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Wieso können Spiele so süchtig machen?

Computerspiele sind darauf angelegt, den Konsumenten möglichst lange und oft bei der Stange zu halten. Sie werden so konstruiert, dass sie den Benutzer durch regelmässige und zufällige Belohnungen wie beim Glücksspiel in gewissem Sinne abhängig machen. Der Schwierigkeitsgrad der Spiele wird zum Beispiel mit verschiedenen Levels genau auf den Nutzer abgestimmt. Das bedeutet: Der Spieler ist nie unter- oder überfordert. Das kann ein Flow-Gefühl auslösen, das neben den Erfolgen süchtig machen kann. Zum Suchtpotenzial kommt die dauernde Verfügbarkeit durch mobile Geräte hinzu. Erstaunlich, dass die meisten Jugendlichen einigermassen vernünftig damit umgehen können. Sind sie jedoch in einer Krise oder durch persönliche Schwächen wie ein ADHS oder depressive Züge belastet, nimmt die Gefährdung zu und es kann sich eine Sucht entwickeln.

Was können Folgen einer Sucht sein?

Die Leistungsfähigkeit kann sinken, insbesondere in der Schule. Manch Betroffener muss eine Klasse wiederholen oder fliegt sogar von der Schule, schafft die Matura nicht oder bricht die Lehre ab. Zudem verpasst er während seiner Gamerzeit einiges in Sachen Gruppenerfahrungen im realen Leben und auch die wichtigen ersten Liebesbeziehungen. Das kann für das Leben dieser Jugendlichen dramatische Konsequenzen haben. 
Gamen ist ein fantastischer, unterhaltsamer Zeitvertreib, der in den meisten Fällen unproblematisch und lehrreich ist.
Franz Eidenbenz

Gibt es einen gesunden Umgang mit dem Gamen?

Auf jeden Fall. Die allermeisten Jugendlichen haben einen sogenannten funktionalen Umgang damit. Das Gamen ist dann eines von verschiedenen Freizeitvergnügen, bei dem sie auch einiges lernen und trainieren wie Reaktionsgeschwindigkeit oder soziale Interaktion in einem Onlinekontext. Sie können sogar Führungserfahrungen machen, wenn sie mit einem virtuellen Team unterwegs sind. Zusammenfassend lässt sich sagen: Gamen ist ein fantastischer, unterhaltsamer Zeitvertreib, der in den meisten Fällen unproblematisch und lehrreich ist. Er birgt jedoch ein erhebliches Suchtrisiko, das in Krisensituationen zunimmt. Deshalb ist es wichtig, das Ausmass des Spielens im Auge zu behalten und falls nötig rechtzeitig zu handeln oder Hilfe aufzusuchen.

Welche Möglichkeiten haben Eltern von jüngeren Kindern, ihnen einen gesunden Umgang mit dem Gamen beizubringen?

Eltern sollten sich, schon bevor sie den Kindern ein Smartphone oder ein anderes internettaugliches Gerät erlauben oder schenken, darüber informieren, welche Regeln für die Kinder altersgerecht und sinnvoll sind. Entsprechend sollten sie diese vorgängig mit den Kindern vereinbaren. Die Administratorenrechte, das heisst der Hauptzugangscode zum Gerät, sollten bei ihnen liegen. Meist gibt es dennoch gewisse Konflikte, das ist normal. Aber letztlich liegt es in der Verantwortung der Eltern, altersgerechte Grenzen zu setzen.
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