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Mediennutzung

Online? Offline? Das ist keine Frage!

Seit wir unsere digitalen Geräte immer auf uns tragen, sind wir oft nicht ganz da, wo wir gerade sind. Für Erwachsene ist das zunehmend ein Thema. Und für Kinder und Jugendliche? 
Text: Michael In Albon
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Jugendliche von heute unterscheiden nicht zwischen online und offline. Ihr Leben spielt sich ebenso in der realen wie in der virtuellen Welt ab. Es ist ihnen egal, wo, ob und mit welchem Gerät sie mit ihren Freunden und Kolleginnen kommunizieren. Wir Eltern aber kennen noch die reine Offline-Welt und unterscheiden noch immer. Denn wir haben diesen Wandel von «Nur Nerds verwenden Internet» zu «Alle starren nur noch auf ihre Displays» erlebt – in nur 20 Jahren! Und wir schätzen die selten gewordenen Momente der Besinnung mehr und mehr. 

Das Smartphone macht mobil

Das Interagieren zwischen Jugendlichen ist heute eine Mischung aus On- und Offline. Das liegt auch daran, dass Smartphones weit verbreitet sind und Jugendliche sie fast immer dabeihaben. Und wenn unseren Kindern mal langweilig ist, sagen sie einfach per WhatsApp «Hi», denn sie fühlen sich vor allem sicher, wenn sie Gleichaltrige um sich haben und so wissen, dass sie nichts verpassen. Das ist für Teenager wichtig – erinnern Sie sich? 

Wir Erwachsene urteilen aber oft und kommen zum Schluss: Seit das Smartphone immer dabei ist, sind unsere Kinder nie ganz da, wo sie gerade sind. Selber schätzen wir die Vorzüge dieser Geräte durchaus – Google lässt uns vergessen, dass wir manchmal denkfaul sind, Facebook, Kurznachrichten und E-Mails verstecken unsere Schüchternheit, die Fotosammlung gleicht unsere Vergesslichkeit aus. Genau das schätzen auch unsere Teenager. Zudem langweilen sie sich dank tragbaren Spielhöllen, Musikclubs und Videothek weniger. Und: Auf den Smartphones fliesst ihr Leben zusammen – Familie, Schule, Pfadi, Sportklub und Freunde. Kein Wunder, legen Menschen, ob jung oder alt, die Geräte kaum noch aus der Hand. 

Der Übergang ist fliessend

Sarah Genner, Medienpsychologin an der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, hat eben ihre Dissertation zum Thema Online/Offline-Verhalten beendet. Sie präzisiert: «Einfach nur online und offline zu unterscheiden, greift zu kurz. Wichtig für Eltern und ihre Kinder ist vor allem, zu klären, wo und wann zu Hause Offline-Zonen sinnvoll sind: beispielsweise beim Essen oder in der Nacht. So kann etwa das Smartphone auf dem Sofa statt im Schlafzimmer übernachten. Eine Uhr kann Teenagern helfen, nicht so häufig aufs Handy schauen zu müssen. Oder Eltern können zusammen mit ihren Kindern auf deren Geräten technische Blockaden einrichten wie Freedom oder Offtime. Denn nur weil das Gerät grundsätzlich an ist, muss der Mensch ja nicht ständig online sein.»

Erlebnisräume von Eltern und Kindern erkennen

Kurz: Teilen Sie und Ihre Kinder die Erfahrungen: Warum kommunizieren Sie und Ihre Kinder mit Freundinnen und Kollegen? Wie und wo? Wie unterscheidet sich das Erlebnis auf den unterschiedlichen Kanälen von on- bis offline? Wer bevorzugt was, wann und wozu? Wer lässt sich wodurch ablenken? Sie werden inter­essante Dinge über sich und Ihre Kinder erfahren. Und dabei Ihre und die Medienkompetenz Ihrer Kinder stärken.

Bild: zVg
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Michael In Albon ist Jugend-medienschutz-Beauftragter und Medienkompetenz-Experte von Swisscom. 
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