Übergewicht bei Kindern
Ernährung
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«Schlechte» Gene sind nur zu etwa 50 Prozent schuld

«Übergewichtige Kinder haben fast immer auch übergewichtige Eltern», erklärt die pädiatrische Endokrinologin. «Die Veranlagung gilt als wichtiger Faktor bei der Entstehung von kindlichem Übergewicht.» Sie macht allerdings nur etwa 50 Prozent der Ursachen aus. Die anderen 50 Prozent sind Umweltfaktoren. Dazu zählen vor allem der Lebensstil und das Essverhalten innerhalb der Familie. «Kinder lernen am Modell», betont l’Allemand-Jander. «Ungünstige Essmuster der Eltern mit zu vielen fetten, süssen und üppigen Mahlzeiten prägen ein ungesundes Essverhalten. Inaktivität und viele Stunden vor dem Fernseher, Tablet oder Computer tun ein Übriges.» Denn die Dauer der Mediennutzung steht in engem Zusammenhang mit der Gewichtszunahme. 
Es ist wichtig, kleine Schritte zu gehen, stets das Positive, die Erfolge und das Geleistete hervorzukehren und immer wieder Mut zu machen. 
Darüber hinaus fördern aber auch psychische Faktoren, wie Stress, Trauer, Einsamkeit, Langeweile oder Vernachlässigung unkontrollierte Essat­tacken, Trostessen und den Rückzug vor den Bildschirm. «Medikamente wie Kortison oder antiepileptische Arzneimittel spielen als Ursache dagegen eine eher untergeordnete Rolle», sagt die Adipositas-Expertin.

Mit einer Diät allein ist es nicht getan

Da Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen eine Vielzahl von Ursachen hat, helfen Diäten allein dauerhaft nicht ­weiter», weiss l’Allemand-Jander. «Wirkungsvoller sind ­multiprofessionelle Therapieprogramme, die aus einer Ernährungsberatung, einer Bewegungstherapie sowie einer medizinischen und psychologischen Betreuung bestehen», erklärt die Adipositas-Expertin. «Wichtig ist dabei vor allem, dass das komplette Familiensystem miteinbezogen wird.» 
Erster Ansprechpartner für betroffene Familien ist immer der Kinderarzt oder der Hausarzt. Er kann die Therapie zusammen mit einer Ernährungsberatung sowie einer Physiotherapie ambulant starten. «Führt diese Behandlung nach mehreren Monaten nicht wenigstens zu kleinen Erfolgen, stehen schweizweit spezialisierte Adipositaszentren zur Verfügung, die die komplette Familie mit einem interdisziplinären Team über mindestens ein Jahr hinweg betreuen – Ziel ist die langfristige Umstellung des Lebensstils», unterstreicht die Co-Präsidentin des AKJ.
Ausschlaggebend für den Erfolg der Adipositas-Therapie ist aber nicht nur ein umfassendes Angebot, sondern vor allem das Vertrauen der Betroffenen in den Sinn der Massnahmen und der Wille zur Umsetzung. «Dazu ist es wichtig, von Anfang an einen ‹guten Draht› zu den betroffenen Familien zu entwickeln und verständnisvolle Unterstützungsarbeit zu leisten», betont Anneco Dintheer-ter Velde, leitende Ernährungsberaterin am Ostschweizer Kinderspital. «Die Familien wissen alle, dass sie etwas tun müssen – sie wissen oft nur einfach nicht wie.» Deshalb ist es wichtig, kleine Schritte zu gehen, stets das Positive, die Erfolge und das Geleistete hervorzukehren und immer wieder Mut zu machen, die neu erlernten Ernährungs- und Verhaltensmuster langfristig einzuhalten. Dazu gehört laut Ernährungsberaterin Dintheer-ter Velde vor allem: 

  • Die Mahlzeiten zu festen Zeiten am Tisch einnehmen und auch frühstücken.
  • Den Teller möglichst bunt gestalten, so dass pro Mahlzeit immer auch Gemüse, Obst, Salat enthalten sind.
  • Fleisch, Zucker, Kohlenhydrate und stark verarbeitete Lebensmittel meiden.
  • Wenigstens zwei bis drei Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten einhalten.
  • Nur ungesüsste Getränke trinken.
  • Die Essensportionen nach dem Handmodell berechnen (eine Kinderhand fasst weniger als eine Erwachsenenhand).
  • Nur einmal schöpfen.
  • Langsam essen, um die Sättigung besser zu spüren.
  • Gute Stimmung am Tisch genies­sen und nicht übers Essen oder andere Probleme diskutieren. 

Neben der Ernährung spielen aber auch regelmässige Bewegung und Sport eine wichtige Rolle, um dem Übergewicht wirksam zu begegnen. In den spezialisierten Zentren finden dazu normalerweise Einzel- und Gruppentherapien statt, ausserdem bieten Sport- und Turnvereine Kindern und Jugendlichen wohnortnah viele Bewegungsmöglichkeiten an. 
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Anja Lang ist freie Medizinjournalistin und lebt mit ihrer Familie in München. 

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Von Rahel am 08.07.2021 08:15

Was sie hier verbreiten, ist wissenschaftlich nicht untermauert. Die meisten Kinder, die Diabetes als Kind bekommen, sind nicht übergewichtig, weil Typ1 Diabetes eine Autoimmunerkrankung ist. 99% der übergewichtigen Kinder bekommen Diabetes Typ2 ( Alterszucker) erst jenseits der Teeniejahre. Bitte unterscheiden Sie das.
Kleine Typ1 Diabetiker müssen nämlich oft von anderen hören, sie hätten zu viel Süßes gegessen, und seien deswegen erkrankt, was ja faktisch gar nicht stimmt, sondern nur durch solche Artikel verbreitet werden.Dies ist lediglich ein Vorurteil und wenn man die Zahlen wirklich anschaut in den Kinderspitälern, sieht man, dass weniger als 1% der unter 18jährigen unter Typ2 Diabetes leiden.

Von Fritz+Fränzi Redaktion am 13.07.2021 09:02

Sehr geehrte Frau Buess,

vielen Dank für Ihre Anmerkungen, auf die ich nachfolgend gerne eingehe. Ich gebe Ihnen Recht, dass eine Diabetes Typ-1-Erkrankung bei Kindern nichts mit Übergewicht zu tun hat. Das steht auch so nicht im Artikel! Denn Diabetes-Typ-1 ist, wie Sie richtig erwähnen, eine Autoimmunerkrankung, für die betroffene Kinder nichts können.

Im Artikel steht, dass aus übergewichtigen Kindern leider oft übergewichtige Erwachsene werden, bei denen es zu bestimmten Erkrankungen bereits in der Kindheit kommt und „insgesamt das Risiko für ernsthafte Krankheitsbilder wie Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Arteriosklerose (steigt), die bei Übergewichtigen oft schon in jungen Jahren auftreten.“

Hier habe ich ganz bewusst keine Angaben zum Alter gemacht. Da das Risiko für die oben genannten Erkrankungen, die normalerweise erst bei deutlich älteren Menschen auftreten, individuell unterschiedlich ansteigt. So können die genannten Folgeerkrankungen – ohne Intervention - beim einen schon mit 20 Jahren, beim anderen mit 30 oder 35 Jahren auftreten. Also in jungen Jahren und damit deutlich früher, als das beim Durchschnitt der Bevölkerung der Fall ist.

Ich hoffe, es ist damit nochmal klarer geworden.

Mit besten Grüssen, Anja Lang

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