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Psychologie
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Achtsamer Medienkonsum 

Achtsam sein kann auch im Umgang mit Medien helfen. Kaltwasser rät Eltern, nicht einfach ein Verbot – «Du darfst nicht mehr an das Tablet» – auszusprechen, sondern sich achtsam mit dem Nichtstun auseinanderzusetzen und dem Nachwuchs vorzuschlagen: Spüre mal nach, was das mit dir macht, wenn du jetzt nicht auf dem Smartphone oder am Computer spielst, sondern einfach so dasitzt.

Das ist im Grunde genommen die gute alte Langeweile – und die führt bekanntlich zu kreativen Höhenflügen. Wie schwierig es für Kinder ist, eine Vorstellung von Zeit und dem Nichtstun zu haben, zeigt sich oft ganz am Anfang der Achtsamkeitspraxis. 

Vera Kaltwasser fragt dabei gern, ob sie es schaffen, 30 Sekunden lang die Augen zu schliessen. Na logo, lachen die Jungen und Mädchen, das ist doch einfach! Und staunen nach fünf Sekunden, wie lange das doch dauert. «Nach etwa sechs Wochen», sagt Vera Kaltwasser, «können meist alle Kinder still stehen oder die Augen eine halbe Minute lang schliessen. » 

Bei denjenigen, die dann immer noch stören, weil sie nicht innehalten können, sollten Lehrer und Eltern genauer hinschauen: «Das ist eine Art Hilferuf, denn diese Kinder merken in den Stillephasen zum ersten Mal, was eigentlich in ihnen vorgeht, und das können sie mitunter nicht aushalten.

Interventionsprogramm «Aischu» und die Wissenschaft

Das Interventionsprogramm «Aischu» war inzwischen auch auf dem wissenschaftlichen Prüfstand. Niko Kohls und Sebastian Sauer, Forscher an der Ludwig-Maximilian- Universität München, haben in einer kleinen Pilotstudie untersucht, welchen Einfluss die Achtsamkeit auf Aufmerksamkeitsleistung, Lebensqualität, Wohlbefinden und Stress von Fünftklässlern hat. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Achtsamkeit in allen Punkten positiv auswirkt. Besonders auffällig war die verbesserte Aufmerksamkeitsleistung. Die Wissenschaftler betonen, dass die Studie Pilotcharakter hat und die Ergebnisse nur als erste Anhaltspunkte dienen könnten, die weiter abgesichert werden müssten. 
Was schmeckt man eigentlich am Eis zuerst? Das Süsse? Die Kälte? Oder die Frucht?
Professor Gunther Meinlschmidt von der Psychologischen Fakultät der Universität Basel und der Ruhr-Universität Bochum findet «das Thema so spannend, dass derzeit einige Studien und Untersuchungen laufen und man in einigen Jahren mehr wissen wird». Was man aber jetzt schon weiss: Stress kann zu sogenannten epigenetischen Veränderungen führen. Damit sind Veränderungen an den Genen gemeint, die nicht vererbt sind, sondern von äusseren Faktoren herrühren.

Stress ist ein solcher Faktor. «Als Eltern gemeinsam mit dem Kind das Innehalten und Wahrnehmen zu üben, davon können alle profitieren», sagt Meinlschmidt. Zum Beispiel bei einem Waldspaziergang: Tief einatmen und die einzelnen Düfte schnuppern, die Ohren spitzen und den Geräuschen der Tiere und Pflanzen lauschen, einen Baum anfassen und mit den Fingerspitzen die Rinde erfühlen – all das kann die Achtsamkeit fördern.

Achtsamkeit im Alltag 

Achtsamkeit ist eine besondere Form der Aufmerksamkeit. Dabei werden innere und äussere Erfahrungen registriert und zugelassen, ohne diese zu bewerten. Ein guter Start ist es, sich einfach mal hinzusetzen und eine halbe Minute lang nichts zu tun, als seinen Atem zu beobachten. Manchen hilf es, eine Hand auf den Bauch zu legen und den Atem so besser zu spüren. Nach und nach können Sie diese kleine Meditation etwas verlängern. Auch in den Alltag lässt sich Achtsamkeit integrieren. Schärfen Sie Ihre und die Sinne Ihres Kindes: Wie fühlt es sich an, auf dem Weg zur Schule über die Betonplatten zu laufen? Was hört man abends auf dem Balkon, wenn es draussen schon still ist? Wie fühlen sich Gegenstände an, die man täglich in die Hand nimmt – die Zahnbürste, die Seite eines Buches? Wie riecht es zu Hause? Und was schmeckt man eigentlich beim Eis zuerst? Das Süsse? Die Kälte? Oder die Frucht? Trainieren Sie das regelmässig, nimmt die Achtsamkeit bald ganz selbstverständlich einen wichtigen Platz im Leben ein.
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Zur Autorin

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Claudia Füssler ist freie Journalistin in Freiburg, ist am liebsten beim Essen achtsam und zelebriert das Zutaten-Herausschmecken. Allerdings ist die Familie meist schon beim letzten Bissen, wenn endlich die letzte Nuance analysiert ist.

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Dieser Text ist in unserem Gesundheits-Spezial erschienen, das der März-Ausgabe beiliegt und sich mit der körperlichen und geistigen Gesundheit von Kindern beschäftigt. Bestellen Sie jetzt Ihr Exemplar.

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Von Fernando am 30.03.2017 13:36

Bin Dir für dein Artikel Dankbar

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