Thomas Feibel
Mediennutzung

Von wegen verstaubt ...

Die Arbeit von Bibliotheken wird oft unterschätzt. Dabei sind sie der beste Wegweiser durch den Digitaldschungel, findet unser Experte Thomas Feibel.
Text: Thomas Feibel
Illustration:
Petra Dufkova / Die Illustratoren
Wenn es um die digitale Medi­enbildung von Kindern und Jugendlichen geht, fühlt sich selten jemand zuständig. Oft winkt die Schule ab. Da viele Lehrkräfte schon mit der Vermittlung des übrigen Schulstoffs ausgelastet seien, verweisen sie bei diesem Thema gerne auf das Eltern­ haus. Die Eltern wiederum sehen vor allem die Schule in der Pflicht, wenn es um die Einführung ihrer Kinder in die digitale Welt geht.

Recht haben beide Seiten, nur wird in dieser Diskussion stets eine wichtige Bildungsinstanz über­ sehen: die öffentlichen Bibliothe­ken. Keine andere Bildungsinstitu­tion in Europa wächst so schnell und organisch mit den medialen Herausforderungen der Moderne wie diese.

Warum Eltern und Schule Bib­liotheken als Bildungseinrichtung stärker miteinbeziehen sollten, liegt auf der Hand: Sie haben den Raum, die digitalen Geräte und die Mitar­beiter, die sich damit auskennen.

«Die Schweiz verfügt über eine breite und aktive Bibliothekenland­schaft», sagt Heike Ehrlicher, stellvertretende Geschäftsführerin des Verbandes Bibliosuisse. Auch in überdurchschnittlich vielen kleineren und kleinen Gemeinden seien Bibliotheken angesiedelt. Und diese stellen nicht nur einen umfangreichen und qualitativ hochwertigen Medienbestand zur Verfügung, sondern bieten auch zusätzliche Angebote in Form von Beratung oder zielgruppenorientierten Ver­anstaltungen. Aus diesen sieben Gründen, sind Bibliotheken unver­zichtbar:

1. Bibliotheken sind für jeden zugänglich

Jeder Mensch kann das Angebot öffentlicher Bibliotheken nutzen. Unabhängig von Bildungsstand, Nationalität, Religion oder Lebens­standard. Genau darum sind Biblio­theken so wertvoll: Kinder und Jugendliche, die zum Beispiel aus bildungsfernen Schichten stammen und zu Hause weder auf einen Com­puter noch ein Tablet zugreifen kön­nen, profitieren besonders von der technischen Ausstattung.
Durch viele spezielle Freizeitan­gebote im Internet, in Fächern aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, kurz MINT, oder mit Games wird diese Gruppe gezielt begleitet und gefördert.

2. Bibliotheken sind Orte der Begegnung

Heute wird von Bibliotheken oft als «drittem Ort» neben Schule, Arbeit und dem Zuhause gesprochen. Kin­der und Jugendliche halten sich ger­ne in Bibliotheken auf, um gemein­sam an ihren Hausaufgaben oder Referaten zu arbeiten. Die Mitarbei­ter der Bibliotheken stehen ihnen dabei unterstützend zur Seite.

Doch selbst wenn nicht gelernt wird, ist die Bibliothek ein beliebter Aufenthaltsort, um zu lesen, in Magazinen zu blättern, zu spielen oder einfach nur den Gedanken nachzuhängen. Nicht selten wird hier auch Sozialarbeit geleistet, wenn Kinder und Jugendliche mit den Bibliotheksmitarbeitern ins Gespräch kommen.

3. Bibliotheksmitarbeiter leisten Hilfestellung bei der Recherche 

Für Hausaufgaben und Referate ist eine fundierte Recherche unerläss­lich. Die meisten Schüler nutzen dazu Google und Wikipedia. Meist ergeht es ihnen wie den Erwachse­nen: Die hohe Zahl der Fundstellen überfordert sie und das Filtern fällt schwer. In der Bibliothek lernen Schüler, wie sie an gesicherte Fakten herankommen und diese von Falsch­meldungen unterscheiden. Dafür steht ihnen – anders als im Netz – ein realer Ansprechpartner zur Seite. Somit ist die Bibliothek als Partner der verbrieften Informationsbe­schaffung in Zeiten von Fake News wichtiger denn je.
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