Bewegung

Über Hürden in ein neues Leben

Mit neun Jahren kam Nahom Yirga als politischer Flüchtling in die Schweiz. 2014 wurde er beim UBS Kids Cup entdeckt; heute ist er eines der grossen Nachwuchstalente der Leichtathletik-Szene. Der 18-jährige Hürdenläufer über Heimat, Vorbilder und Superkräfte. 
Interview: Katrin Roth

In Zusammenarbeit mit UBS Kids Cup

Nahom Yirga, Sie haben fast Ihr ­halbes Leben in der Schweiz verbracht. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit in Äthiopien? 

Wenn ich an meine Heimat denke, kommt mir als Erstes die unberührte Natur in den Sinn. Diese Weite gibt es nirgendwo in der Schweiz. Ich erinnere mich auch daran, wie wir oft zusammen gefeiert haben. Es war immer eine tolle Stimmung. 

Sie sind 2011 mit Ihrer Mutter in die Schweiz gekommen, mussten Ihren kleinen Bruder, Ihre jüngere Schwester und Ihren älteren Bruder in Äthiopien zurücklassen. Haben Sie noch Kontakt zu ihnen?

Nicht so viel, wie ich es mir wünschte. Mich macht es traurig, wenn ich daran denke, dass ich schon so lange nicht mehr mit meinem grossen Bruder Fussball spielen konnte. Ich weiss nicht, wie wir diese verlorene Zeit nachholen können. 

Was vermissen Sie noch?

Schwierig zu sagen. Das Wetter vielleicht? Ich weiss noch genau, wie eine Mitschülerin in der vierten Klasse einmal zu mir sagte: «Die Schweiz ist das beste Land der Welt.» Damals fand ich das ein wenig komisch, aber heute bin ich genau der gleichen Meinung. Insofern vermisse ich nichts. 

Sie sprechen perfekt Deutsch. Wo fühlen Sie sich daheim? 

In Bassersdorf (strahlt). Dort habe ich meine Familie und meine Kollegen, dort fühle ich mich wohl.
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Was sind die grossen Unterschiede zwischen Ihrem Geburtsland und Ihrer neuen Heimat?

Da gibt es so vieles … Im Gegensatz zu den eher zurückhaltenden Schweizern sind die Menschen in Äthiopien sehr offen, grosszügig und tolerant. Wenn jemand einen Freund mitbringt, ist der immer willkommen, auch wenn man ihn nicht kennt. Dafür ist es in Äthiopien längst nicht so sauber wie hier und nicht alles funktioniert so reibungslos wie in der Schweiz. 

Was mögen Sie besonders gerne an der Schweiz?

Den Sozialstaat und das Bildungssystem. Niemand wird hierzulande fallen gelassen, alle bekommen eine gute Ausbildung und haben danach die gleichen Chancen. In Äthiopien sieht das ganz anders aus, wer dort in eine arme Familie geboren wird, kann der Armut kaum jemals entkommen. 

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