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Mediennutzung

Liebes Internet: Sag, wer bin ich?

Mit jedem Klick im Internet erzeugen wir Daten – und die Datenmenge wächst stetig. «Big Data» heisst der Trend, der diese Daten verknüpft und auswertet. Haben wir noch den Überblick darüber, was wir preisgeben?
Text: Michael In Albon
Im Netz sind wir nicht eine Person, wir sind viele. Wir sind Kundin oder Auftraggeber, wir sind in Netzwerken und auf Plattformen unterwegs, wir beobachten und bewerten, wir schreiben und kommentieren. Unser digitales Ich und jenes unserer Kinder, das sind: unsere Nachrichten auf WhatsApp, unsere Gefühle als Emoticons, Emojis und Likes, unsere Erlebnisse, die wir auf Instagram teilen, unsere Einkäufe in Onlineshops, unsere Suchanfragen auf Google, unsere privaten Beziehungen auf Facebook oder unsere geschäftlichen auf LinkedIn. Wir hinterlassen überall Spuren in Form von Daten.

Daten sind das Was und Wie 

Man unterscheidet zwei Arten von Daten: solche, die zeigen, was wir tun, und diejenigen, die Auskunft darüber geben, wie wir es tun. Das Was ist der Inhalt; die Suchbegriffe zum Beispiel, die wir bei Google eingeben. Aber auch unsere Adresse, unsere Schuhgrösse, unsere Hobbys oder welche Musik wir hören. Diese Daten haben wir relativ gut unter Kontrolle, denn wir erfassen sie aktiv. Das Wie hingegen hält fest, wann wir uns einloggen, wie viel wir youtuben oder wo wir uns gerade aufhalten. Das bewusst zu steuern, ist schon schwieriger. Diese Daten kommen zum Beispiel von unseren Smartphones. Die Ortungsdienste in unseren Handys wissen oft genau, wo wir uns befinden – sie kennen unseren Wohn-, Schul- oder Arbeitsort und erfassen selbst die Art, wie wir uns fortbewegen. Auch Alltagsgegenstände werden zunehmend mit einem Sensor bestückt und produzieren Daten. «Internet der Dinge» heisst diese Verbindung von analoger und digitaler Welt. Zum Beispiel: Der Kühlschrank, der selbständig Milch nachbestellt, oder das Auto, das einen Service-Bericht an die Werkstatt übermittelt. Bei so vielen Daten stellen sich unweigerlich die Fragen: Haben wir noch den Überblick, wo wir überall Spuren hinterlassen? Und wissen wir, wer da alles unsere Daten sammelt?

Zeig mir, wie du klickst, und ich sage dir, wer du bist 

Unternehmen beginnen, sich durch unsere Daten ein Bild von uns zu machen. Versicherungen, Krankenkassen und Kreditgeber etwa sammeln Daten – nicht uneigennützig. Sie wollen «hohe Risiken» ausschliessen. Kunden also, bei denen sie mehr zahlen, als sie zurückbekommen. Aber auch Detailhändler sammeln Daten, damit sie, wie sie sagen, ihr «Sortiment an die Kundenbedürfnisse anpassen» können und Kunden «zufriedener» sind.
Am Anfang und am Ende der Datenkette steht also der Mensch. Den Überblick behält kaum jemand. Etwas aber kann man wohl tun: sich immer wieder fragen: «Wie gehe ich mit meinen Daten um? Gebe ich so wenig wie möglich preis? Stelle ich mich möglichst positiv dar? Oder gebe ich besonders viel preis – Richtiges und Falsches, damit mein Profil diffus bleibt? Und was sagt mein digitales Verhalten über mich aus?» Die Diskussion darüber bleibt spannend. Und sie trainiert unsere Kinder darin, kritisch zu sein, Dinge zu hinterfragen, zu diskutieren und für sich zu entscheiden. Am Thema Daten lässt sich das vortrefflich üben. Immer wieder.

Im neuen Ratgeber für digitale Medien, «enter», erhalten Sie Hintergrundinformationen zu Themen, die Eltern und Kinder heute beschäftigen: Vorbilder, Orientierung in der Informationsflut, Big Data und selber denken statt nur kopieren.
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Michael In Albon ist Jugendmedienschutz-Beauftragter und Medienkompetenz-Experte von Swisscom.

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