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Kinderfotos sicher teilen – aber wie?

Aus Ausgabe
11 / November 2026
Lesedauer: 5 min

Kinderfotos sicher teilen – aber wie?

Eltern möchten Verwandten oder Freunden gerne Bilder ihrer Kinder schicken – oder auf Social Media zeigen. Aber was geht noch in Zeiten von Sharenting und Deepfakes?
Text: Thomas Feibel

Illustration: Petra Duvkova / Die Illustratoren

Wir alle lieben es, unsere Kinder zu fotografieren. Eltern möchten mit diesen Aufnahmen Erinnerungen schaffen. Regelmässige Schnappschüsse halten die kindlichen Entwicklungsschritte fest, die sonst im Durcheinander des Alltags schnell untergehen. Und natürlich wollen wir besonders gelungene Fotos oder Aufnahmen von wichtigen Ereignissen auch mit Verwandten und Freunden teilen. Daran ist nichts Verwerfliches – und ich bin da keine Ausnahme.

Nur geschieht das in Whatsapp-Gruppen und sozialen Netzwerken häufig etwas zu sorglos. Begriffe wie «Sharenting» – eine Mischung aus to share (teilen) und parenting (Kindererziehung) – jagen uns ein schlechtes Gewissen ein. Zu Recht, liegen sie doch mit ihrer Kritik vollkommen richtig.

Wer glaubt, dass pornografische Deepfakes nur in konspirativen Nischen des Darknets zu finden sind, verschliesst die Augen vor der Realität.

Zur Erinnerung: Wenn alles öffentlich wird, geht das mit einem erheblichen Verlust der Privatsphäre einher. Zudem geben wir so die Kontrolle über diese Bilder aus der Hand, da niemand weiss, was Plattformen wie Instagram, Facebook oder Tiktok damit anstellen. Und vergessen wir bitte an dieser Stelle die Kinder nicht, die vielleicht mit zunehmendem Alter Scham über dieses ungefragte Zurschaustellen empfinden können. So weit, so bekannt.

Seit dem Aufkommen massentauglicher KI-Tools hat sich diese Problematik noch weiter verschärft. Pardon, aber wer will schon, dass Fremde unsere Kinderfotos benutzen, um daraus pornografische Deepfakes zu erzeugen? Wer glaubt, dass dies nur in konspirativen Nischen des Darknets zu finden ist, verschliesst die Augen vor der Realität. Zu einfach gelingt die Erstellung sexualisierter Bilder mit sogenannten Nudify-Apps.

Wie sich der Missbrauch von Bildern einschränken lässt

Nachdem die Grenzen des Sagbaren in den sozialen Medien längst über das Erträgliche hinaus verschoben wurden, gilt das nun leider auch für das Zeigbare.

Dieses Wissen darüber trübt die Freude am Fotografieren und führt zu einer massiven Verunsicherung. Tatsache ist, dass sich der Missbrauch von online gestellten Fotos zwar nie ganz verhindern, aber mit ein paar Massnahmen einschränken lässt.

Tipp 1: Reden hilft

Wer mit dem inneren Kreis Bilder von Kindern teilen möchte, sollte mit ihm auch eine gemeinsame Linie verfolgen. Zum Beispiel könnten sich Familie und Freunde auf einen gemeinsamen und sicheren Messenger einigen. Ebenso wichtig sind Vereinbarungen, etwa Zugänge zu Cloudsystemen nicht weiterzugeben. Sind Kinder und Jugendliche unter den Empfängern, müssen auch sie sich an diese Regeln halten.

Vorteil: Gemeinsame Absprachen sorgen für Klarheit – und können Kreise ziehen, wenn Familie und Freunde sie auch in ihrem Umfeld übernehmen.

Nachteil: Es gibt keine Gewährleistung, dass sich alle an die Absprachen halten.

Threema und Signal gelten als sichere und datenschutzfreundliche Messenger. Beide sind jedoch deutlich schlechter verbreitet als Whatsapp – trotz dessen schlechtem Ruf.

Tipp 2: Was ist mit Whatsapp?

