Gebannt vom schönen Schein
Mediennutzung

Gebannt vom schönen Schein

Was tun, wenn die Tochter sich an zweifelhaften Vorbildern aus Instagram orientiert? Ein Ansatz: gemeinsam über die Stars lachen.
Text: Michael In Albon
Bild: iStockphoto

In Zusammenarbeit mit Swisscom
Volle Lippen, glatte Haut, hohe Wangen: So sehen erfolgreiche weibliche Influencer auf der Social-­Media-Plattform Instagram aus. An diesem Bild orientieren sich viele Mädchen und junge Frauen. Die Sache hat allerdings einen Haken: Das «Insta­gram-Face» ist eine Illusion, möglich gemacht durch die digitale Optimierung, und entspricht überhaupt nicht dem wirklichen Aus­sehen ­dieser Stars. Bezeichnenderweise bietet Insta­gram schon von Haus aus Filter an, mit denen sich ein Gesicht praktisch auf einen Klick «optimieren» lässt.

Wo schon wir Erwachsenen Mühe haben, zwischen Realität und schönem Schein zu unterscheiden, ist das für Kinder und Jugendliche noch schwieriger. So orientieren sie sich zunehmend an einem Schönheitsideal, das im richtigen Leben gar nicht zu erreichen ist. Selbstzweifel – ohnehin ständige Begleiter während der Pubertät – werden genährt, mit ­möglicherweise fatalen Folgen.

Hier können und sollen Eltern unterstützend eingreifen. Die Insta­gram-Stars einfach rundweg abzulehnen, bringt nichts. Viel besser ist es meiner Meinung nach, gemeinsam der unrealistischen Kunstwelt auf die Spur zu kommen. Lassen Sie sich von Ihrer Tochter erklären, was sie so toll findet an einer Influencerin. Versuchen Sie spielerisch, diesen Faden aufzunehmen: Warum nicht mal das Bild der eigenen Mama (oder auch vom Papa) mit diversen Filtern verändern? Und sich die ­Frage stellen: Warum sind da plötzlich alle Falten weg? (Vorausgesetzt, vorher waren Falten da.)

Gemeinsam auf Fehlersuche gehen

Einige Influencer setzen sich selbst kritisch mit dem Schönheitswahn auf Instagram auseinander (Stichwort «exposed profiles»), indem sie auch unbearbeitete Bilder zeigen. Auf dieser Basis können Eltern und Kinder versuchen, die teilweise absurden Veränderungen gemeinsam herauszufinden. Das ist unterhaltsam und lässt erkennen, dass man gut beraten ist, Dinge nicht einfach für echt zu nehmen, nur weil sie im Netz sind.

Letztlich sind die meisten Influencer werbefinanziert. Sie präsentieren nicht nur sich selbst; im Bild sind «ganz zufällig» beispielsweise auch Körperpflegeprodukte zu sehen. Thematisieren Sie diesen Teil von Instagram mit Ihren Kindern: Welche Produkte sieht man gehäuft auf den Fotos? Diese Vorbilder sind nicht nur schön, sie verrichten mit ihrem Auftritt schlicht einen Werbeauftrag. Manchmal hilft diese pro­fane Wahrheit, das Ganze etwas entspannter zu sehen.

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<div><strong>Michael In Albon</strong> ist Beauftragter Jugendmedienschutz und Experte Medienkompetenz von Swisscom.</div>
Michael In Albon ist Beauftragter Jugendmedienschutz und Experte Medienkompetenz von Swisscom.

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