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Mediennutzung

Scripted Reality – alles nur Show?

TV-Formate, die Realität und Inszenierung vermischen, können Kinder und Jugendliche verunsichern. Denn der Blick auf sich selbst und auf die Welt wird unbewusst manipuliert. Was sollten Eltern wissen? 
Text: Michael In Albon
Foto: Pixabay
Scripted-Reality-Formate sind Sendungen mit erfundenen Handlungen. So weit, so klar. Jedoch werden solche Sendungen so produziert, dass sie wie eine Dokumentation oder eine Reportage scheinen. Realität und Medienrealität gehen nahtlos ineinander über.

Der Hinweis, dass es sich um eine Inszenierung nach Drehbuch handelt, erfolgt nur als kleiner Hinweis im Abspann. Das erschwert die Abgrenzung von Realität und Medienrealität für Heranwachsende erheblich. Gerade Kinder und Jugendliche können das kaum unterscheiden – auch bei Castingshows nicht.

Daneben unterscheiden sich Scripted Reality und Castingshows. Während Scripted-Reality-Formate Konflikte thematisieren, betonen Castingshows das Perfekte; sie bündeln Klischees und fordern Zuschauerinnen und Zuschauer dazu auf, diesen präsentierten Idealen nachzueifern. In der Model- Castingshow «Germany’s Next Topmodel» beispielsweise geschieht diese Aufforderung ganz offen: Schön ist, wer über bestimmte körperliche Merkmale verfügt, sich entsprechend kleidet und stylt.

Kinder und Jugendliche neigen dazu, solche Wertvorstellungen in ihren Alltag zu übernehmen, um dazuzugehören.

Wer bin ich?

Jugendliche in der Pubertät suchen nach ihrer Identität; sie vergleichen sich deshalb gern mit ihren Helden und suchen nach Ähnlichkeiten zu ihrem Leben. Dabei entwickeln sie gegenüber den Figuren, die scheitern, ein Gefühl der Überlegenheit. Sie transportieren dieses Gefühl in ihren Alltag. Und dort kann dies zu Konflikten führen, in denen sich Jugendliche unbewusst als Täter, Opfer oder Mitläufer verhalten.
Vor allem Model-Castingshows haben einen Einfluss
Bei Castingsendungen entsteht eine vergleichbare Beziehung zu den Kandidatinnen und Kandidaten. Vor allem Model-Castingshows beeinflussen Jugendliche in ihrer Selbstwahrnehmung – die Shows suggerieren, nur optische Eigenschaften seien relevant. Das pausenlose Vergleichen und Scheitern, wenn Teenager den vermittelten Idealen nicht gerecht werden, kann sie unglücklich und hoffnungslos machen – und sich beispielsweise in Essstörungen äussern.

Das Kind begleiten

Hier sind die Eltern gefragt. Verbieten Sie Ihren Kindern solche Formate nicht, aber lassen Sie Ihre Kinder auch nicht allein damit. Schauen Sie sich ab und an eine Folge gemeinsam an. Verurteilen Sie die Sendungen nicht, sondern stellen Sie Fragen. Was gefällt Ihrem Kind? Wieso? Wie unterscheidet sich die gezeigte Handlung vom realen Leben? Was ist also echt? Was inszeniert? Wieso? Diskutieren Sie zusammen unterschiedliche Handlungsmuster und die Herausforderungen. Und prüfen Sie, ob ein Hinweis auf die gescriptete Handlung besteht.

Damit stärken Sie die Persönlichkeit Ihres Kindes und helfen ihm zudem, sich in einer Welt, in der die Grenze zwischen Inszenierung und Realität immer stärker verschwindet, kritisch zu bleiben.
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 Michael In Albon ist Beauftragter Jugendmedienschutz und Experte Medienkompetenz von Swisscom.

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