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Ernährung

Mehr als nur ein Bauchgefühl

Dass unser Darm nicht nur dafür da ist, Nahrung zu verwerten, ist längst kein Geheimnis mehr. Welche Aufgaben unser zweites Gehirn sonst noch bewältigt und wie es unsere Gefühle lenkt. 
Text: Vera Kessens
Bild: Vladimir Vladimirov/Getty Images

In Zusammenarbeit mit Betty Bossi
Lia kämpft mit ihrem ersten Liebeskummer. Der Fall ist klar – Schokolade muss her. Schnell greift die 15-Jährige in den Schrank und 20 Minuten später ist die ganze Packung leer. Schokolade ist nicht nur fein und süss, sie soll auch noch glücklich machen. Es gibt also Nahrungsmittel, die unser psychisches Befinden beeinflussen, und es gibt einen zentralen Ort in unserem Körper, der sowohl physische als auch psychische Vorgänge mitsteuert – den Darmtrakt. 

Essen Sie sich glücklich 

Für die oben erwähnten erhofften Glückgefühle ist das Hormon Serotonin zuständig. Es entspannt uns und macht zufrieden. Aggressionen, Angst und Kummergefühle werden gedämpft – der Liebeskummer fühlt sich nicht mehr ganz so schlimm an. Es ist in Kakao und eben Schokolade, insbesondere dunkler Schokolade, Bananen und Nüssen enthalten und kann dazu beitragen, dass wir glücklicher sind. Leider kann das Hormon jedoch nicht in unser Gehirn gelangen, da es die Hirnschranke nicht überwinden kann. 

Für die Bildung von Serotonin im Gehirn braucht es die Aminosäure Tryptophan, welche die Hirnschranke passieren kann und dort mit weiteren Helfern zum Serotonin wird. Tryptophan findet sich in Käsesorten wie Parmesan, Emmentaler oder Brie sowie in Produkten aus Soja wie Tofu und Sojamilch sowie in Cashew- und Erdnüssen. Diese Produkte enthalten übrigens auch noch weitere «Stimmungsmacher » wie die Eiweissbausteine Tyrosin und Isoleucin, aus denen wiederum Stoffe entstehen, die für Freude und Vergnügen sorgen. Im Darm, wo der grösste Anteil Serotonin gebildet wird, sorgt das Hormon für eine optimale Darmbewegung. Den Omega-3-Fettsäuren werden ebenfalls positive Wirkungen auf die Stimmung nachgesagt. Diese Fettsäure ist unter anderem in fettreichem Fisch, Nüssen und pflanzlichen Ölen, beispielsweise Rapsöl, enthalten. 

Der Darm – unser grösstes Organ

Sprichwörter wie «das schlägt mir auf den Magen» oder «Schmetterlinge im Bauch» lenken gezielt auf unser körperliches Zentrum. Und das nicht ohne Grund. Der Darm ist mit seiner 300 bis 500 Quadratmeter- Oberfläche unser grösstes Organ. Dank einer Vielzahl von kleinen und grösseren Zotten ist eine solche Dimension überhaupt möglich. Die Fläche ist mit mehreren Millionen Bakterien besiedelt, über 100 Millionen Nervenzellen bewohnen den Darm und es werden zahlreiche Hormone und Abwehrkörper für unser Immunsystem gebildet. Dieser stark besiedelte Ort teilt dem Gehirn mit, wann wir satt sind und wann wir Hunger haben. Er regelt die Abgabe von Verdauungssäften und die Nahrungsaufnahme. Diese Verdauungsvorgänge können durch Emotionen und Gefühle beeinflusst werden. Stress, zum Beispiel ausgelöst durch bevorstehende Abschlussprüfungen, kann Auswirkungen auf die Verdauung haben und sich in Durchfall oder Blähungen zeigen. 

Es kann aber auch sein, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter überhaupt keinen Appetit hat oder erst recht viel essen möchte. Wichtig ist, dass Sie die Gefühlslage Ihres Kindes wahrnehmen oder danach fragen und es so entsprechend unterstützen können. Bei einem empfindlichen Darm, der rasch auf stressige Situationen reagiert, lohnt es sich, «schwere Kost» wie frittierte Speisen, süsse Gebäcke oder Chips zu vermeiden. Der Darm soll nicht noch stärker beansprucht werden, die Stresssignale vom Gehirn sind ausreichend. Bei wenig Appetit können mehrere kleine Mahlzeiten Sinn machen, sodass Ihr Kind trotz der Aufregung mit etwas Energie die Prüfungen meistern kann. 

Der Darm vergisst nicht. Forscher haben herausgefunden, dass mit Emotionen, die immer wieder ähnlich erlebt werden, intuitiver umgegangen wird beziehungsweise schneller und einfacher Entscheidungen getroffen werden. Er ist also eine Art unsichtbarer Emotionen-Speicher. Die emotionalen Reaktionen fallen schwächer aus und gleichzeitig auch die körperlichen Anzeichen. Lia wird wahrscheinlich noch einige Zeit an ihrem Liebeskummer zu knabbern haben und es kann gut sein, dass sie in Zukunft weitere solche Phasen durchmachen muss. Sie wird aber immer einfacher damit umgehen können und weiss dank ihren emotionalen Erfahrungen, dass der Liebeskummer auch vorbeigeht. Sie kann mit der Zeit auf ihr eigenes Bauchgefühl vertrauen und Bauchentscheide fällen. So geschieht das auch mit anderen emotionalen Erlebnissen. Je stärker diese erlebt werden beziehungsweise je einschneidender diese sind, desto ausgeprägter sind die Emotionen- Speicher, die viele Lösungen für verschiedenste Emotionen liefern.  

Kulinarische Glücksbringer 

Damit das Gehirn möglichst viel Serotonin herstellen kann, braucht es die Aminosäure Tryptophan. Diese konkurriert mit anderen Eiweissbausteinen um den Eintritt zum Gehirn. Clever geplante Mahlzeiten/Nahrungsmittel mit einem kleinen Anteil an anderen Eiweissbausteinen erhöhen die Chance auf viel Tryptophan im Gehirn: 
 
  • Pasta mit Parmesankäse
  • Dunkle Schokolade
  • Getrocknete Feigen und Datteln
  • Milch mit Honig
  • Emmentaler-Sandwich
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Zur Autorin:

<div><strong>Vera Kessens</strong> ist BSc Ernährungsberaterin</div><div>SVDE bei Betty Bossi AG.</div>
Vera Kessens ist BSc Ernährungsberaterin
SVDE bei Betty Bossi AG.

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