«Die erste Zeit mit dem Handy war schlimm für mich»

Aus Ausgabe
11 / November 2026
Lesedauer: 3 min
Claudia ist es wichtig, dass ihr Sohn Diego klare Handyregeln hat, an die er sich halten kann. Gleichzeitig versucht sie, seine Wünsche mit ihren eigenen in Einklang zu bringen.
Aufgezeichnet von Sandra Markert

Bild: Joël Hunn / 13 Photo

Claudia Grolimund, 45, medizinische Praxisassistentin, lebt mit ihrem Mann Michele, 45, Angestellter in einer Baufirma, Sohn Diego, 13, und Tochter Elin, 4, in Egerkingen SO.

Claudia: «Uns war sehr wichtig, Diego nicht einfach ein Handy zu geben, sondern von Beginn an klare Regeln aufzustellen. Deshalb haben wir gemeinsam einen Mediennutzungsvertrag gemacht.»

Diego: «Ich wollte selbst, dass wir die Handyzeiten klar regeln. So habe ich trotzdem noch genügend Zeit für Freunde, Fussball und andere Hobbys. Ich kenne es von anderen, die sich die Bildschirmzeit frei einteilen können, da kommen solche Dinge schon mal zu kurz.»

Claudia: «Wir sind bei den Zeiten keinen Empfehlungen gefolgt, sondern haben uns Diegos Stundenplan und seine Hobbys für jeden Tag angeschaut und gemeinsam überlegt: Wo bleibt wann wie viel Zeit fürs Handy? Am Montag ist der Tag zum Beispiel so voll, dass es keine Medienzeit gibt. Das hat sich schnell super eingespielt. Wobei es am Anfang schon auch Herausforderungen gab.»

Diego: «Als ich mein Handy bekommen habe, waren noch Ferien. Da hatte ich meine Zeit oft schon morgens aufgebraucht. Es gab so viele neue Dinge zum Ausprobieren, da geht das ganz schnell.»

Wir als Eltern müssen auch akzeptieren, dass er seine Interessen und Bedürfnisse hat und heute einfach vieles über das Handy läuft.

Claudia, Mutter

Austausch ist wichtiger als Verbote

Claudia: «Diese erste Zeit mit dem Handy war schlimm für mich. Diego hat so viele Hobbys, er malt gern, spielt Fussball und Schlagzeug. Und plötzlich schaute er ständig auf das Gerät. Da hatte ich schon manchmal den Impuls: Wir müssen ihm das wieder wegnehmen! Und das, obwohl er nur sehr wenig Medienzeit hatte und damit auch sehr gut umging. Aber man macht sich halt schnell Sorgen, weil man so viele schlimme Dinge hört. Als Eltern will man beim eigenen Kind möglichst alles richtig machen.»

Diego: «Inzwischen sind meine Eltern lockerer geworden. Anfangs durfte ich morgens vor der Schule nie ans Handy. Aber mich interessieren da eben die Fussballergebnisse vom Vorabend, und wenn ich danach frage, darf ich sie auch nachschauen.»

Claudia: «Es ist schon wichtig, ständig miteinander im Austausch zu bleiben und nicht einfach strikt irgendwelche Verbote durchzuziehen. Wir als Eltern müssen auch akzeptieren, dass er seine Interessen und Bedürfnisse hat und heute einfach vieles über das Handy läuft. Da wollen wir ihn ernst nehmen. Trotzdem erlauben wir weiterhin nicht alles. Snapchat zum Beispiel ist bei vielen anderen ein grosses Thema, das gibt es bei uns nicht, da ist mir das Suchtpotenzial zu hoch.»

Diego: «Das ist okay für mich. Ich kann mich über Whatsapp mit anderen austauschen, ich brauche nicht unbedingt eine weitere App dafür. Und ich finde es auch gut, dass ich mein Handy nachts nicht mit in mein Zimmer nehmen darf. Ich vermisse oder verpasse nichts. Hätte ich es bei mir, würde ich vielleicht doch auf die Idee kommen, es zu nutzen, und dann weniger schlafen.»