Ernährung

Vorsicht Zusatzstoffe!

Ob bunte Fruchtgummis, Chips oder Fertiggerichte, sie alle verdanken Aussehen, Geschmack und Haltbarkeit einer Vielzahl an Zusatzstoffen. Doch welche Auswirkungen haben diese auf die Gesundheit unserer Kinder?
Text: Marlène Gautschi
In Zusammenarbeit mit Betty Bossi 
Bild: Alamy Stock Photo
Isa würde am liebsten jeden Tag bunte Fruchtgummis naschen. Ihre Mutter macht sich hingegen Sorgen, denn das Kleingedruckte auf der Verpackung irritiert und verunsichert sie. Nebst der Hauptzutat Zucker stecken in handelsüblichen Fruchtgummis Säuerungsmittel, Aromen, Überzugsmittel. Viele Begriffe kann Lisas Mutter weder einordnen noch abschätzen, ob sie für ihre Tochter unbedenklich oder schädlich sind.

Über 300 Lebensmittelzusatzstoffe sind vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen zugelassen. Sie werden mit E-Nummern gekennzeichnet. Das «E» steht für Europa und essbar. Zusatzstoffe müssen – lebenslang konsumiert – unbedenklich sein.
 
Zusatzstoffe werden in verschiedene Seriengruppen eingeteilt. So stehen die 100er-Nummern beispielsweise für Farbstoffe, die 200er-Nummern für Konservierungsstoffe und so weiter. Ob ein Zusatzstoff natürlichen oder synthetischen Ursprungs ist, lässt sich aus der E-Nummer nicht ablesen, kann online aber nachgeschaut werden.

Zusatzstoffe kommen nur in vorverarbeiteten Lebensmitteln oder in Fertigprodukten vor. Farbstoffe zum Beispiel ersetzen die bei der Verarbeitung verloren gegangene Farbe. Eine graue Wurst lässt sich schlechter verkaufen als eine muskelrote. Konservierungsmittel werden beigefügt, um die Lebensmittel vor schädlichen Bakterien und Schimmelpilzen zu schützen.

Emulgatoren und Stabilisatoren ersetzen die durch die Fettreduktion verloren gegangene natürliche Sämigkeit einer Speise. All diese Stoffe sind zwar in den verwendeten Konzentrationen nicht gesundheitsschädlich, einige sind aber dennoch als bedenklich einzustufen.

Umstrittene Farbstoffe

Es gibt einige Studien, die belegen, dass sogenannte Azofarbstoffe die Hyperaktivität bei Kindern begünstigen und die Aufmerksamkeit beeinträchtigen können. Viele Kinderlebensmittel, wie farbenfrohe Süsswaren und Getränke, enthalten umstrittene Azofarbstoffe, E 02, E 10, E 22, E 23, E 24, E 51. Zapplige Kinder werden ruhiger, wenn sie weniger naschen und Süssgetränke trinken.

Zurzeit wird der Weissmacher Titandioxid, E 71, stark diskutiert, da er Entzündungen fördern könnte. Forscher der Universität Zürich empfehlen Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, dass sie auf Lebensmittel mit dem Zusatzstoff E 71 besser verzichten sollten. Er wird überall dort eingesetzt, wo es verdächtig weiss ist oder glänzt, von Kaugummis, Marshmallows über Mozzarella und Zuckerguss von beispielsweise Donuts bis zu Zahnpasta und Sonnencrèmes. 

Verführerisches Glutamat

Wenn wenig Zeit zum Kochen bleibt, versprechen Fertigprodukte wie Fischstäbchen, Tiefkühlpizza oder Dosenravioli schnellen Genuss. Kinder mögen solche Produkte, bei Ernährungsexperten stehen sie eher im Misskredit: Die Bedenken richten sich an Glutamat, E 20 bis E 25. Er dient als Geschmacksverstärker und steckt in vielen pikanten Fertiggerichten, Bouillon, Würzmitteln und Knabbereien wie Chips.

Gerade Kinder sollten zugesetztes Glutamat als Geschmacksverstärker nicht täglich zu sich nehmen. Essen Kinder regelmässig stark verarbeitete Lebensmittel, gewöhnen sie sich schlechter an die Vielfalt natürlicher Lebensmittel und verlieren die Sensibilität für das natürliche Aroma von Nahrungsmitteln. Zum anderen kann Glutamat den Appetit anregen und so möglicherweise Übergewicht fördern. 

Auch der als gesünder beworbene Süssstoff ist keine gute Wahl, ist er doch um ein Vielfaches süsser als Zucker. Vor allem Kinder gewöhnen sich rasch an die extreme Süsse, was eine Gier nach Süssigkeiten und Süssgetränken auslöst. In jedem Familienhaushalt ergibt es Sinn, Regeln rund um Süssigkeiten aufzustellen. Zum Beispiel: Naschen ist einmal am Tag erlaubt. Limonade und Softdrinks sollten die Ausnahme bleiben. 

Frisch und natürlich einkaufen

Was ist also beim Einkaufen zu beachten? Lesen Sie mit Ihren Kindern die Zutatenlisten auf Produkten. So viele unverständliche, un­natürliche Namen machen auch Kindern Eindruck. Wählen Sie möglichst naturbelassene Lebensmittel und Produkte, auf deren Etikett nur wenige Zutaten vermerkt sind – vor allem keine E-Nummern. Bio-Verbände erlauben 47 von 316 Zusatzstoffen, von denen alle unbedenklich sind. Anstatt einen Becher fertiges Fruchtjoghurt zu kaufen, wählen Sie ein Naturejoghurt und geben frische Saisonfrüchte bei. Kinder, die häufig stark industriell verarbeitete Produkte essen, kennen die Geschmacksvielfalt frischer Lebensmittel gar nicht mehr und ziehen den Einheitsgeschmack der Industrieprodukte vor. Durch das Probieren vieler verschiedener naturbelassener Lebensmittel entwickeln Kinder ihren eigenen Geschmack und werden sich später nicht mit dem Einheitsgeschmack industriell gefertigter Produkte zufriedengeben.
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Rezept: Fruchtgummis ohne Zusatzstoffe

Vor- und zubereiten: ca. 50 Min. 
Trocknen im Ofen: ca. 24 Std. 
Stehen lassen: ca. 12 Std. Ergibt ca. 350 Stück

500 tiefgekühlte, angetaute Aprikosen in einer Pfanne unter Rühren aufkochen. Hitze reduzieren, unter gelegentlichem Rühren zugedeckt bei kleiner Hitze köcheln, bis die Aprikosen weich sind.

300 Akazienhonig, 2 Teelöffel Zitronensaft und Aprikosen in einen Messbecher geben. Mit dem Mixstab fein pürieren. Fruchtpüree auf einem mit Backpapier belegten Blech ca. 7 mm dick ausstreichen.

Trocknen: ca. 24 Std. in der Mitte des auf 50 Grad vorgeheizten Ofens, dabei Ofentür mit einem Kellenstiel einen Spalt breit offen halten. Herausnehmen, mit einem sauberen Küchentuch bedeckt bei Raumtemperatur ca. 12 Std. stehen lassen. Fruchtgummi in gleich grosse Streifen schneiden oder Tierchen ausstechen.

Haltbarkeit: im Kühlschrank ca. 3 Monate, tiefgekühlt ca. 6 Monate.

Marlène Gautschi ist Ernährungsberaterin HF bei Betty Bossi AG.

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