Tom Feibel über Cybermobbing
Mediennutzung

Cybermobbing: Das war doch nur ein Scherz!

Cybermobbing-Opfer leiden oft schwer – doch auch die Täter sind immer noch Kinder.
Text: Thomas Feibel
Bei meinen Vorträgen und Workshops spüre  ich immer wieder ein diffuses Unbehagen, sobald jemand der Teilnehmenden auf das Thema Cybermobbing zu sprechen kommt. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich den wahren Ursprung dieses unangenehmen Gefühls genauer verorten konnte. 

Ohne Zweifel löst digitales Mobbing bei Opfern verheerendes Leid aus. Mir geht es im Folgenden aber um etwas anderes: Für mich schwingt bei der Erwähnung des Wortes «Cybermobbing» unterschwellig immer eine Schuldzuweisung mit. So wird Buben und Mädchen unterstellt, solche Taten mit voller Absicht zu begehen. Als hätten wir es ausschliesslich mit kleinen Sadisten zu tun, die sich an der Verzweiflung anderer Menschen ergötzen. Das empfinde ich als ungerecht. 

Falsche Massstäbe verstellen den klaren Blick

Für die Opfer dramatische Folgen haben und mitunter ihr Leben zerstören. Die leidtragende Person benötigt Hilfe, Beistand und Schutz. 

Mir geht es in diesem Beitrag jedoch um einen anderen Aspekt: Bei einem Cybermobbing-Vorfall werfen Erziehende und Pädagogen jungen Tätern Leichtsinn, Unverantwortlichkeit und Unreife vor. Das halte ich für besonders unfair, weil Vorsicht, Verantwortung und Reife vorrangig zu den Massstäben zählen, die wir nicht bei Kindern, sondern nur bei Erwachsenen ansetzen sollten. Oder höchstens noch bei reflektierten Jugendlichen.
In den meisten Fällen von Cybermobbing handelt es sich um spontane Taten oder Scherze, bei denen kein Vorsatz im Spiel ist.
Bei Buben und Mädchen geht dies allerdings aus einem einleuchtenden Grund nicht: weil es Kinder sind. Viele Kinder vermögen – offline und online – nur selten alle Folgen ihres Handelns abzuschätzen – weil sie es noch nicht gelernt haben. Manche Jugendliche dagegen sollten bereits in der Lage sein, die Konsequenzen ihres Tuns zu bedenken. In der Theorie jedenfalls. 

Anzeige
0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.