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Medienerziehung
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Jesper Juuls Empfehlungen für Medienregeln in der Familie

  •  Das gesamte Morgenritual ist telefonfreie Zone und die gleichen Regeln gelten für die Zeit von einer halben Stunde vor dem Abendessen bis zur Schlafenszeit der Kinder. Basteln Sie eine originelle Schachtel im Eingangsbereich, wo jeder sein Telefon während der telefonfreien Zeit deponieren und aufladen muss. 
  • Alle Telefone werden von der Schlafenszeit bis zum Weg zur Arbeit oder zur Schule am nächsten Tag ausgeschaltet. 
  • Alle Mahlzeiten sind telefonfreie Zone, dies gilt auch für Mahlzeiten in Restaurants und für die Wartezeit bevor das Essen serviert wird. Diese Minuten sind perfekt für die Bildung von Kontakt und Nähe nach einer Zeit des Getrenntseins. Wenn Sie es erlauben, dass Telefone und Tablets während der Wartezeiten genutzt werden, lautet die Mitteilung: Wir haben uns nur versammelt, um zu essen und unsere Körper mit Nährstoffen zu füllen, nicht aber unsere Herzen und Seelen. 
  • Eltern und Paare können spezifische Fenster vereinbaren, in welchen Smartphones und Tablets benützt werden können. Diese müssen aber mindestens ausgeschaltet sein, wenn Mahlzeiten und Bett geteilt werden, im Kino, Ausgang etc. 
  • Stellen Sie sicher, Ihre Freunde, Familie, Kollegen und Arbeitgeber darüber zu informieren, dass Sie nicht länger jederzeit erreichbar sind, und helfen Sie den Kindern falls nötig das Gleiche zu tun. 
Dank der Berichte von Familien, die Ähnliches schon getan haben, wissen wir, wie wichtig es ist, dass Eltern die Planung und Führung für das Experiment übernehmen, speziell in den ersten drei Monaten. Nach zwei bis drei Monaten werden die Kinder die überzeugtesten Agenten und inspirieren ihre Freunde oft dazu, die elektronischen Karten in deren Familien neu zu mischen. 

In manchen Schulen in welchen ein striktes Smartphone Verbot herrschte, sahen die Kinder die vielen Vorteile, schlugen jedoch vor, dass sie während der grossen Mittagspause den Zugang zu ihren Smartphones erhielten, um innerhalb der Sozialen Netzwerke Schritt zu halten. Als die Schulen sich damit einverstanden erklärten, wurde der Unterschied zwischen Telefon-Zeit und Lern-Zeit für die Kinder sogar noch plausibler. 
Die Kolumnen und Beiträge von Jesper Juul entstehen in Zusammenarbeit mit familylab.ch .

© Jesper Juul, Familylab International 2016

Zum Autor


Jesper Juul ist Familientherapeut und Autor zahlreicher internationaler Bestseller zum Thema Erziehung und Familien. 1948 in Dänemark geboren, fuhr er nach dem Schulabschluss zur See, war später Betonarbeiter, Tellerwäscher und Barkeeper. Nach der Lehrerausbildung arbeitete er als Heimerzieher und Sozialarbeiter und bildete sich in den Niederlanden und den USA bei Walter Kempler zum Familientherapeuten weiter. Seit 2012 leidet Juul an einer Entzündung der Rückenmarksflüssigkeit und sitzt im Rollstuhl. Jesper Juul hat einen erwachsenen Sohn aus erster Ehe und ist in zweiter Ehe geschieden.

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16 Kommentare
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Von Regine am 24.04.2017 21:56

Sehr geehrter Herr Juul,
vielen Dank für die profunde Unterlegung meines Unbehagens gegenüber der derzeitigen Kommunikationskultur. Ich mag Ihren Stil, so schlicht und undogmatisch darauf hinzuweisen, dass das gemeinsame Verbringen von Zeit die einfachste, aber rarer werdende Form des Elternseins ist. Dass wir so unseren Kindern eine glückliche Kindheit ermöglichen und starke, fürsorgliche und menschliche Menschen hervorzubringen. Ich habe mich an viele Momente erinnert gefühlt, da ich es so erlebt habe, wie Sie es schildern. Dass es zu fließen beginnt, gerade mit Kindern. Das ist es, das Leben, und es ist es wert, zu teilen, vor allem mit Kindern und zwar in Echtzeit, nicht digital :)

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Von Matthias am 07.01.2017 10:27

Lieber Jesper,
Du sprichst mir aus meinem Herzen und ich danke Dir sehr für diesen klaren Beitrag zu einem sehr emotional geladenen Thema. DANKE!

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Von Ingeborg am 09.12.2016 11:34

Super! So sehe ich das auch und habe seit Jahren mit jungen KollegInnen in der Jugendhilfe intensive Diskussionen zu dem Thema.
ich bin system. Familientherapeutin und intensiv in der Traumapädagogik tätig.
Ich finde hier geht es um klare Haltungen.
Vielen Dank
I. andreae de Hair

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Von Annelore am 07.12.2016 19:21

Das ist absolut richtig. Ich beobachte täglich junge Mütter, die mit ihren kindern unterwegs sind, aber ständig telefonieren, anstatt ein Gespräch mit ihren Kindern zu führen und ihnen Dinge zu zeigen und zu erklären. Schade!!

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Von Jasmin am 29.08.2016 22:44

Hervorragend

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Von Anke am 16.07.2016 23:44

Meine Enkelin ist knapp 1 1/2 Jahre alt. Wenn ich dann bei ihr babysitten bin und mein Handy in meiner Hosentasche einen Ton anzeigt, ist sie total darauf fixiert und möchte sofort Videos darauf ansehen. Auf den meisten Filmen ist sie selber drauf. Aber ob sie sich selber erkennt oder nur jemand sieht, der ihre Sprache spricht? Jedenfalls ist es sehr schwierig, sie davon wegzubringen um wieder Bilderbücher anzusehen oder sonst etwas zu spielen.

