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Psychologie
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«Geboren, um zu leben»

Für die Trauerfeier haben Aline und Rafael jeweils ein Lied ausgesucht, Aline entschied sich für ein Lied von Züri West, Rafael wählte «Geboren, um zu leben» von Unheilig. Im Rückblick, sagt Annyett König, frage sie sich manchmal, wie das alles funktioniert habe. Ein todkranker Mann, den sie zu Hause gepflegt hat, zwei schulpflichtige Kinder und ihre Arbeit im Spital. Von ihren eigenen Bedürfnissen ganz zu schweigen. Der Zusammenbruch kam, nachdem Christian gestorben war. Mit dem Loslassen trat die Erschöpfung ein. Sie habe Monate gebraucht, um wieder etwas Boden unter den Füssen zu haben, und erst jetzt setze die Trauer richtig ein.

«Diese riesige Verzweiflung, wenn mir klar wird, dass er wirklich nie mehr wiederkommen wird.» Sie musste lernen, um Hilfe zu bitten, und hat viele Dinge neu gelernt. Zum Beispiel kann sie jetzt Lampen anbringen. Unschätzbar sei die Hilfe der Familientrauerbegleiterinnen gewesen. Schon in der Zeit, als Christian noch lebte, aber der Tod absehbar war, und auch danach. «Da war immer jemand da. Sie haben sich regelmässig gemeldet und nachgefragt, Dinge mit den Kindern unternommen – das war von unschätzbarem Wert», sagt Annyett König. 
Der Zusammenbruch kam, nachdem Christian gestorben war. Mit dem Loslassen trat die Erschöpfung ein. 
Inzwischen besuchen Aline und Rafael eine Waldkindertrauergruppe. Die Trauer, sagen Rafael und Aline, habe sich verändert. «Sie ist jetzt weniger gross, aber ich muss schon noch ab und zu weinen», sagt Aline. Dann kuschelt sie mit ihrer Mama und knuddelt ihren Daddy: Annyett König hat ihren Kindern zu Weihnachten jeweils ein Kissen mit einem Foto des Vaters geschenkt. 

Der hatte nach seinem Tod übrigens noch einen Auftrag zu erfüllen, erzählt Rafael: «Mami hat Daddy kurz vor seinem Tod gesagt, dass er den Fussballgott so lange suchen soll, bis er ihn findet. Dann soll er ihm sagen, dass die Young Boys nach 32 Jahren endlich wieder einmal die Meisterschaft gewinnen sollen. Und er hat es gemacht!»  

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Das Thema Trauer finden Sie in der Printausgabe Nr. 11/18. Sie können das Heft als Einzelausgabe hier nachbestellen

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