Desktop intelligentes haus kolumne mann am tablet
Elternblog

Hilfe, mein Mann will mit Steckdosen sprechen

Der Mann unserer Autorin schwärmt von intelligenten Steckdosen und Kühlschränken. Sie selbst würde ganz andere Dinge im Haus programmieren, damit das Familienleben einfacher wird.
Text: Ulrike Légé
Mein Mann träumt jetzt von einem intelligenten Haus. Er war neulich mit einem technologie-begeisterten Freund ein Bier trinken. Seitdem findet er, es sei ganz unglaublich, was man heutzutage alles machen könne. Sie nennen es «intelligente, vernetzte Haushaltsgeräte» – ich würde eher «toys for boys» sagen. For big boys, in dem Fall.

Von Geräten, die mein Leben einfacher machen würden, träume ich auch. Wenn ich überhaupt einmal träumen kann, weil ich nicht gerade aufräume, «Bitte erledigen»-Listen für alle schreibe, oder meine Familie an Dinge erinnere, die sie sonst vergessen. Da könnte man so viel anders machen, in der Tat.

Mein Mann möchte jetzt mit seinen Steckdosen kommunizieren, erzählt er mir begeistert, eine intelligente Steckdose in der Hand. Ein Werbegeschenk von unserem Strom-Versorger. Ich finde ehrlich gesagt, mein Mann kommuniziert mit mir schon eher wenig. Und ich halte mich nicht für komplett un-intelligent. Insofern kann ich seiner Steckdose wenig Hoffnung auf erfüllende Gespräche machen. 

Die Steckdosen im fröhlich quatschenden Rudel

Meinem Mann auch nicht. Ich verstehe, dass es ihn nervt, wenn ich ihm abends dauernd von nicht aufgeräumten, nicht erledigten oder nicht mitgenommenen Dingen erzähle. Aber ich fürchte, von seiner neuen Lieblings-Steckdose wird nicht viel Interessanteres kommen.

Ich würde ja das ganze Potenzial überhaupt nicht überblicken, grummelt mein Mann beleidigt. Die Steckdosen könnten auch untereinander kommunizieren und das sei für alle megatoll. Für mich hört sich das eher nach «glückliche Meersäuli leben im Rudel» an. Ich finde, unsere drei Kinder kommunizieren ohnehin schon genug untereinander und mit uns – da müssen jetzt nicht noch Steckdosen mitreden.

Ausserdem, sagt mein Mann, bräuchten wir einen intelligenten Kühlschrank. Der würde dann unsere Einkäufe direkt beim Supermarkt bestellen und uns Zeit sparen. Was ich schade finde, denn einkaufen tue ich wirklich gern. Und über unser Handy, schwärmt mein Mann, könnten wir dann ganz automatisch Storen und Türen öffnen.
Der digitale Kühlschrank würde unserem Sohn aus der Hand fressen.
Ehrlich gesagt sehe ich da mehr Probleme als Lösungen auf uns zukommen. Unser Sohn ist mit zwölf Jahren ein echter Digital Native. Ein digitaler Eingeborener darf man vermutlich nicht sagen. Aber er ist wirklich hereingeboren in das Land des Wischens, Apps laden und jegliche elektronische Sperren überwinden. 

Smartphones, Tablets, Computer machen in unserem Haus prinzipiell, was unser Sohn will. Ihm würde garantiert auch unser Kühlschrank aus der Hand fressen und kiloweise Schokoriegel und Red Bull bestellen. Unser Sohn hätte richtig Spaß, wenn er den Kühli mit seinen Kumpels, einer netten Bande von zukünftigen Hackern, neu programmieren kann. Mein Leben wäre garantiert nicht einfacher.

Anzeige
0 Kommentare

Zugehörige Tags

Diesen Artikel kommentieren