Beim privaten Teilen von Fotos spielt Whatsapp die Hauptrolle. Wer Kinderfotos trotz aller Vorbehalte damit verschicken möchte, kann die Funktion «Einmal ansehen» nutzen. Nach einmaliger Betrachtung verschwinden diese Bilder beim Empfänger wieder.

Vorteil: Die meisten Menschen im eigenen Umfeld dürften Whatsapp nutzen. Persönliche Nachrichten und Anrufe sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt.

Nachteil: Jeder muss selbst entscheiden, wie viel Vertrauen er dem Unternehmen Meta entgegenbringt, zu dem neben Whatsapp auch Instagram und Facebook gehören.

Tipp 3: Alternative Messenger nutzen

Wer keine werbefinanzierten Datenkraken unterstützen möchte, ist mit dem in der Schweiz ansässigen Threema besser dran. Signal wiederum untersteht einer gemeinnützigen Organisation. Beide sind nicht nur für Kinderbilder, sondern auch für die alltägliche Kommunikation empfehlenswert.

Vorteil: Threema und Signal gelten seit Jahren als sichere und datenschutzfreundliche Messenger.

Nachteil: Beide sind deutlich weniger verbreitet als Whatsapp – trotz dessen schlechtem Ruf.

Tipp 4: Bilder über Cloudsysteme teilen

Bilder lassen sich auch einfach über Cloudsysteme mit anderen Personen teilen. Bekannt sind etwa Google Drive und Microsoft OneDrive. Private Fotos sind jedoch ein sensibles Gut – sollen sie wirklich auf den Servern grosser US-Cloudanbieter liegen? Datenschutzfreundlichere Alternativen könnten etwa Proton Drive aus der Schweiz oder das deutsche Nextcloud sein.

Vorteil: Der Zugriff lässt sich auf bestimmte Personen beschränken und mit persönlichen Zugängen schützen.

Nachteil: Freigabelinks können dennoch weitergegeben werden.

Diese Empfehlungen wirken unbequem und stören. Aber das tun Schwimmflügel auch. Die Alternativen mag ich mir nicht vorstellen.

Tipp 5: Eigene Cloud mit NAS-Systemen

Der Begriff NAS steht für Network Attached Storage. Vereinfacht gesagt handelt es sich um eine eigene Cloud zu Hause, auf die Familie und Freunde mit entsprechenden Zugängen datenkrakenfrei zugreifen können. Viele NAS-Systeme arbeiten mit mehreren Festplatten. Fällt eine aus, sind die Daten auf den anderen Festplatten weiterhin vorhanden. Das ist sicherer als nur ein externer Datenträger fürs Backup. Darum eignet sich ein NAS nicht nur für Familienfotos, sondern auch ganz allgemein für die Sicherung wichtiger Daten und Dokumente. Ein bekannter Anbieter heisst Synology.

Vorteil: Die Kontrolle über die Daten bleibt in der eigenen Hand. Da sich ein NAS auch für Backups von Computern und anderen Geräten nutzen lässt, kann sich ein Kauf insgesamt lohnen.

Nachteil: Die Anschaffung kostet Geld und die Einrichtung ist aufwendiger, als Google Drive aufzurufen. Aber kein Hexenwerk. Die Kosten variieren je nach Gerät, Anzahl und Grösse der Festplatten.

Tipp 6: Verdrängen ist keine Lösung

Wer sich trotz aller Risiken dazu entscheidet, Kinderbilder zu posten, sollte den unten stehenden Tipps und Links folgen. Verdrängen ist keine Lösung. Ja, diese Empfehlungen wirken unbequem, und ja, sie sind umständlich und stören. Aber Schwimmflügel tun das auch. Die Alternativen mag ich mir nicht vorstellen.

  • Keine Fotos, auf denen die abgebildete Person von vorne zu sehen ist und in die Kamera blickt, lieber von hinten und schwer erkennbar.
  • Keine Fotos, auf denen die abgebildete Person nur wenige oder gar keine Kleider anhat.
  • Keine Fotos, die Füsse und Hände aus der Nähe zeigen (Fetisch-Alarm).
  • Keine Fotos, die an Orten wie Bett, Wanne oder Wickeltisch gemacht wurden.
  • Keine Fotos, auf denen die abgebildete Person mit Make-up und in Posen zu sehen ist.

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