Barbara Bleisch: Kinder schulden ihren Eltern nichts
Psychologie
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Warum?

Gerade enge Beziehungen in Familien sind nichts Selbstverständliches, auch sie müssen gepflegt werden. Respekt und gegenseitiger Austausch sind dabei sehr wichtig. Die normative Kraft, die uns bindet, sollte aber die wechselseitige Liebe sein – und nicht das Gefühl, dem anderen etwas zu schulden.

Welche ethische Qualität im Umgang erachten Sie in Familien als wichtig?

Wir sind immer verpflichtet, unser Gegenüber zu achten, auf seine Gefühle Rücksicht zu nehmen und ihm nicht mutwillig Schaden zuzufügen. Das ist ein Gebot der Menschlichkeit. Wir sollten nie achtlos über die Bedürfnisse und Erwartungen anderer hinweggehen oder sie mutwillig verletzen.

Was würden Sie Eltern und Kindern raten?

Kinder müssen sich, wenn sie erwachsen werden, aus der Abhängigkeit von den Eltern lösen. Wenn Eltern dies nicht zulassen, bleibt den Kindern manchmal kein anderer Weg, als den Kontakt abzubrechen. Wenn Kinder sich zu diesem Schritt entschliessen, sollten sie zumindest die Gründe gut überlegt haben. Und die Eltern haben aus meiner Sicht ein berechtigtes Interesse daran, diese Gründe zu erfahren, idealerweise  in einem persönlichen Gespräch.

Was sollten besonders Eltern beachten?

Die Eltern sollten sich wiederum klarmachen, dass kein Kind leichtfertig den Kontakt abbricht. Oft bahnt sich so etwas über längere Zeit an. Die Eltern sollten also auch bereit sein, ihr eigenes Verhalten kritisch  zu überdenken. Im besten Fall gelingt dann eines Tages ein Neuanfang.
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