Krank über den Wolken - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
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Krank über den Wolken

Lesedauer: 3 Minuten

Fliegen ist für die meisten Menschen aufregend – für Familien erst recht. Wichtig ist eine gute Vorbereitung, auch für den Fall, dass ein Kind in der Luft krank wird.

Der Kleine schreit und weint herzzerreissend. Und zwar bereits seit gefühlten fünf Stunden. Es ist etwa morgens um vier in einer Höhe von 30 000 Fuss mitten über dem Atlantik. Der Nachtflug von Boston nach Zürich verläuft ohne Turbulenzen, und trotzdem kann keiner schlafen. Die meisten Passagiere schwanken zwischen Mitleid mit dem kleinen Kerl und übernächtigtem Ärger. Es gibt zwar immer wieder Heulpausen, aber kaum dösen die meisten wieder ein, beginnt das Geschrei von vorn. Der Vierjährige hat Ohrenschmerzen. Seine Eltern sind inzwischen ebenfalls gestresst, so haben sie sich Fliegen nicht vorgestellt.

Für Familien mit Kindern ist eine Flugreise oft eine Herausforderung, besonders auf Langstrecken: Die Luft ist trocken, der Raum begrenzt und die Landung noch Meilen entfernt. Doch zur globalisierten Welt gehört Fliegen: Familienmitglieder werden besucht, neue Arbeitsstellen angetreten oder Ferien auf anderen Kontinenten gemacht. Laut Dr. med. Angela Ensslin, Leiterin des Medizinischen Dienstes der Swiss, können bereits Babys ab einem Alter von 48 Stunden mitfliegen. Sie empfiehlt eine Flugreise aber erst nach dem siebten Lebenstag: «So besteht Zeit, das Kind kennenzulernen, und die Kleinen sind stabiler und nehmen schon an Gewicht zu.» Wer mit seinem Säugling unbedingt früher fliegen will, braucht bei der Swiss ein ärztliches Zeugnis.

Wichtige Medikamente gehören ins Handgepäck

Hauptproblem bei flugreisenden Kindern ist der Druckausgleich. Laut Angela Ensslin haben alle Kinder mehrmals pro Jahr Infekte der oberen Atemwege. Dabei kann es zu Nasen- oder Ohrenentzündung kommen, was den Druckausgleich erschwert oder verhindert. Schlimme Ohrenschmerzen sind die Folge. Bei Säuglingen regt Stillen oder das Saugen an einer Milchflasche oder an einem Schnuller das Schlucken an, was den Druckausgleich unterstützt. Älteren Kindern nützen Lutschbonbons oder Kaugummi. Helfen kann auch ein abschwellendes Nasenspray. Bei Reisen mit Kindern lohnt es sich, dies im Handgepäck mitzuführen. Darein gehören auch ein Thermometer oder fiebersenkende Medikamente, weil Kinder plötzlich fiebern können. Kinder, die regelmässig Medikamente nehmen, brauchen diese natürlich auch während des Fluges. «Wir empfehlen gerade bei Kindern, die vertrauten eigenen Medikamente immer mitzuführen», sagt Dr. Ensslin. Dazu ein Schreiben des Kinderarztes, das im Bedarfsfall bei der Sicherheitskontrolle vorgewiesen werden kann.

Nur gesund fliegen

Kinder leiden auch eher als Erwachsene unter Reisekrankheit, was aber in einem modernen Flugzeug kaum vorkommt. Die Ärztin empfiehlt, dass Kinder vor dem Abflug etwas Leichtes essen und während des Fluges immer ausreichend trinken.

An Bord der meisten Fluggesellschaften gibt es für den Notfall eine Bordapotheke mit den gängigsten Medikamenten. Die Cabin Crew ist dafür ausgebildet – auch in Erster Hilfe. Für eine Reise sollten Kinder aber gesund sein. Insbesondere Kinder mit Infektionskrankheiten sollten gemäss der Ärztin nicht reisen: «Wegen der Ansteckungsgefahr, aber auch, weil sich der Gesundheitszustand während des Fluges verschlechtern kann.» Dies gilt auch für Kinderkrankheiten wie zum Beispiel Windpocken, Masern, Mumps oder Röteln.
Kinder mit chronischen Krankheiten, insbesondere Lungenerkrankungen, brauchen vor einer geplanten Flugreise ein medizinisches Attest – das SAF/MEDIF-Formular, das ihr behandelnder Arzt ausstellen muss. Der medizinische Dienst der Fluggesellschaft prüft den Fall und gibt das Einverständnis oder nicht, falls das Risiko zu gross erscheint, dass sich der Gesundheitszustand des Kindes auf dem Flug verschlechtern könnte. Kritisch können auch unerkannte beginnende Infekte bei Kindern mit Asthma sein oder Fieberkrämpfe sowie andere Krampfanfälle.

In einem ernsten medizinischen Notfall kann es laut Ensslin auch zu einer ungeplanten Zwischenlandung kommen. Um das zu verhindern, gilt es, eine Flugreise gerade für die Kinder gut vorzubereiten.


Tipps für Flugreisen mit Kindern

  • Vorbereitung: Dazu gehören neben Informationen über das Reiseziel betreffend Klima und medizinischer Versorgung auch Medikamente für den Bedarfsfall und Vorbereitungen für die Flugreise.
  • Planung: Nonstopflüge buchen, also Flüge ohne Zwischenstopp und ohne häufiges Umsteigen. Auf die Flugzeiten achten und sehr frühe oder sehr späte Abflüge vermeiden.
  • Sitzplatz: Babys sitzen bis zum zweiten Geburtstag auf dem Schoss der Eltern. Ab dem zweiten Geburtstag benötigen Kinder einen eigenen Sitzplatz. Viele Airlines haben Kindertarife. Ideal ist ein Platz am Fenster, so kann das Kind viel sehen und nicht unbeobachtet aufstehen.
  • Handgepäck: Gewisse Dinge gehören auf einem langen Flug mit Kindern unbedingt ins Handgepäck: eigene Kuscheldecke, Socken, Spielzeug, Lieblingssnack, Windeln und Feuchttücher, Ersatzkleider, Fläschchen und Nuggi, Kaugummi oder Bonbons und die wichtigsten Medikamente.
  • Beschäftigung: Flugreisen sind auch für Kinder langweilig. Überlegen Sie, wie Sie Ihr Kind unterwegs beschäftigen wollen. Packen Sie Spielsachen, Bücher und Malzeug ein – aber auch das Kuscheltier zum Einschlafen.
  • Druckausgleich: Kaugummis, Gummibärchen, Schnuller und Trinkflaschen sind hilfreich und verhindern Ohrenschmerzen. Zur Sicherheit ein Nasenspray ins Handgepäck stecken.

Petra Seeburger ist Intensivpflegefachfrau, Journalistin und Kommunikationsspezialistin. Sie arbeitet seit 30 Jahren im Gesundheitswesen.