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Mediennutzung

Im Hier und Jetzt statt auf WhatsApp

Achtsamkeit, sich also auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, kann Kindern und Jugendlichen helfen, mit ihren Gefühlen besser umzugehen und Impulse besser zu steuern. Das ist wichtig. Für den Erfolg – im Leben und im Beruf.
Text: Michael In Albon
Ablenkung lauert heute in der Hosentasche, gerade bei Jugendlichen: noch kurz eine WhatsApp-Nachricht beantworten, kurz ein Bild liken. Ihr Geist ist stets auf dem Sprung. Nicht verwunderlich, denn bei jedem neuen Reiz schüttet das Gehirn Dopamin aus – dieser Botenstoff sorgt dafür, dass man sich gut fühlt. Nur: Damit werden unsere Kinder für Unaufmerksamkeit und Unkonzentriertheit belohnt.

Besser mit Gefühlen umgehen

Stirnhirn, der präfrontale Cortex, wo der Regisseur dafür sorgt, dass wir unsere Gefühle im Zaum halten, Impulse unterdrücken und uns kontrollieren. Während der Pubertät ist dieser Gehirnteil eine Grossbaustelle – er muss sich neu bilden. Das ist ein wesentlicher Entwicklungsschritt. Denn für ein glückliches, erfolgreiches Leben braucht es ausser Intelligenz und Wissen auch die Fähigkeit, sich selbst zu steuern. Erfolg basiert auf Selbstkontrolle, Zeitmanagement, Kreativität, Flexibilität, Aufmerksamkeit, vorausschauendem Planen, zielorientiertem Handeln. Mit Selbststeuerung – auch bei digitalen Medien – lässt sich demnach viel erreichen. Ob Internetangebote, die Möglichkeiten von Smartphones oder Tablets das Leben unserer Kinder bereichern, hängt stark von deren Fähigkeit ab, diese bewusst zu nutzen. Es kommt also auf die Fähigkeit zur Selbstkontrolle an. Achtsamkeit kann diese unterstützen. Es geht darum, zu lernen, sich nicht in Gedanken zu verlieren, sondern innezuhalten und die Konzentration aufs Hier und Jetzt zu lenken. Und so das eigene Leben bewusster und selbstverantwortlicher zu gestalten. Konzentration ist keine reine Willenssache, sie kann durch Training verbessert werden. Ihr förderlich sind etwa Schach, Fussball oder die Kampfkunst Taekwondo – sie stärken die Selbstdisziplin und helfen bei der Charakterentwicklung. Studien haben gezeigt, dass sich dadurch auch das Arbeitsgedächtnis verbessert.

Achtsamkeit üben

Die gleichen positiven Effekte haben Achtsamkeitsübungen, bei denen man lernt, auch im Alltag die Umwelt bewusster, aufmerksamer wahrzunehmen. Digitale Medien können ein Teil davon sein. Denn Jugendliche unterscheiden heute nicht mehr zwischen online und offline. Erkunden Sie zum Beispiel mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter die bekannte Umgebung. Jeder spitzt die Ohren. Fällt ein Geräusch auf? Nervt eines besonders? Sind Stimmen zu hören? Schritte? Wasser? Verkehr? Fangen Sie die Geräusche mit der Aufnahmefunktion des Smartphones ein und hören Sie die Aufnahmen anschliessend zu Hause zusammen an. Nehmen Sie auch den Rest der Familie mit auf diesen Klangspaziergang. Wahlweise können Sie die Umgebung auch in Bildern erkunden. Achten Sie aber darauf, dass das Smartphone während der Übung auf Flugmodus gestellt ist, damit Sie und Ihr Kind die Aufmerksamkeit ganz auf die Umwelt richten können. Auch simple Regeln können übrigens zur Aufmerksamkeit beitragen. Für Ihre Kinder etwa: Schau deinem Gegenüber in die Augen, wenn du mit ihm sprichst. Und für Sie als Eltern: Legen Sie das Handy weg, wenn Ihr Kind Sie etwas fragt.
Bild: www.pexels.com
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Zum Autor:

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Michael In Albon ist Jugend-medienschutz-Beauftragter und Medienkompetenz-Experte von Swisscom. 
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