Medienerziehung
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Forderung 6: Eltern und Bezugspersonen sollen zum kritischen Denken animieren und reflektierte Vorbilder im Medienumgang sein

Die Informationsflut wächst stetig und erfordert einen kritischen und reflektierten Medienumgang. Erziehungsverantwortliche und Bezugspersonen sollen die Heranwachsenden vermehrt bewusst dabei unterstützen, ihr kritisches Denken zu entwickeln, indem sie sie dabei begleiten und sich ihrer Vorbildfunktion bezüglich Medienumgang und Wertvorstellungen bewusst sind. Ein gutes Vorbild zu sein, ist in der Realität eine anspruchsvolle Aufgabe. Es ist wichtig, Erziehungsverantwortliche und Bezugspersonen zu befähigen, Kinder und Jugendliche zu begleiten. Fachpersonen müssen dazu systematisch geschult, Erziehungsverantwortliche gezielt informiert und unterstützt werden. Das Beratungs- und Unterstützungsangebot zum Medienumgang muss hierzu weiter ausgebaut werden, auch für den frühkindlichen Bereich, und es muss die Heterogenität der Erziehungsverantwortlichen beachten.

Forderung 7: Der frühkindliche Bereich muss in der Medienbildung mitberücksichtigt werden

Kinder werden in eine digitale Lebenswelt geboren. Damit sie lernen, sich in einer von Medien geprägten Lebensumwelt zu orientieren, muss Medienbildung als selbstverständlicher Bestandteil frühkindlicher Bildung erkannt werden. Medien sind gleichwertiges pädagogisches Material wie Bauklötze und Stifte und müssen stufengerecht für die pädagogische Arbeit zur Verfügung gestellt werden. Um eine gelingende Medienerziehung von Beginn an zu etablieren, sollte Medienbildung auch im frühkindlichen Bereich ein obligatorischer Teil in der Ausbildung aller Fachpersonen sein. Stete Weiterbildungen sowie die entsprechende technische Ausstattung inklusive Support sind ebenfalls erforderlich.

Forderung 8: Die ausserschulische Kinder- und Jungendarbeit soll Sozial und Selbstkompetenzen sowie Medienkompetenz fördern

Die sozialen und persönlichen Kompetenzen werden vermehrt im ausserschulischen Bereich (oder am Arbeitsplatz) erworben. Deshalb kommt der ausserschulischen Kinder- und Jugendarbeit eine wichtige Funktion zu, die bisher zu wenig im Fokus stand und bis heute zu wenig Ressourcen dafür erhält. Sie bietet Raum, Sozial- und Selbstkompetenzen zu entwickeln, lässt Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung von Angeboten partizipieren lebt Mitsprache und Teilhabe. Dies sind wichtige Lernfelder, gerade auch im Hinblick auf die digitale Transformation.
Die ausserschulische Kinder- und Jugendarbeit erreicht dank niederschwelligem Zugang eine grosse Bandbreite unterschiedlichster Heranwachsender. Es bietet sich eine grosse Chance, diesen Jugendlichen zu ermöglichen, sich mit dem Thema Digitalisierung auseinanderzusetzen und digitale Medien aktiv, partizipativ und kreativ zu verwenden. Die Förderung von Medienkompetenzen soll deshalb vermehrt auch ein Ziel der ausserschulischen Kinder- und Jugendarbeit sein (zum Beispiel offene und verbandliche Kinder- und Jugendarbeit, stationäre Kinder- und Jugendhilfe). Dafür sind spezifische Aus- und Weiterbildungen sowie Sensibilisierung der Fachpersonen und finanzielle Ressourchen erforderlich.

Forderung 9: Es braucht eine digitale Schulkultur

Die neuen Lehrpläne bringen derzeit grosse Dynamik in die Entwicklung schulischer Medienbildung und Informatik. Will die Schule die Herausforderungen der digitalen Transformation bewältigen, muss diese Dynamik aufrechterhalten werden. Es reicht nicht, einzelne neue Inhalte aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) in die Lehrpläne zu integrieren, sondern Schulen müssen insgesamt Schritte zu ihrer digitalen Transformation unternehmen.
Dazu braucht es eine neue Schulkultur, die technische Kompetenzen nicht isoliert in einem Schulfach vermittelt, sondern als Querschnittkompetenzen versteht, die den Schulalltag auf allen Schulstufen prägen. Zudem ist entscheidend, dass bereits die obligatorische Schule eine Kultur des lebenslangen Lernens etablieren kann, die den Heranwachsenden eine positive Einstellung gegenüber Veränderungen vermittelt und die natürliche Neugierde der Lernenden fördert. Dies bedingt eine solide Aus- und kontinuierliche Weiterbildung der Lehrpersonen im Bereich Medien und Informatik und der dafür nötigen Ressourcen, Lehrmittel für alle Stufen und eine moderne schulische Infrastruktur mit Support, ohne gesundheitliche Beeinträchtigung der Lernenden und Lehrenden (Stichwort Raumbelüftung oder Strahlenbelastung).
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Forderung 10: Die Durchlässigkeit des Bildungssystems und die Vernetzung mit der Arbeitswelt soll gestärkt werden

