Mediennutzung
Seite 2

Dürfen Eltern das Handy ihres Kindes kontrollieren? 

Es gibt Eltern, die lesen die Tagebücher ihrer Kinder, und es gibt Eltern, die kontrollieren die Whats­app-Chats. Einige Eltern haben solche Abmachungen mit ihren Kindern, und andere tun dies heimlich. Ich persönlich würde eine solche Strategie eher nicht empfehlen, da dies doch sehr stark in die Privatsphäre des Kindes eingreift. Zudem gelten Kinder mit 14 Jahren aus rechtlicher Sicht als urteilsfähig. Das bedeutet nicht, dass sie sämtliche Konsequenzen ihres Handelns bereits abschätzen können, aber es bedeutet, dass sie auch Freiräume haben müssen, in denen sie unbeobachtet agieren und ihre eigenen Erfahrungen machen können.

Eveline Hipeli, Medienpädagogin

Darf ich mein Kind per GPS orten?

Das kommt ganz auf Ihr Sicherheitsbedürfnis an. Grundsätzlich ist es nichts Schlimmes, wissen zu wollen, wo sich das eigene Kind gerade aufhält. Dahinter steckt aber auch die Frage: Überwache ich mein Kind heimlich oder spreche ich das mit meinem Kind ab? Je jünger das Kind, desto verständlicher ist das elterliche Bedürfnis, wissen zu wollen, wo sich das Kind aufhält und bewegt. Den Nachwuchs im Jugendalter aber womöglich sogar heimlich zu orten und so zu kontrollieren, ist wenig empfehlenswert und kein Zeugnis einer Vertrauenskultur. Zudem ist aus der Forschung bekannt, dass es die Entwicklung hin zur Selbständigkeit negativ beeinflusst, wenn Kinder nie völlig unabhängig und unbeobachtet Sozialräume erfahren können. Es gilt daher, eine gesunde Balance zu finden und unbedingt mit den Kindern über Tracking-Apps zu sprechen.

Eveline Hipeli, Medienpädagogin
«Unter 14-Jährige sind nicht in der Lage, sich beim Gamen selbst zu begrenzen – Eltern müssen quasi den fehlenden Frontalkortex ersetzen.»
Lutz Jäncke, Neuropsychologe

Muss ich selbst Social-Media-Experte sein, um mein Kind auf die digitale Zukunft vorzubereiten? 

Nein, sicher nicht. Natürlich sollte man sich als Mutter oder Vater dafür interessieren, welche Dinge im Leben des Kindes gerade wichtig sind, auch in Bezug auf die Medien. Aber man muss keineswegs alle Apps und Spiele so oft nutzen wie das Kind, um up to date zu sein. Viel relevanter ist es, die Motive zu kennen, warum Kinder und Jugendliche diese oder jene Anwendung gerne nutzen. Und wenn Eltern über diese Dinge mit ihren Kindern sprechen, bleiben sie auch am Ball.

Eveline Hipeli, Medienpädagogin

Soll ich meinem Kind das Gamen verbieten?

Gamen sollte man nicht grundsätzlich verteufeln. Es gibt mittlerweile einige Studien, die belegen, dass Gamen die Fingerfertigkeit erhöht. Auch haben Computergames positive Auswirkungen auf die Ausbildung einer Identität und die soziale und kognitive Entwicklung. Andere Studien belegten wiederum, dass bei Kindern, die täglich spielen, das Belohnungszentrum im Hirn deutlich vergrössert ist. Das Belohnungszentrum ist für Lustempfindungen jeglicher Art zuständig. Vielspielern fällt es umso schwerer, sich einem Computerspiel zu entziehen. Wenn ein Kind zwei Stunden an einer Konsole gespielt hat und man es dort wegholen will, erlebt man häufig ein Phänomen, das dem Entzug bei Drogensüchtigen ähnelt: Das Kind wehrt sich, wird bockig und schreit. Das habe ich bei meinen eigenen Kindern erlebt. Ich empfehle daher zeitliche Begrenzungen – erst recht bei Kindern und Jugendlichen zwischen 11 und 14 Jahren, deren Gehirn gerade total umgebaut wird. Sie sind von ihrer Hirnentwicklung her gar nicht in der Lage, sich selbst effektiv zu begrenzen, darum müssen Eltern quasi den fehlenden Frontalkortex, das Stirnhirn, ersetzen, bis dieses ausgereift ist. Das ist Erziehung.

Lutz Jäncke, Neuropsychologe
Anzeige

0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.