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Medienerziehung

Ich snap dir!

Teenager sind begeistert, Erwachsene ­verstehen es nicht. Snapchat ist der digitale Hype der jugendlichen Stunde. Wieso ­eigentlich?
Text: Michael In Albon
Bild: Swisscom
Für Teenager scheint die App mit dem niedlichen Geist auf gelbem Grund unverzichtbar. Das Spe­zielle: Die versendeten Bilder können nur für ganz kurze Zeit angeschaut werden, dann verschwinden sie wieder. Laut der JAMES-Studie 2016 zum Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen hat Snapchat bei den Jüngeren inzwischen Facebook hinter sich gelassen. Die Anwendung zählt bei den Befragten zwischen 12 und 19 Jahren mit Instagram und WhatsApp zu den drei meistgenutzten Social-Media-Apps. 80 Prozent haben ein Konto bei Snapchat.

Mit Snapchat haben Jugendliche einen digitalen Ort gefunden, an dem sie sich ausleben können, weil diese Plattform noch weitgehend frei von Eltern und anderen Erwachsenen scheint. Viele Teenager nutzen die App für Schnappschüsse, sogenannte Snaps. Sie schiessen Fotos und legen Filter drauf – etwa fürs Gesicht oder die Umgebung. Damit können sie sich, dem Freund oder der Freundin einen Blumenkranz oder einen Schnauz verpassen. Sticker, Malereien, Texte, Uhrzeit, Datum, Temperatur und Ort hinzufügen. Und besonders spannend für die Jugendlichen: Sitzen zwei Personen nebeneinander, können sie mittels der Funktion Swap-Face die Gesichter vertauschen.

Die Bilder oder kurzen Video­sequenzen werden anschliessend direkt an Freunde verschickt oder in die sogenannte «Story» gepackt. In dieser können die Nutzer im Laufe des Tages Inhalte sammeln und so eine Geschichte erzählen, die sich die Freunde ansehen können.

Snap und weg?

Viele Teenager sind auf Snapchat ein wenig mutiger als etwa auf Instagram, denn sie wissen: Die Videos verschwinden wieder – 24 Stunden bleiben die Bilder oder Videoschnipsel online. Und der Empfänger kann die Snaps maximal zehn Sekunden ansehen. Die Kommunikation mit den Snaps funktioniert schnell, intensiv, bunt, heftig und irgendwie schrill. Ein Abbild des Alltags von Teenagern eben: Man muss ständig präsent sein, um Aufmerksamkeit buhlen, darf nichts verpassen.

Wie sicher ist die App? Dass der Empfänger einen Screenshot eines Snaps machen kann, daran denken geübte Snaper sehr wohl. Sie kennen auch die Apps, die Snapchat-Bilder speichern, SnapSave etwa. 

Trotzdem bleibt es für Sie als Eltern wichtig, mit Ihren Kindern genau solche Sicherheitslücken zu besprechen. Indem Sie sich über die Anwendungen Ihrer Kinder schlau machen und ihnen etwa bei Snapchat aufzeigen: Das Versprechen, die Bilder nach spätestens zehn Sekunden nicht mehr einsehbar zu machen, kann Snapchat nicht halten. Technik hin oder her: Jede Einschränkung ist umgehbar. Deshalb braucht es eine kritische Haltung, die uns Eltern und unsere Kinder Schritt für Schritt zu medienkompetenten Nutzern macht.

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Michael In Albon ist Beauftragter Jugendmedienschutz und Experte 
Medienkompetenz von Swisscom. 

Auf Medienstark finden Sie Tipps und interaktive Lernmodule für den kompetenten Umgang mit digitalen Medien im Familienalltag. swisscom.ch/medienstark

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