Kinderrheuma: Junge sitzt auf dem Boden
Arztbesuch

Wenn Kinder an Rheuma erkranken

Rheuma gilt landläufig als Alte-Leute-Krankheit, doch auch Kinder und Jugendliche können davon betroffen sein. Die chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung ist bis heute nicht heilbar. Moderne Behandlungsformen machen es aber möglich, die Beschwerden deutlich zu reduzieren oder gar zu stoppen. 
Text: Anja Lang
Bild: pixabay
Elegant landet Elena nach einem Sprung vom Kasten sicher auf der Bodenmatte. Wer der 11-Jährigen beim Turnenzusieht, vermutet nicht, dass die Schülerin an einer chronischen Krankheit der Gelenke leidet. Im Alter von drei Jahren wurde bei Elena Kinderrheuma festgestellt. Wenn die Krankheit aktiv ist, muss die Fünftklässlerin die Gelenke schonen. In der symptomlosen Zeit aber darf sie alles machen, was gesunde Kinder auch tun.

Etwa ein bis zwei von 1000 Kindern erkranken europaweit an Kinderrheuma – ein Sammelbegriff, der mehrere unterschiedliche Rheumaerkrankungen umfasst. «Wer von Kinderrheuma spricht, meint aber in erster Linie die sogenannte juvenile idiopathische Arthritis, JIA», erklärt Seraina Palmer Sarott, Oberärztin der Abteilung für Rheumatologie am Universitäts-Kinderspital Zürich. «Sie ist die häufigste kinderrheumatologische Erkrankung, die in erster Linie die Gelenke betrifft.» In der Schweiz sind daran aktuell rund 1300 Kinder und Jugendliche erkrankt.

Die Übersetzung des Fachbegriffs beschreibt dabei genau, worum es bei dieser Erkrankung geht. Denn das «juvenil» steht für den Beginn der Krankheit vor dem 16. Lebensjahr, «idiopathisch» für «unbekannte Ursache» und «Arthritis» für eine bis mehrere Gelenkentzündungen, die mindestens sechs Wochen anhalten.

Wie äussert sich das Kinderrheuma?

Tatsächlich ist die genaue Ursache der Krankheit bis heute nicht eindeutig geklärt. Fest steht nur, dass es sich bei der JIA, wie bei allen rheumatischen Erkrankungen, um eine Autoimmunkrankheit handelt. Das heisst, dass das eigene Immunsystem fehlgeleitet ist und nicht nur schädliche Eindringlinge wie Viren und Bakterien bekämpft, sondern fatalerweise auch körpereigene Zellen.

Im Fall von JIA richtet sich der Angriff vor allem gegen die Gelenkkapsel. «Dadurch entzündet sich die Gelenkinnenhaut, die die Gelenkflüssigkeit bildet», weiss Palmer Sarott. «In der Folge schwillt die Gelenkinnenhaut an und bildet vermehrt Flüssigkeit, was nach aussen hin als Schwellung erkennbar wird. Zudem entstehen Schmerzen, die die Beweglichkeit einschränken, und das Gelenk fühlt sich heiss an.»

Fatalerweise schädigt eine über Monate und Jahre anhaltende Gelenkentzündung aber nachhaltig den Gelenkknorpel sowie den angrenzenden Knochen.
 «Eine Gelenkentzündung kann zu Bewegungseinschränkungen, Wachstumsstörungen bis zur völligen Zerstörung des Gelenks führen.»
Palmer Sarott, Oberärztin der Abteilung für Rheumatologie am Universitäts-Kinderspital Zürich.
«Das kann schlimmstenfalls bis zur völligen Zerstörung des Gelenks führen», warnt die Rheumaexpertin. «Dauerhafte Fehl- und Schonhaltungen können ausserdem Bewegungseinschränkungen durch Kontrakturen verursachen, weil sich die Sehnen verkürzen und die beteiligte Muskulatur schwindet.» Darüber hinaus drohen Wachstumsstörungen wie etwa unterschiedliche Beinlängen oder Kieferanomalien, da der Knochen bei Entzündungen verändert wächst.

«Etwa 15 Prozent aller betroffenen Kinder entwickeln zusätzlich eine Uveitis, das ist eine Entzündung des Auges, die nur vom Augenarzt entdeckt werden kann und schleichend massive bleibende Sehschäden verursachen kann», ergänzt Palmer Sarott. Gelenkbeschwerden bei Kindern sollten deshalb grundsätzlich immer ernst genommen werden. Zwar stecken hinter den meisten Fällen eher harmlose Ursachen wie Zerrungen und Prellungen. Auch vorangegangene Virusinfektionen können zu vorübergehenden Gelenkentzündungen führen, die in der Regel folgenlos abheilen.

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