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Psychologie

Wie Mobbing entsteht

Beschimpft, gedemütigt, ausgelacht: Mobbing fügt Kindern grosses Leid zu. Egal ob es in den sozialen Medien oder im Klassenzimmer stattfindet. Doch wie kann es überhaupt dazu kommen? Und welche Rolle spielen Mitschüler und Lehrpersonen?
Text: Carmen Lahusen
Bilder: Pixabay
Wie kommt es in einer Klasse zu Mobbing? Was bietet einen Nährboden dafür? Und warum wird es oft so spät erkannt? Klar ist: Mobbing geschieht meist in heterogenen, geschlossenen Gruppen wie es Schulklassen sind. Man kennt sich zwar, aber es besteht wenig Zusammenhalt untereinander. Das ermöglicht den einzelnen Mitgliedern eine klare Rollenzuteilung und dem Opfer, insbesondere in der Schule, kaum Ausweichmöglichkeiten. Bei Mobbing geht es um Macht: Zwischen dem Mobbingopfer und dem Täter beziehungsweise den Tätern, besteht immer ein Ungleichgewicht. 

Dieses kann aufgrund kognitiver, physischer oder sozialer Eigenschaften, aber auch aufgrund vieler Helfer oder Assistenten, die den Täter unterstützen, bestehen. Diese helfen tatkräftig mit, in dem sie das Opfer ebenfalls blossstellen oder auslachen.  Sie amüsieren sich auf Kosten des Opfers, ohne sich bewusst zu sein, dass sie ihm schaden. Diese Assistenten, auch Möglichmacher oder Mitläufer genannt, gelangen durch die Nähe zum Täter zu gewissem Ansehen und Einfluss. Gleichzeitig können sie viel Verantwortung an den Haupttäter abgeben und haben die Gewissheit, nicht auch gemobbt zu werden. 
Mobbing geschieht meist in heterogenen, geschlossenen Gruppen wie es Schulklassen sind.
Andere Kinder wiederum schauen dem Mobbing passiv zu, was klar verstärkend wirkt, da der Täter sich in seinem Verhalten legitimiert fühlt. Realisiert er, dass sein Verhalten zwar nicht gutgeheissen wird, aber trotzdem niemand etwas dagegen unternimmt, spürt er seine Macht deutlich. Da das Mobbingopfer bestimmt ist, fühlen sich die Verstärker, genauso wie die Assistenten, sicher, nicht selbst Opfer zu werden. 
Oft gehört ein Grossteil der Klasse zur Gruppe der Verstärker. Dabei handelt es sich um Kinder, die sich nicht für die eine oder andere Seite entscheiden können, die zwischen Sympathie für den Täter und Mitleid für das Opfer hin- und hergerissen sind. Einerseits spüren sie eine gewisse Genugtuung, wenn andere geplagt werden, andererseits getrauen sie sich nicht, sich für das Opfer stark zu machen, da sie befürchten, selbst Mobbingopfer zu werden.

Verstärker fühlen sich häufig unter grossem Gruppendruck, da sie nicht alleine dastehen wollen. Aus diesen Gründen haben sie im Mobbingprozess eine zentrale Rolle inne. Durch sie kann Mobbing zu enormen Dimensionen gelangen, ohne dass jemand den Prozess unterbricht. 

Ein gemeinsamer Feind schafft Verbundenheit

Ein Klassenklima, welches von fehlenden klaren Regeln geprägt ist, sowie von einer konfliktscheuen und wenig engagierten Lehrperson, die aggressives Verhalten toleriert, begünstigt Mobbing. Zusätzlich existiert möglicherweise in einer Klasse ein Sozialgefüge, das nicht ohne Opfer auskommt. Der Zusammenhalt ist im Grunde schwach, doch ein gemeinsamer Feind schafft eine gewisse Verbundenheit. 
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Der Täter wählt sein Opfer meist bewusst aus. Typische Mobbingopfer  sind Schüler und Schülerinnen, die sich durch eine Behinderung, Sprachauffälligkeit, körperliche Eigenarten oder eine nicht im Modetrend liegende Kleidung vom Rest der Klasse abheben. Auch unsichere und ängstliche Kinder sind gefährdet. Häufig gibt es aber auch einen unterschwelligen Konflikt und Feindseligkeiten in der Klasse. 

Ist das Opfer ausgewählt, geht es darum, zu experimentieren, wie weit die in der Klasse geltenden Normen verletzt werden können. Ob solche Mobbingattacken fortgeführt werden oder nicht, entscheiden die Reaktionen der verschiedenen Mitschüler und Mitschülerinnen.

Können die Attacken fortgeführt werden und sind die Rollen verteilt, werden die sozialen Klassennormen durch die Täterschaft neu definiert. Die Angriffe auf das Opfer werden immer mehr als normal und gerechtfertigt empfunden.  Sie können verbal, non-verbal (durch Gestik) oder physisch durch Formen körperlicher Gewalt oder Schädigung des Eigentums erfolgen. Oft werden die Angriffsformen auch vermischt. In jedem Fall haben sie die klare Absicht, dem Opfer Schaden zuzufügen. 

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