Medienerziehung

Aufwachsen im digitalen Zeitalter: 11 Forderungen

Welche Kompetenzen brauchen Kinder und Jugendliche in unserer digitalisierten Welt? Wie kann die Digitalisierung ihre Entwicklung unterstützen? Diese Fragen hat die Eigenössische Komission für Kinder- und Jugendfragen in einem Expertenbericht untersucht und 11 Forderungen aufgestellt.
Text: EKKJ & ElternMagazin Fritz+Fränzi (redaktionelle Anpassungen)
Bild: Pexels
Der neue Bericht «Aufwachsen im digitalen Zeitalter» der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) befasst sich mit dem Einfluss der Digitalisierung auf Kinder und Jugendliche. Er geht insbesondere der Frage nach, was Kinder und Jugendliche lernen müssen, um gute Chancen in der Lebens- und Arbeitswelt von morgen zu haben – und wie sich die Digitalisierung auf die Chancengerechtigkeit auswirkt. 

Der Bericht umfasst Fachbeiträge, eigene Recherchen sowie die Diskussionen vom Co-Creation Day im Juni 2017 und Expertengespräche. Er schliesst mit 11 Forderungen der EKKJ zur Digitalisierung, die sich an Politik, Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft und Gesellschaft richten.

Der ausführliche Bericht mit allen Fachbeiträgen kann bestellt oder online als PDF heruntergeladen werden.

Forderung 1: Kinder und Jugendliche sollen im Fokus der Diskussion stehen und die digitale Welt mitgestalten

Kinder und Jugendliche sollen in der Diskussion um künftige Rahmenbedingungen und bei Entscheiden rund um die digitale Transformation mehr im Fokus stehen. Es sollen nicht nur wirtschaftliche oder technologische Überlegungen eine Rolle spielen. Im Vordergrund soll stehen, dass jedes Kind seine Persönlichkeit, seine Begabungen und Fähigkeiten zur Entfaltung bringen kann, wie es die UNO-Kinderrechtskonvention fordert. Kinder und Jugendliche sollen bei der Digitalisierung mitreden und die digitale Welt mitgestalten können. Dies geht von der Diskussion, ob Smartphones an Schulen erlaubt sein sollen, über Regeln zum Gebrauch technischer Geräte zu Hause bis hin zur Strategie für eine digitale Schweiz.

Forderung 2: Die Digitalisierung soll die chancengerechte und ressourcenorientierte Förderung der Heranwachsenden unterstützen

Die neuen technischen Möglichkeiten eröffnen ein grosses Potenzial für individualisierte Lern- und Unterrichtsformen. Auf die Bedürfnisse des Einzelnen einzugehen, wird damit einfacher. Dieses Potenzial muss im Umgang mit Diversität optimal genutzt werden, um die chancengerechte Förderung von Kindern und Jugendlichen zu unterstützen. Es braucht eine individualisierte und ressourcenorientierte Förderung. Alle Kinder und Jugendlichen sollen frühzeitig digitale Grundfertigkeiten erlernen und zu aktiver und kreativer Mediennutzung motiviert werden.

Forderung 3: Technische Kompetenzen und «soft skills» müssen gleichwertig gefördert werden

Kompetenzen im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien müssen im Hinblick auf die digitale Transformation gefördert werden. Es ist unbestritten, dass Kinder und Jugendliche sich erweiterte technische Grundkenntnisse (insbesondere «computational thinking») aneignen müssen. Spezifisches Fachwissen veraltet jedoch schnell und es fehlt die vernetzte Anwendung. Umso wichtiger ist es, bei den Grundlagenfächern Mathematik und Sprache eine solide Grundlage zu schaffen. Denn sie sind der Schlüssel für den Erwerb von neuem Fachwissen und strukturiertem, vernetztem Denken. Gleichzeitig mit den technischen Kompetenzen werden Sozial- und Selbstkompetenzen, kritisches Denken und Kreativität mit der digitalen Transformation immer wichtiger. Deshalb sollen in der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen «soft skills» gleichwertig wie technische Kompetenzen gefördert werden.
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Forderung 4: Kinder und Jugendliche brauchen freie, unverplante Zeit

Es braucht freie und selbstbestimmte Zeit im (Schul-)Alltag von Kindern und Jugendlichen. Denn gerade Sozial- und Selbstkompetenzen, kritisches Denken und Kreativität, die mit der Digitalisierung an Bedeutung zunehmen, sind Fähigkeiten, für die es genügend Freiraum braucht, um sie spielerisch und ohne Druck entwickeln zu können. Dafür ist ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Bedeutung von freier und selbstbestimmter Zeit für Kinder und Jugendliche nötig. In Familie und Freizeit, Schule und Ausbildung sind Freiräume (zeitlich und räumlich) wichtig, damit Kinder und Jugendliche ihre Kreativität entdecken und Eigenverantwortung übernehmen können.

Forderung 5: Die Lernbereitschaft von Kindern und Jugendlichen soll unterstützt werden.

Die digitale Transformation bringt stete und schnelle Veränderungen mit sich. Das erfordert von allen Beteiligten sowohl im Lebensalltag (zum Beispiel E-Banking, Smart- Home-Systeme) wie auch im Berufsleben kontinuierliches Lernen. Kinder verfügen über eine natürliche Freude am Lernen. Sie ist eine zentrale Voraussetzung, um während des ganzen Lebens weiter zu lernen. Deshalb ist es wichtig, dass Schule und Ausbildung die Freude am Lernen unterstützen und die Veränderungsbereitschaft fördern. Wenn Kinder und Jugendliche sich zum Lernen motivieren können, eine positive Einstellung gegenüber Veränderungen mitbringen und sich von ihren Interessen und Fähigkeiten leiten lassen, haben sie gute Chancen. 

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