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Medienerziehung

Woher kommt die Faszination für das Ballerspiel Fortnite?

Fortnite ist derzeit das weltweit beliebteste Videogame.
Warum fasziniert das Ballerspiel so viele Jugendliche? Und woran merken Eltern, dass ihr Kind spielsüchtig ist? 
Text: Jochen Metzger
Bilder: Alamy, ZVG
Ich schwebe am Fallschirm über einer fremden Insel. Der Boden kommt näher, bald geht das Geballer los. Denn mit mir landen noch 99 weitere Spieler. Wir werden kämpfen, jeder gegen jeden – bis nur noch einer von uns übrig bleibt. 
Fortnite Battle Royale ist ein Shooter-Game. Wer als Letzter von 100 Spielern am Leben bleibt, gewinnt.
Fortnite Battle Royale ist ein Shooter-Game. Wer als Letzter von 100 Spielern
am Leben bleibt, gewinnt.
Nach etwa 20 Minuten steht der Sieger fest. Für mich endet das Spiel aber schon nach 120 Sekunden: Eine Frauenfigur erledigt mich per Flintenschuss. Ich nehme die Hand von der Tastatur, langsam beruhigt sich mein Puls. Soll ich es noch einmal probieren? Lieber nicht. Die anderen sind einfach zu gut für mich. Zu jung – und viel zu schnell.

Fortnite Battle Royale

Das Spiel, das mich so zeitig hat scheitern lassen, heisst Fortnite Battle Royale. Es ist das derzeit beliebteste Videogame der Welt. Der, wie mein 17-jähriger Sohn mir erklärt, «grösste Hype», den er je erlebt hat. «Das spielen gerade alle.»

Und es läuft wie immer, wenn etwas die Kinder derart magisch in seinen Bann zieht: Eltern machen sich Sorgen. Frisst das neue Spiel zu viel Zeit? Soll man es verbieten? Und was macht Fortnite für Kinder so anziehend? In den Zeitungen und im Internet findet man darauf viele extreme Antworten. Die meisten davon haben eines gemeinsam: Sie stimmen nicht.

Sieben Irrtümer über Fortnite – und sieben Wahrheiten, die Eltern wissen sollten.

1. Irrtum: Alle spielen Fortnite

Das ist natürlich Unsinn. Pro Monat gibt es ungefähr 40 Millionen aktive Spieler weltweit (Stand: Anfang Juni 2018). Das sind wahnsinnig viele – aber deutlich weniger als «alle». Zahlen für einzelne Länder liegen nicht vor. Viele Kinder und Jugendliche aus der Schweiz haben Fortnite noch nie gespielt. Aber vermutlich habe alle schon davon gehört.

Der amerikanische Computer­spielforscher und Professor Dmitri Williams macht noch auf einen an­ deren Umstand aufmerksam: Etwa 15 Prozent aller Menschen können Fortnite nicht länger als ein paar Minuten spielen. Sie werden see­krank – weil die Bilder sich so schnell und hektisch bewegen.
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2. Irrtum: Fortnite Battle Royale ist für Kinder ab zwölf

Das stimmt nicht ganz. Eine offizielle Altersfreigabe («ab 12») gibt es nur für das kostenpflichtige Originalspiel Fortnite. Bei dieser Version kämpft man nicht gegen andere Spieler, son­dern gegen Zombies. Die eindeutig beliebtere Onlineversion namens Fortnite Battle Royale unterliegt überhaupt keiner Altersbeschrän­kung.
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Der Spieleratgeber des deutschen Bundeslandes Nordrhein­Westfalen schätzt, dass sich das Spiel an «Jugendliche ab 14 Jahren» richtet. Für jüngere Kinder könne die Sache «zu nervenaufreibend» werden. Tat­sächlich gehören aber auch viele 8-­ und 9­-Jährige zu den Nutzern. Für die meisten dieser Kinder ist das viel zu früh.

3. Irrtum: Fortnite ist ein reines Ballerspiel

Bei Fortnite handelt es sich um kein Spiel für Pazifisten. Wer nicht kämpft, kann nicht gewinnen. Trotz­dem muss man dabei nicht nur laufen und schiessen, sondern zusätz­lich auch Dinge bauen. Etwa eine Treppe, um einen Berg zu besteigen, eine Mauer, hinter der man sich ver­stecken kann, oder einen Turm, um seine Gegner besser zu sehen.

Fortnite wirkt wie eine Mischung aus Lego­-Welt und Paintball. Erfahrene Spieler sagen: Im Zweifel gewinnt dabei nicht der bessere Schütze – sondern der bessere Bau­meister.

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