Verletzt, vernetzt: Was schützt vor Cybermobbing?
Mediennutzung

Verletzt, vernetzt: Was schützt vor Cybermobbing?

Das Internet vergisst nicht, ist ständig verfügbar und anonym – ein fruchtbarer Boden für Cybermobbing. In der digitalaffinen Jugend werden erschreckend viele zu Opfern und zu Tätern – wie analoge Sensibilisierungsarbeit schützen kann.
Text: Mariel Diez
Bild: iStockphoto

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi
Nett, lustig, brutal, gestört, behindert. Mit diesen und weiteren Adjektiven hat eine Primarklasse aus dem sanktgallischen Diepoldsau Porträts wildfremder Personen kommentiert. Die 11- und 12-Jährigen sind Teil eines Medienworkshops der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi. Der Fokus: Cybermobbing. Wie sich die Anonymität des Internets von der direkten Konfrontation unterscheidet, erfahren sie in der nächsten Übung. Je zwei Kinder sitzen sich gegenüber und kommentieren sich gegenseitig. Die mehrheitlich wohlwollenden Nennungen überraschen wenig und weisen exemplarisch auf einen zentralen Unterschied zwischen Mobbing und Cybermobbing hin: die Höhe der Hemmschwelle.

Strukturelle Diskriminierung

99 Prozent der Schweizer Jugend­lichen besitzen heute ein Smart­phone und nutzen dieses gemäss der JAMES-Studie 2018 der ZHAW täglich 2 Stunden und 30 Minuten. 87 Prozent bzw. 86 Prozent haben einen Account bei Instagram bzw. Snapchat. Rund drei Viertel bewegen sich täglich auf diesen beiden Plattformen. Was im digitalen Alltag in den Netzwerken passiert, sind in der Regel die gleichen Handlungen wie auch auf dem Pausenplatz: Es wird gespielt, gelacht, ausgetauscht und eben auch gemobbt, ausgegrenzt. Die Mechanismen von Mobbing sind über die Jahre dieselben geblieben. Was sich verändert hat, ist der Raum, in dem es stattfindet. 

Der Begriff Diskriminierung beschreibt die Ungleichbehandlung von Menschen. Auch im Schulalltag sind Unterscheidungen schnell gemacht – egal ob digital oder analog: da die Coolen, dort die Nerds, hier die­jenigen mit Snapchat und dort diejenigen ganz ohne Smartphone. 

Gerade die letzte Gruppe wirft aufgrund der strukturellen Diskriminierung, der sie ausgesetzt ist, spannende Fragestellungen auf: Wie gehen wir als Eltern, als Schule und als Gesellschaft mit solchen Sachzwängen um? Wenn sich mehr und mehr Aspekte des Schulalltags ins Digitale verlagern und Lehrpersonen Whatsapp verstärkt als Informationskanal nutzen, geschieht Ausgrenzung auch ganz ohne bösen Willen.

Anders sieht es beim Cybermobbing aus, bei dem eine Person wiederholt und über längere Zeit unter negativen Kommunikationsformen einer oder mehrerer Personen leidet und diesen Zustand nicht aus eigener Kraft ändern kann. 

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