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Mediennutzung

Bücher statt Internet …

Ständig online? Weit gefehlt. Die MIKE-Studie analysiert das Medien- und Freizeitverhalten von 6- bis 13-Jährigen. Die Ergebnisse überraschen durchaus.
Text: Michael In Albon
Die kürzlich veröffentlichte MIKE-Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW hat Kinder im Primarschulalter zur Mediennutzung und zu ihrem Freizeitverhalten befragt. Neben den 1065 Kindern im Alter von 6 bis 13 Jahren haben auch 641 Eltern Auskunft gegeben. Die Ergebnisse zeigen: Geht es um die Mediennutzung, lesen Kinder häufiger, als dass sie gamen. 37 Prozent der Kinder lesen fast täglich und im Schnitt 24 Minuten pro Tag. Am liebsten beschäftigen sich Primarschüler aber mit Musik – 47 Prozent geben an, jeden Tag Musik zu hören; dicht dahinter folgt fernsehen. «Die Generation Touchscreen ist bisher mehr Mythos als Realität», sagt Daniel Süss, ZHAW-Forscher und Professor für Medienpsychologie.
Dieses Bild bestätigt sich auch deutlich bei der Frage nach der beliebtesten Freizeitaktivität. Ob draussen oder drinnen, mit der Familie oder Freunden – Spielen ist die liebste Beschäftigung der 6- bis 13-Jährigen. Auf dem zweiten Platz der Beliebtheitsskala steht Sport.
Generell kommt die Studie zum Schluss, dass Schülerinnen und Schüler auch ohne Medien ihre Freizeit sehr aktiv gestalten. Mädchen beschäftigen sich häufiger drinnen – sie basteln, malen und musizieren gerne. Jungen spielen lieber draussen, treiben Sport und treffen Freunde.
Spannende Antworten liefert die Frage nach dem Lieblingsmedium. Wenn sie nur ein Medium behalten könnten, wofür entschieden sich die Kinder? Das Resultat ist klar: das Handy. Seiner Faszination können sich auch Primarschüler nicht entziehen. Sie möchten das Smartphone auf keinen Fall hergeben – auch wenn nur 52 Prozent eines besitzen. Mit zunehmendem Alter steigt diese Zahl: 75 Prozent der 12- bis 13-Jährigen haben ein Handy. Ungern verzichten würden die Kinder auf den Fernseher – aber überraschenderweise auch auf Bücher. Auf diese möchten Kinder weniger gern verzichten als auf den Computer oder das Internet.

Eltern sollten mehr gamen! 

Bei der gemeinsamen Mediennutzung fällt auf, dass Eltern mit ihren Kindern lesen oder fernsehen – aber nicht gamen. Nur gerade 17 Prozent geben an, regelmässig gemeinsam zu spielen. In 40 Prozent der Fälle findet das Gamen ohne elterliches Mittun statt. Hier ist mehr aktive Begleitung der Erwachsenen gefragt. So wird einsame Zeit zur gemeinsamen Zeit. Und die Inhalte des Games können an Ort und Stelle diskutiert werden.
Generell geben 25 Prozent der Primarschüler an, täglich zu spielen. Mit einem grossen Unterschied bei den Geschlechtern – bei den Mädchen sind es rund 15 Prozent, bei den Jungs 35 Prozent. Die durchschnittliche Beschäftigungsdauer beträgt 29 Minuten. Auch hier nehmen mit dem Alter Dauer und Häufigkeit zu.
Games stehen bei Primarschülern auch als Apps hoch im Kurs. Die ersten drei Plätze belegen zwar YouTube, WhatsApp und Instagram. Gleich danach folgen jedoch die Game-Apps «Clash of Clans», Minecraft und FIFA. Der Geschlechterunterschied: Bei den Jungs folgen auf YouTube «Clash of Clans» und Minecraft; Mädchen bevorzugen WhatsApp vor Instagram und You-Tube.

Auf Medienstark finden Sie Tipps und interaktive Lernmodule für den kompetenten Umgang mit digitalen Medien im Familienalltag. 

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Michael In Albon ist Jugend-medienschutz-Beauftragter und Medienkompetenz-Experte von Swisscom. 
facebook.com/michaelinalbon
twitter.com/MichaelInAlbon 

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