Von Gesa am 08.11.2016 10:16

Meine Tochter ist jetzt auch 1,5 und sie begann vor einiger Zeit dieses starke Interesse zu entwickeln. Wir haben deshalb aufgehört ihr Bilder und Videos zu zeigen und auch keine Bilder mehr von ihr als Hintergrund. Es wurde schnell besser und erstmal sind die Handys wieder langweilig. Sie kennt auch kein TV und den PC nur für Textverarbeitung u.ä., alles recht uninteressant. In dem Alter ist es noch einfach!
Eine 16jährige Verwandte erzählte mir letztens, dass sie ihr Kindheitserinnerung nicht von den Videos trennen kann, die sie immer wieder gesehen hat. Das möchte ich nicht für meine Kinder und werde mein Bestes geben, das zu verhindern.

Von Ingeborg am 19.07.2016 09:44

Liebe Oma Anke: du solltest zum Babysitten dein Handy erst gar nicht mitnehmen! Und gibt es denn vielleicht ein Fotoalbum mit Bildern, die das Kind und seine Bezugspersonen zeigen, dann ist das vielleicht Anlass zum "Familiengeschichten erzählen". Viel Glück und Freude mit deiner Enkelin. Bin selbst Großmutter und zwar eine geliebte.

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Von Michael am 14.07.2016 11:06

Sehr guter einleuchtender Beitrag . . . und genau (!), nicht auf einen neuen Trend warten, sondern einen (mit-) inizieren!

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Von Franziska am 13.07.2016 23:02

Bravo!
wir haben eben 3 wochen camping ferien, komplett ohne stromfressende geräte, genossen. 3 wochen nur wir (4, 38, 42jahre) und die kroatische küste. übrigens machen wir dies bereits seit vielen jahren so. und ohne diese auszeit wären wir nicht 16 jahre ein ♡paar.

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Von Christian am 12.07.2016 16:02

Guter Standpunkt. Als Schulsozialarbeiter sehe ich leider viel ähnlich problematisches bei der Arbeit. Und dem Abschnitt mit den Medikamenten kann ich nur unterstreichen. Trotzdem denke ich man muss aufpassen, dass man den gesellschaftlichen Wandel nicht zu fest ausklammert. Dies ist nämlich eine Tatsache, welche ich ebenfalls oft beobachte. Kinder werden heut zu Tage viel mehr in ihre eigene Erziehung einbezogen...alleine schon die Tatsache, dass es meinen Job gibt, bestätigt dies. Ich sehe viele Probleme auch dort entstehen, wo die Führung fehlt und das Mitbestimmungsrecht des Kindes zu gross ist. Im Grunde ist diese gesellschaftliche Entwicklung ja etwas gutes und sie ermöglicht uns auf die Kinder einzugehen und vertrauensvolle Beziehungen zu gestalten...doch wie sagt man so schön "manchmal ist Kontrolle besser als Vertrauen"...und gerade beim Thema Medienkonsum passt dies sehr gut. Denn eines sehe ich auch immer wieder bei der Arbeit "Kinder und Jugendliche gedeihen am besten unter vertrauensvoller Kontrolle". Ich finde die Idee von Herr Juul spannend und altagsnah!!!

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Von Sascha am 12.07.2016 08:29

Mein Aha-Erlebnis tat weh. Ich ging mit meiner Tochter durch die Straßen und sie erzählte mir etwas aus ihrem Leben. Plötzlich hörte sie auf. Ich fragte nach „Hey, wie war das noch einmal?“; ihre Antwort: „Ach Papa, Du hörst doch sowieso nicht zu.“ Autsch, das saß, denn es stimmte. Ich war nämlich gedanklich mit meinem iPhone beschäftigt; ein Business-Call stand noch aus.

Wie es weiterging, erzähle ich in einem kurzem Video-Interview mit HuffPost Eltern http://www.selflab-blog.de/smartphone-eltern/

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Von Matthias am 10.07.2016 22:23

Viel Worte um Selbstverständlichkeiten, wenn mann gesunden Menschenverstand waltem lässt

Von Horst am 11.07.2016 16:48

Tja, wenn, wenn nur alle so schlau und gesund menschenverständlich handelten wie Sie, dann wäre natürlich alles in Ordnung. Mir scheint der Text von Herrn Juul allerdings mehr als notwendig, wenn ich mich mal aufmerksam in meiner Umwelt umsehe, in der dreijährige auf dem Tablet ihrer Eltern spielen - bis diese selber wieder zocken wollen. Wir steuern auf eine zwischenmenschlich durch Smartphones erschwerte Lage zu, und der "gesunde Menschenverstand" ist auf dem Rückzug. Deswegen ist der Text überaus wertvoll - für die große Mehrheit, Sie natürlich ausgenommen.

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Von Marie Thérèse am 11.07.2016 12:55

Vielen, inklusiv mir, aus dem Herzen gesprochen und so plausibel und objektiv , aber auch durchdacht dargestellt, dass alle sich damit auseinandersetzen müssen.
Es geht letztlich um die Erhaltung der Menschlichkeit in unserer Gesellschaft.
Seien Sie umarmt Herr Jesper Juul!

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Von Katharina am 11.07.2016 10:59

Hört sich gut an. Ich will versuchen es von Anfang an gleich zu machen. Bisher hat das Kidn noch kein Mobiltelefon...

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