Wenn Eltern wütend werden
Psychologie

Wenn Kinder in alten Wunden wühlen

Eltern wollen freundlich sein, den Kindern stets zugewandt, sie liebevoll führen. Nicht schimpfen. Nicht drohen. Nie laut werden. Nur: Warum gelingt uns das im Alltag oft nicht? Einer der Gründe geht weit in unsere eigene Kindheit zurück.
Text: Stefanie Rietzler
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Neulich in einem unserer Seminare: «Manchmal kann ich nicht anders. Da drücken die Kinder meine Knöpfe, und zack! Wirft es mich mal wieder aus der Bahn», erzählte mir eine Mutter. «Dann überreagiere ich, werde grob, schreie herum, bin patzig, drohe, strafe, schmolle, bin plötzlich so verletzt, so verzweifelt und hilflos, könnte heulen. Später tut es mir dann leid und ich schäme mich, ich wollte es doch anders machen. Wieso kriege ich das nicht hin?», fragt sie in die Runde. Viele andere Teilnehmer nicken. 

Kennen Sie das? Ja? Dann lassen Sie uns gemeinsam erkunden, warum es manchmal so schwer sein kann, besonnen zu reagieren. So viel vorweg: Natürlich sind wir alle nur Menschen. Der Tag war lang, die To-do-Liste auch, man ist müde, hat sich schon den ganzen Tag zusammengerissen und dann kommt der Moment – die zankenden Geschwister am Esstisch, die Weigerung ins Bett zu gehen –, der  das Fass zum Überlaufen bringt. «Ego depletion» nennen Sozialpsychologen dieses Phänomen, die Erschöpfung unserer Willenskraft nach vielen, anstrengenden Aufgaben. 

Wann werden Sie emotional?

 Darüber hinaus gibt es Situationen, in denen nicht nur die Alltagserschöpfung den Ausschlag gibt, sondern Wunden aus der eigenen Kindheit der Grund dafür sind, dass wir die Nerven verlieren. «Die emotionalen Zustände unserer Kindheit und Jugend sind wie schlafende Quälgeister, die bestimmte Reize oder Situationen wachrütteln und deren Treiben wir dann hilflos ausgeliefert sind», schreibt die Psychotherapeutin Gitta Jacob in ihrem Buch «Raus aus Schema F». Überlegen Sie für sich, in welchen Momenten Sie übermässig emotional reagieren, ihre Knöpfe gedrückt werden: Was haben diese gemeinsam? Und welche Gedanken gehen Ihnen in diesem Moment durch den Kopf? 
«Die emotionalen Zustände unserer Kindheit sind wie schlafende Quälgeister»
Eine Mutter stellte dabei fest, dass sie immer dann die Nerven verliert, wenn sie den Eindruck hat, von ihren Kindern ignoriert zu werden. Beim letzten Mal sass sie mit der 14-jährigen Tochter im Wohnzimmer und wollte sich mit ihr unterhalten. Diese tippte aber ständig auf ihrem Handy herum und blickte kaum vom Bildschirm auf. «Mein Mann kann gut darüber hinwegsehen, sagt, sie ist halt in der Pubertät und es ist normal, dass sie nicht mehr so viel erzählt, aber ich kann das nicht so sehen: Ich sitze dann da und komme mir so blöd vor, bin plötzlich tief verletzt, traurig und einsam, obwohl unsere anderen Kinder im selben Raum sind. Und dann rede ich den ganzen Tag kein Wort mehr mit meiner Tochter, vielleicht auch, um sie spüren zu lassen, wie das ist. Total unreif, ich weiss», erzählt sie. Bei der Frage nach ihren Gedanken hält sie inne: «Da ist der Gedanke: Ich werde nicht gehört! Was du willst, zählt nicht! Du bist nicht wichtig! Du fällst zur Last!» 

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1 Kommentar

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Von Katja am 08.02.2021 20:04

Ich habe tolle Erfahrungen gemacht mit Glaubenssätzen aus der Kindheit zu lösen mittels Energie Behandlung. Ich war bei Jutta Braams https://www.aura-yoga.ch/

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