froh, in diesen Tagen nicht allein auf mich gestellt zu sein; ich kann nur erahnen, vor welchen Herausforderungen jetzt Alleinerziehende stehen.

Als die Meldung «Schule geschlossen» bei uns eintraf, haben die Kinder gejubelt. Sie stürmten in den Keller und holten die grosse Schiefertafel hervor. «Lass uns Schule spielen.» Heute, zwei Wochen später, hat sich vieles eingespielt. Es macht sich aber auch Ernüchterung breit. Beide lesen und rechnen brav nach Stundenplan, üben Geige und Klavier – und erklären immer wieder, wie doof der Papa sei, denn er habe keine Zeit zum Spielen, obwohl er zu Hause ist.
Zwei Kinder, 20 Bedürfnisse. Der Ältere will Fussball spielen, in der Wohnung versteht sich, weil nach draussen geht ja nicht. Die jüngere Tochter möchte auf meinen Arm, gerade jetzt, wo ich diesen Text schreibe.

Arbeiten im Home Office heisst: Man setzt sich mit dem Kind hin und fragt die 9er Reihe ab. Zurück am Rechner hängen 13 Mails im Postfach.
Und dann diese vielen Fragen: Darf das Kind zum Kindergeburtstag? Wir entscheiden uns dagegen. Was kocht man im Home Office? Zum Glück gibt’s Tiefkühlpizza. Nimmt man im Supermarkt den letzten Beutel Flüssigseife? Nein, natürlich nicht. Man lässt den Beutel stehen und nimmt ein Haarshampoo.

Die Krise hat uns mit voller Wucht getroffen. Jetzt stellt sich zum ersten Mal etwas Langsamkeit ein. Was also bleibt nach einer Woche im Ausnahmezustand? Die Hoffnung, dass das Virus auch gute Seiten in uns Menschen hervorholt. Dass unsere Gesellschaft solidarisch gestärkt, achtsam und wenigstens ein bisschen entschleunigt aus der Krise kommt.

Und dass das Gute siegt.
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Andrea Widmer, Fundraising. Zwei Töchter, 8 und 6 Jahre alt. 

Ich arbeite momentan drei Tage, mein Mann hat sich bis auf weiteres einen Tag freigenommen. Da er selbständig ist, hat er eine gewisse Flexibilität. Die Kinder sind zuhause, die Notfallbetreuung an unserer Schule ist nur für absolute Notfälle. Mein Mann geht momentan noch ab und zu ins Büro, arbeitet aber auch mehr und mehr im Home Office. Wir versuchen uns alle, so gut es geht, mit der neuen Situation anzufreunden. Ich befürchte manchmal, sie könnte noch länger dauern … Wir haben zum Glück einen kleinen Garten und schauen, dass die Kinder bei schönem Wetter soviel Zeit wie möglich an der frischen Luft verbringen. Der Lagerkoller ist (bis jetzt) noch ausgeblieben.

Unsere Schule hat extrem schnell reagiert und wir haben seit letztem Mittwoch eine super E-Learning-Plattform. Sogar die jüngere Tochter, die noch im Kindergarten ist hat einen Login! Auch wenn ich am Anfang leicht überfordert mit dem Einrichten der vielen Logins war, bin ich der Schule extrem dankbar für diesen Superservice. Die Grosse hat einen richtigen Wochenplan mit verschiedenen Fächern und ist damit sicher ein bis zwei Stunden täglich beschäftigt. Danach noch wir eine halbe Stunde mit Hausaufgaben einscannen und hochladen.
Besonders toll im Wochenplan der älteren Tochter finde ich das Tagebuch: Sie sollen dreimal pro Woche ein Coronatagebuch schreiben, manchmal frei, manchmal stellt die Lehrerin konkrete Fragen. Auch die Lehrerin schreibt regelmässig an ihrem Tagebuch, welches die Kinder dann wiederum auch lesen können. Toll! Die Kleine wurde mit einem Frühlingsheft, welches die Kindergärtnerinnen am letzten Freitag versandt haben, beglückt. Darin hat es für jeden Tag eine Aufgabe, einen Basteltipp oder ähnlich.

Wir versuchen momentan – so gut es eben geht – jeden Tag vorzu zu nehmen. Meine Kinder nehmen es bis jetzt sehr gut, doch mache ich mir schon manchmal Gedanken. Sie wurden vom einen Tag auf den anderen aus ihrem ganzen Umfeld, ihren Hobbies und ihrem Sozialleben herausgerissen. Auch mache ich mir natürlich Sorgen und Gedanken um meine Eltern, die aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehören.

Momentan getraue ich mich noch gar nicht, an Normalität zu denken. Aber wenn sie dann da ist, dann freue mich wohl am allermeisten auf einen Sprung in den Zürichsee! Aber ich bin mir irgendwie sicher, dass es ein «vorher» und ein «nachher» geben wird und unsere Normalität – wenn sie dann wieder eingekehrt ist – anders aussehen wird als noch Anfangs 2020.

Corina Sarasin, Sales Managerin

Ich arbeite 100 Prozent als Sales-Managerin. Auf meinem Esstisch steht neu nun mein Computer aus dem Büro, so musste ich nichts neu einrichten, nur das Kabel einstecken. 

Ich habe keine Kinder und auch keinen Partner, mit dem ich hier lebe. Ich bin also immer alleine. Das ist gar nicht so einfach – nur so als Bemerkung für alle, die sich wünschten, mal etwas Ruhe zu haben. 
Solange ich noch raus darf, gehe ich entweder vor oder nach der Arbeit joggen. Es hilft mir, mich in den Arbeitstag ein- oder auszuklinken. Wichtig ist für mich auch, dass ich mich morgens so anziehe, als würde ich das Haus verlassen – ich will nicht im Jogginganzug am Tisch sitzen. Abends muss ich das Ritual «die Bürotür zumachen» nachvollziehen. Danach koche ich für mich alleine (!) feine Sachen, das ist wichtig für meine Seele. 

Mein Garten gibt mir viel Kraft zur Zeit. Ich geniesse es, mal wieder Zeit zu haben für eine ausgiebige Pediküre und mir mal wieder selber die Haare zu färben. Ich vermisse unheimlich stark, mal wieder jemanden in den Arm zu nehmen. Wenn es da draussen wieder normal zu und her geht, werde ich als erstes meine Freunde, meine Patenkinder und alle, die mir unter die Augen kommen, knuddeln und umarmen.

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