Youtube als Nachhilfelehrer
Mediennutzung
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Das Prinzip umgekehrtes Klassenzimmer

Diese Vorzüge der digitalen Medien hat auch die Pädagogik erkannt. Längst sind Lehrerinnen und Lehrer nicht mehr so unentspannt und verkrampft wie vor wenigen Jahren, wenn es um Digitalität im Unterricht geht. «Der selbstverständliche und differenzierte Einsatz von Medien im Unterricht», schreibt der Medien­pädagoge Thomas Merz von der Pädagogischen Hochschule Thurgau in «Medienbildung im digitalen Zeitalter», «ermöglicht es, Unterrichtsformen zu öffnen, selbstgesteuerte Lernprozesse zu initiieren, ­Teilhabe zu fördern und alte, fest­gefahrene Unterrichtsstrukturen und Hierarchien aufzubrechen.»

Einige Pädagogen nutzen darum schon heute das Modell des sogenannten «Flipped Classroom». Darin wird das bisherige Lernprinzip umgedreht: Der Lehrer oder die Lehrerin bereitet das Thema nicht im Unterricht auf, sondern lässt es die Schüler zu Hause selbständig erarbeiten, um dann später im Unterricht gemeinsam die Anwendung zu üben. Auch das dient der Stärkung der Eigeninitiative beim Lernen. «Flipped Classroom» erweitert die Vermittlungsmethoden ungemein um neue und motivierende Facetten – ist aber kein Allheilmittel gegen schlechte Noten.

Schlechte Noten beunruhigen

Bringen Kinder und Jugendliche schlechte Noten nach Hause, schlagen Eltern schnell Alarm. Schlechte Zensuren sind zwar ein Hinweis auf eine augenblicklich brenzlige Situation, liefern aber keine Erklärungen für die Ursachen. Obwohl Schülern gerne Faulheit unterstellt wird – was zuweilen nicht ganz falsch sein mag –, können die Gründe vielfältiger sein. 

So gibt es Lehrerinnen und Lehrer, die sich beim Voranschreiten im Lernstoff an guten Schülern orientieren, oder sie sind so tief in ihrer Thematik, dass sie gar nicht merken, wenn schwächere Schüler auf der Strecke bleiben. Hinzu kommen starke Schwankungen in der Gemütsverfassung und Konzentration von Schülern in der Pubertät. Manche Schüler haben Kummer, andere werden vielleicht gemobbt. Bei schlechten Noten gilt es also genau hinzusehen, wie es dem Kind gerade geht und welche anderen Dinge es beschäftigen.

Fazit: Tutorials aus dem Internet können Kinder und Jugendliche auf mehreren Ebenen unterstützen, den Lernstoff gut erläutern und eigenständiges Lernen fördern. Das ist toll. Aber sie nehmen ihnen etwa das Lernen von Vokabeln nicht ab. Natürlich können Abfrage und ­Kontrolle mit Computer und Smartphone mehr Spass machen, der Lernnachmittag sollte allerdings aus einer guten Lernmischung bestehen: Neben technischen Geräten helfen das Kartensystem und das Abfragen vonseiten der Eltern. Nicht Youtube ist der ideale Nachhilfelehrer, sondern ein ausgewogener Mix.

Lernen mit und ohne Internet

  • Lerngruppen aus Schülern können sinnvoll sein, weil sie sich untereinander ­Vorgänge auf Augenhöhe erklären.

  • Manche Kinder empfinden es als Druck, wenn Vater und Mutter sich zu sehr als Lernpartner anbieten.

  • Aussagen wie «du bist doch intelligent» oder «dir liegen doch eigentlich Sprachen» helfen bei schlechten Noten nicht weiter.

  • Schauen Sie sich Tutorials für den Schulstoff gemeinsam mit Ihren Kindern an, um zu entscheiden, welcher Beitrag ­hilfreich ist und welcher nicht.

  • Die Schule ist für uns Eltern sehr lange her. Wer seinem Kind helfen möchte, muss sich den alten Stoff wieder ­erarbeiten. Erklärvideos können uns auch dabei unterstützen.

  • Kinder brauchen eine gute und ruhige Lernumgebung.

  • Kein Smartphone beim Lernen, Computer aber schon.

Zum Autor:

Thomas Feibel, 56, ist einer der führenden ­Journalisten zum Thema «Kinder und neue Medien» im deutschsprachigen Raum. Der Medienexperte leitet das Büro für Kindermedien in Berlin, hält Lesungen und Vorträge, veranstaltet Workshops und Seminare. Zuletzt erschien sein Elternratgeber «Jetzt pack doch mal das Handy weg» im Ullstein-Verlag. Feibel ist verheiratet und Vater von vier Kindern.
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