Ein für alle zugängliches und erschwingliches Bildungssystem ist zentral für den Anschluss an die digitale Zukunft. Die Schweiz ist mit ihrem dualen Berufsbildungssystem grundsätzlich gut aufgestellt für die kommenden Entwicklungen. Wichtig ist dabei insbesondere die Durchlässigkeit des Bildungssystems. Der Anschluss an eine höhere Ausbildung oder der Wechsel in eine andere Ausbildungsrichtung soll jederzeit möglich sein, da es in Zeiten des raschen technologischen Wandels wichtig ist, sich nach Bedarf neu zu orientieren. Eine entwicklungsfähige Ausbildungs-, Umschulungs- und Weiterbildungslandschaft ist daher eine wichtige Rahmenbedingung, die von Bildungssystem und Wirtschaft gemeinsam getragen und weiter ausgebaut werden muss. Auch muss das Bildungssystem flexibel sein, um sich gesellschaftlichen Entwicklungen zeitnahe anpassen zu können. Insbesondere in der Berufsbildung hat die Anpassung von Ausbildungsgängen und die Integration neuer Kompetenzen in die curricula rascher zu erfolgen. Dazu ist eine intensive Zusammenarbeit zwischen Akteuren des Bildungssystems und der Arbeitswelt erforderlich.

Forderung 11: Es braucht eine vertiefte Reflexion zum Umgang mit der ständigen Erreichbarkeit

Der Umgang mit der permanenten Erreichbarkeit («always on») bedingt eine vertiefte Reflexion auf zwei Ebenen:
  • Es braucht einen bewussten und reflektierten Umgang im privaten (Familien-)Alltag, im Berufsalltag, in Schule und Ausbildung. Hierzu sind Erziehungsberechtigte genauso aufgerufen wie Unternehmen, das eigene Verhalten respektive die Vorgaben an Mitarbeitende zu reflektieren und eine neue, bewusste Kultur im Umgang mit der ständigen Erreichbarkeit zu schaffen, die den Bedürfnissen des Einzelnen und des Kollektivs entspricht. Regeln zum Gebrauch von Smartphones, Tablets etc. in der Schule und in der Familie sollten jeweils gemeinsam mit den Heranwachsenden erarbeitet werden. Grundsätzlich ist das Befähigen der Heranwachsenden zielführender als Verbote. In Firmen und Unternehmen sollte ebenfalls eine solche Reflexion stattfinden und ein Rahmen geschaffen werden, der es den Mitarbeitenden ermöglicht, frei zu entscheiden, wann sie erreichbar sind und wann nicht. Hier sind Gesellschaft, Wirtschaft und Politik gefordert, gemeinsam praktikable Lösungen zu finden.

  • Zusätzlich braucht es aber auch eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema auf theoretischer Ebene. Es bestehen noch kaum wissenschaftliche Grundlagen zu Umgang und Wirkung von «always on». Hier besteht genereller Forschungsbedarf. 

Ausblick:

Da die Digitalisierung mehr und mehr die Gesellschaft durchdringt, müssen sich alle Akteure in der einen oder anderen Form mit ihr auseinandersetzen. Die Forderungen der EKKJ bilden dazu einen Rahmen. Es gibt jedoch kaum allgemeingültige Rezepte. Vielmehr sind spezifische und miteinander kompatible Lösungen gefragt, die meist gemeinsam ausgehandelt werden müssen. Jeder muss für sein eigenes Aufgabenfeld weiter konkretisieren, was die digitale Entwicklung für Veränderungen und Massnahmen verlangt.

So muss sich zum Beispiel:
  • jede/r Erziehungsverantwortliche fragen, ob den Heranwachsenden genügend Freiraum für die Entwicklung von Kreativität, Sozial- und Selbstkompetenzen zur Verfügung steht, und wie er/sie den Alltag mit Heranwachsenden im Umgang mit der permanenten Erreichbarkeit gemeinsam aushandeln und gestalten will.

  • jede Schule, jede Lehrperson fragen, wie sie die Kinder und Jugendlichen
    in die Diskussion um digitale Medien einbeziehen und eine digitale
    Schulkultur etablieren kann.

  • die ausserschulische Kinder- und Jugendarbeit fragen, wie sie vermehrt
    Kinder und Jugendliche an das Thema Digitalisierung heranführen kann.

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