Medienerziehung
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Vertrauen steht auf dem Spiel

Wer allerdings die Handys seiner Kinder heimlich kontrolliert, setzt genau dieses Vertrauen aufs Spiel. Schlimmer noch: Es ist ein grosser Vertrauensbruch. Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre. Nicht umsonst ist deren Schutz einer der zentralen Forderungen der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen.

Das heimliche Kontrollieren des Smartphones lässt sich durchaus mit dem heimlichen Lesen eines Tagebuchs vergleichen. Das wollen allerdings manche Eltern nicht gelten lassen und reagieren in meinen Vorträgen ungehalten.
«Wieso darf ich nicht lesen, was mein Kind auf dem Smartphone treibt, während die Datenkraken jeden Satz analysieren?»
empörte Eltern auf Feibels Seminar
Manche Mütter und Väter sehen die Privatsphäre ihres Kindes durch WhatsApp und Instagram eklatant verletzt, sodass einem Handy kein intimer Status wie einem Tagebuch zustünde. «Wieso», fragen sie, «darf ich nicht lesen, was mein Kind auf dem Smartphone treibt, während die Datenkraken jeden Satz analysieren, um sie für ihre Zwecke zu instrumentalisieren?»
 
Ja, es stimmt: Anonyme Robot-Programme spionieren uns alle aus. Das ist ein Riesenproblem, das sich nicht leugnen lässt. Aber ein Unrecht legitimiert eben nicht das andere. Stellen Sie sich folgende Frage: «Würden die Freunde meines Kindes ihm das auf Whatsapp und Instagram anvertrauen, wenn sie wüssten, dass ich mitlese?»

Wo Kontrolle in Ordnung ist

Es spricht nichts dagegen, das Handy des Kindes zu kontrollieren, wenn das zu einer gemeinsamen Vereinbarung gehört, die die Eltern mit ihm vor der Anschaffung eines Smartphones getroffen haben. Wichtig ist nur, dass es nicht «heimlich» vonstattengeht, sondern zusammen. Bis zu einem gewissen Alter funktioniert das ganz gut.

Aber mit dem Eintritt in die Pubertät kann sich das sehr schnell ändern. Natürlich darf das Kind sein Veto aussprechen, sobald ihm bestimmte Dinge peinlich sind. Dies gilt es zu respektieren. Wenn ein gutes, empathisches und vertrauensvolles Verhältnis herrscht, wird es uns von selbst aufsuchen, sobald es Probleme wie Kettenbriefe, Schmähungen oder Nacktbilder gibt.
 
Davon einmal abgesehen bleiben gemeinsame Kontrollen aus einem weiteren Grund unerlässlich: um Schaden abzuwenden. Im Internet und insbesondere in den sozialen Medien ändern sich ständig Dinge und Sicherheitseinstellungen, ohne dass ihre Nutzer gefragt werden. Diese Einstellungen müssen immer wieder überprüft und nachjustiert werden. Diese Kontrolle ist in Ordnung, weil das entgegengebrachte Misstrauen nicht dem Kind gilt, sondern den Anbietern der Inhalte im Netz. Fazit: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.

Was ist eine gute Kontrolle?

  • Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind gemeinsame Kontrollen.
  • Versichern Sie ihm, dass es nichts mit Misstrauen ihm gegenüber zu tun hat.
  • Versprechen Sie Ihrem Kind, dass es immer zu Ihnen kommen kann, wenn ihm im Netz etwas komisch verkommt.
  • Überprüfen Sie mit Ihrem Kind regelmässig die Sicherheits­einstellungen in den sozialen Medien. 
  • Wenn Sie sich für die Inhalte interessieren, interessieren Sie sich für Ihr Kind.
  • Fragen Sie regelmässig nach seinen Aktivitäten (Spiele, Instagram etc.) und lassen Sie sich die Faszination erklären.
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Über Thomas Feibel:

Thomas Feibel, 56, ist der führende Journalist zum Thema «Kinder und neue Medien» in
 Deutschland. Der Medienexperte leitet das Büro für Kindermedien in Berlin, hält Lesungen und Vorträge, veranstaltet Workshops und Seminare. Zuletzt erschien sein Elternratgeber «Jetzt pack doch mal das Handy weg» im Ullstein-Verlag. Feibel ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

In der nächsten Ausgabe von Fritz+Fränzi (April 2019):

Wie gut ist mein Kind auf die digitale Berufswelt vorbereitet?

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