Arztbesuch
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Das Selbstvertrauen stärken

Wichtig sind zum einen Massnahmen der Schlafhygiene. Sie sollen dazu beitragen, das Schlafverhalten und den Schlaf zu verbessern. «Für eine erfolgreiche Behandlung ist die Mitarbeit des Kindes beziehungsweise Jugendlichen grundlegend», sagt Hug. «Wir betonen daher besonders bei den Jugendlichen, dass sie direkten Einfluss auf ihr eigenes Leben nehmen können und sich durch die Veränderungen tagsüber wieder fitter fühlen und bessere Schulleistungen erzielen können.»
Ist der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört, kann eine Lichttherapie oder das Hormon Melatonin die innere Uhr beeinflussen.
Hängen die Schlafprobleme mit psychischen Belastungen zusammen, ist es wichtig, das Selbstvertrauen des Kindes zu stärken und ihm Ängste zu nehmen. «Bei stärkeren psychischen Problemen oder einer psychischen Erkrankung, etwa einer Depression, ist neben den schlafhygienischen Massnahmen unbedingt eine Begleitung und Therapie durch einen Kinder- und Jugendpsychiater notwendig», sagt Hug.

Ist der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört, können neben Massnahmen der Schlafhygiene auch das Schlafhormon Melatonin oder eine Lichttherapie eingesetzt werden, um die innere Uhr günstig zu beeinflussen.

In manchen Fällen steckt hinter der Schläfrigkeit am Tag jedoch auch eine körperliche Ursache. «Dazu gehören Atmungsstörungen und Bewegungsstörungen im Schlaf, die in jedem Alter auftreten können», erläutert Datta. «Sie sollten auf jeden Fall von einem Facharzt und wenn notwendig durch eine Untersuchung im Schlaflabor abgeklärt werden.»
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Fällt den Eltern auf, dass ihr Kind auch ohne einen Infekt häufig schnarcht oder im Schlaf kurzzeitig aufhört zu atmen, sollten sie dies rasch mit dem Kinderarzt besprechen. Denn durch die Atemprobleme, die man auch als Schlafapnoe bezeichnet, nimmt kurzfristig der Sauerstoffgehalt im Blut ab. Ausserdem führen sie immer wieder zu kurzzeitigem Erwachen. Die Folge: Die Kids sind tagsüber müde und weniger leistungsfähig.

«Die häufigste Ursache bei Kindern sind vergrösserte Mandeln oder andere anatomische Besonderheiten», sagt Datta. «Dies sollte von einem HNO-Arzt und wenn notwendig im Schlaflabor sorgfältig abgeklärt werden.» In gewissen Fällen ist dann bereits in einem sehr jungen Alter eine Operation notwendig. «Diese führt oft zu deutlichen Verbesserungen», erläutert der Schlafmediziner. «Die Kinder können besser atmen, schlafen besser, sind tagsüber fitter und haben oft auch mehr Appetit.»

Auch periodische Beinbewegungen im Schlaf und das Restless-Legs-Syndrom, bei dem die Betroffenen in Ruhe ein unangenehmes Kribbeln in den Beinen spüren, können den Schlaf deutlich stören und zu Müdigkeit oder auch Hyperaktivität am Tag führen. «Eine häufige Ursache bei Kindern ist ein Eisenmangel, der gut behandelt werden kann», sagt Datta.

Schläfrig am Tag: Narkolepsie

Schliesslich kommt es vor, dass ein Kind oder Jugendlicher tagsüber nicht nur müde ist, sondern sich schläfrig fühlt und immer wieder einschläft – und das, obwohl kein Schlafmangel besteht. In diesem Fall spricht man von einer Hypersomnie. «Hier muss man nach den genauen Ursachen suchen, was meist durch eine Untersuchung im Schlaflabor geschieht», sagt Datta.

Die bekannteste Form der Hypersomnie – die aber nur etwa 40 von 100'00 Menschen betrifft – ist die Narkolepsie. Die Betroffenen schlafen bei alltäglichen Aktivitäten, etwa beim Essen oder Sprechen, plötzlich ein. Starke Gefühle, etwa beim Lachen oder bei Aufregung, führen zu sogenannten Kataplexien – einem vorübergehenden Erschlaffen der Muskeln. 

Beim Einschlafen und Aufwachen können zudem visuelle Halluzination und Schlaflähmungen auftreten – das heisst, die Betroffenen sind in diesem Moment unfähig, sich zu bewegen. 
«Meist sind die Symptome erst in der Jugend voll ausgeprägt», erläutert Datta. «Bei Kindern sind sie dagegen oft noch untypisch: Sie sind häufig nicht schläfrig, sondern eher unruhig und hyperaktiv. Dadurch wird die Erkrankung in diesem Alter oft noch nicht erkannt.»
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Manchmal ist die Lösung einfach

Wurde eine Narkolepsie festgestellt, können stimulierende Medikamente und Massnahmen der Schlafhygiene dazu beitragen, die Symptome zu verringern. «Ausserdem können die Betroffenen regelmässige, kurze Schläfchen in den Tagesablauf einbauen, um ihre Schläfrigkeit zu ­verringern», sagt Datta. «Darüber hinaus lernen sie Bewältigungs­strategien, etwa, um Situationen zu vermeiden, die Kataplexien aus­lösen.»

In manchen Fällen ist die Lösung für die Schlafprobleme – sobald die Ursache erkannt ist – auch ganz einfach. So wie bei der 7-jährigen Marlene: Sie wird abends zu einer kleinen «Tyrannin», verlangt ständig nach etwas anderem und will einfach nicht einschlafen.

In der Schlafberatung stellt sich heraus, dass Marlene für ihr Alter eher wenig Schlaf braucht. Nachdem sie abends regelmässig später ins Bett geht, bessert sich die Situation rasch. Und die Eltern sind froh, zu wissen, dass weniger Schlaf ihrer Tochter nicht schadet. 

Christine Amrhein ist Psychologin und freie Wissenschaftsjournalistin und lebt in München. Schon im Studium interessierte sie sich besonders für das Thema Schlaf, und sie hat sich auch in ihrer Diplomarbeit mit den Themen Schlafstörungen und Schlafwahrnehmung befasst. Besonders interessant findet sie den Zusammenhang zwischen biologischem Rhythmus, psychischen Belastungen und Schlafstörungen bei Jugendlichen. 

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