Medienerziehung

Wann dürfen Eltern das Handy ihres Kindes kontrollieren?

Eltern möchten ihre Kinder schützen und behüten. Und sie gleichzeitig zu selbständigen und selbstbewussten Menschen erziehen. Ein Dilemma, das sich besonders beim Umgang mit Medien zeigt: Wie viel Kontrolle ist nötig? Und wie viel ist zu viel?
Text: Thomas Feibel
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Einer Kontrolle haftet stets etwas Unangenehmes an. Das weiss jeder, der schon einmal kontrolliert wurde. Wenn etwa ein Polizist einen Verkehrsteilnehmer herauswinkt, ist das keine Begegnung auf Augenhöhe. Der Fahrer steht unter Verdacht, etwas falsch gemacht zu haben. Und er fühlt sich gegenüber dem Beamten ertappt, machtlos und oftmals ausgeliefert. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Verstoss vorliegt oder nicht.
 
Emotional ganz ähnlich ist es vielen Erwachsenen in ihren eigenen Kinder- und Jugendtagen ergangen, wenn ihre Eltern sie kontrollierten. Ein gutes Beispiel dafür ist die Standardfrage «Hast du etwa geraucht?». Sie hat bei uns auf der Stelle höchst unwillige Reaktionen ausgelöst.

Denn hatten wir geraucht, ging das unserer Meinung nach die Eltern gar nichts an. Im Gegenteil: Wir verstanden ihre Frage als Einschränkung unserer eigenen Freiheit. Und das vollkommen zu Recht. Allerdings reagierten wir auch ungehalten, wenn wir nicht geraucht hatten, weil uns das entgegengebrachte Misstrauen ärgerte. 

Eltern fürchten die Kontrolle zu verlieren

Seit wir selbst in der Elternrolle stecken, ist das Thema Kontrolle nicht einfacher geworden. Mit dem Unterschied, dass es unserer Generation meist nicht behagt, die eigenen Kinder zu kontrollieren. Schliesslich gilt heute in der Erziehung der Grundsatz «Wer Vertrauen schenkt, erhält es auch zurück».

Manchmal fällt es schwer, Sorge und Kontrolle auseinanderzuhalten. Sobald Kinder älter werden und mehr Freiheiten für sich beanspruchen, fühlen sich viele Eltern davon überrollt. Das Loslassen ist unvermeidbar – in der Theorie. In der Praxis fühlt sich das jedoch wie ein Kontrollverlust an.
 
Wie sollen wir ohne Kontrolle vorgehen, wenn das Kind den Fernseher oder das PC-Spiel nach der vereinbarten Zeit nicht zu beenden in der Lage ist? Da hilft im Erziehungsalltag eine genauere Differenzierung: Welches Motiv steckt hinter meinem Kontrollgedanken?

Hier hat das Überprüfen der Zeiteinhaltung nichts mit Misstrauen zu tun. Vielmehr wissen wir, dass das Kind einfach nichts dafür kann. Die Sogwirkung des Mediums hat so fest Besitz von ihm ergriffen, dass es jegliches Zeitgefühl verloren hat. Meiner Meinung nach weist diese Kontrolle nichts Negatives auf, sondern verfolgt das legitime Ziel, Schaden vom Kind abzuwenden. Spass macht das natürlich trotzdem nicht. Beim Umgang mit dem Smartphone ist das noch kniffliger.
Gebt es ruhig zu: Einer der Hauptgründe für die Kontrolle der Handys ist Neugierde!
Natürlich gibt das niemand gerne zu, aber einer der Hauptgründe, weshalb Eltern das Handy ihres Kindes kontrollieren wollen, lautet Neugierde. Warum ist das so? Weil sich manche Eltern schnell ausgeschlossen fühlen und weil wir unsere Kinder nie unbeobachtet betrachten können. Vor seinen Eltern verhält es sich anders als unter seinen Freunden. Oft fragen sich Eltern, wie ihr Sohn oder ihre Tochter ist, wenn Papa und Mama nicht dabei sind. Wie finden sie sich allein zurecht? Wie kommen sie mit anderen aus?
 
Um Antworten auf diese Fragen zu finden, sind die Texte, Fotos und Videos auf dem Handy der falsche Weg. Die eben angesprochenen Themen lassen sich offen mit dem Kind besprechen, wenn in der Familie ein gutes Vertrauensverhältnis besteht.

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