Medienerziehung

Medienregeln bei Geschwistern

Was, wenn sich das jüngere Kind einfach dazusetzt, wenn das ältere fernsieht? In der Mehrkindfamilie einen guten Umgang mit Medien zu finden, braucht Zeit, Ausdauer – und Konsens. Ein Leitfaden.
Text: Michael In Albon

In Zusammenarbeit mit Swisscom
Eine halbe Stunde fernsehen am Tag, unter Aufsicht am Tablet spielen, mit Mama oder Papa das Internet erkunden – beim ersten Kind scheint Medienerziehung fast ein Kinderspiel. Zumindest im Vergleich zum zweiten und dritten Kind. Es ist schnell passiert: Während sich Ihre 4-jährige Tochter im Fernsehen das «Guetnachtgschichtli» anschaut, sitzt ihr 2-jähriger Bruder schon daneben.

Kleine Geschwister lernen digitale Medien früher kennen.
Das ist zunächst weder gut noch schlecht. Man muss Geschwister nicht gleich behandeln – Gleichmacherei wird keinem Kind gerecht. Jedes Kind braucht eine individuelle Medienerziehung, die seinen Bedürfnissen und seinem Alter entspricht. Aber was heisst das für den Alltag?

Medienerziehung braucht Zeit

Vergleichen Sie Ihre Kinder nicht untereinander, sondern beobachten Sie jedes Kind für sich. Leiten Sie daraus die Argumente ab, um zu erklären, wieso etwas erlaubt ist oder nicht. Und stehen Sie konsequent zu Ihrem Entscheid.

Gewinnen Sie zudem einen Überblick: Welche Filme, Sendungen oder Games sind bei Kindern gerade angesagt oder eignen sich für sie? Fragen Sie Ihre Kinder, andere Eltern, Fachpersonen und recherchieren Sie im Internet. So werden Sie auch besser begründen können, warum in Ihrer Familie etwas erlaubt ist – oder eben nicht.

Denn wichtig ist: Lassen Sie Mediennutzung, nicht einfach geschehen. Entscheiden Sie sich bewusst und,besprechen Sie mit Ihren Kindern, was sie nutzen dürfen.

Finden Sie Ihre Regeln – gemeinsam und demokratisch

Medienerziehung braucht Zeit. Erst recht, wenn für Geschwister unterschiedliche Regeln gelten. Machen Sie sich nicht allzu grosse Sorgen, wenn es nicht immer klappt. Sitzt Ihr jüngeres Kind ausnahmsweise etwas länger vor dem Bildschirm, ist das kein Drama. 

Problematisch wird es, wenn die Kleinen etwas sehen, das sie ängstigt oder verstört. Denn eine zeitliche Überforderung verkraftet ein Kind eher als unangemessene Inhalte. Orientieren Sie sich beim gemeinsamen Filmschauen oder Gamen daher am jüngeren Kind. Und achten Sie auf die Altersbeschränkung von Sendungen, Filmen oder Apps und erklären Sie Ihren Kindern, dass diese zu ihrem Schutz ist.
 
Allgemeingültige Medienregeln für Familien gibt es kaum. Jede Familie ist anders – punkto Alter und Entwicklungsstand der Kinder, digitaler Ausrüstung und Familiensituation. Damit Sie Ihrer Situation gerecht werden, brauchen Sie Ihre Regeln.

Beim Finden helfen Ihnen vielleicht folgende Fragen: 

  • Wo steht mein Kind aktuell? 
  • Was braucht es wirklich? 
  • Wo stehe ich? 
  • Was kann ich bieten? 
  • Bin ich ein Vorbild? 
  • Welchen Schutz braucht mein Kind beim Nutzen von Medien? 
  • Wie kann ich mein Kind fördern? 

Oder halten Sie regelmässig, etwa einmal im Monat, einen Familienrat zum Umgang mit digitalen Medien ab. Alle Familienmitglieder können und sollen teilnehmen. Besprechen Sie Ihre brennenden Medienthemen, fällen Sie gemeinsame Entscheide und halten Sie diese fest.
 
Wichtig ist: Jede Stimme zählt gleich viel; der Vorsitz geht reihum und stellt sicher, dass jedes Familienmitglied ein Thema einbringen kann.

Bild: istock

 Auf Medienstark finden Sie Tipps und interaktive Lernmodule für den kompetenten Umgang mit digitalen Medien im Familienalltag. 
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Michael In Albon ist Beauftragter Jugendmedienschutz & Experte Medienkompetenz von Swisscom.
facebook.com/michaelinalbon
twitter.com/MichaelInAlbon

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