Arztbesuch

«Herr Dreher, wie gewinnen Sie das Vertrauen kleiner Patienten?»

Thomas Dreher ist Chefarzt am Kispi Zürich. Er verkörpert eine neue Generation von Kinderärzten, die das Kind ins Zentrum stellen. Wir haben mit ihm unter anderem über Fehler bei Operationen gesprochen.
Interview: Florian Blumer
Bilder: Mara Truog / 13 Photo
Vor wenigen Minuten noch stand Thomas Dreher im Operationssaal, nun erscheint er pünktlich und gut gelaunt in der Spitalkantine und sagt: «Wir haben Zeit.» Tatsächlich werden ganze vier Stunden vergehen, bis wir uns verabschieden.

Sich die Zeit zu nehmen, die es braucht, ist ein zentrales Thema für ihn als Kinderarzt, wie er gleich erläutern wird. Für das Gespräch nehmen wir am Besprechungstisch in seinem zweckmässigen, kleinen Büro Platz, hinter uns lehnt ein Wimmelbuch des Kinderspitals an der Wand, von rechts schaut uns ein Skelett über die Schulter.
Prof. Thomas Dreher, 38, ist international anerkannter Spezialist für Kinderorthopädie und Neuroorthopädie sowie für die Chirurgie von komplexen Deformitäten des Beckens, der Beine und Füsse bei Kindern und Jugendlichen. Seit dem 1. September 2018 ist er Chefarzt der Abteilung für Kinderorthopädie und Kindertraumatologie am Kinderspital Zürich, davor war er mehrere Jahre an der Universitätsklinik in Heidelberg, Deutschland, tätig. Seit Kurzem lebt er mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Zürich.
Prof. Thomas Dreher, 38, ist international anerkannter Spezialist für Kinderorthopädie und Neuroorthopädie sowie für die Chirurgie von komplexen Deformitäten des Beckens, der Beine und Füsse bei Kindern und Jugendlichen. Seit dem 1. September 2018 ist er Chefarzt der Abteilung für Kinderorthopädie und Kindertraumatologie am Kinderspital Zürich, davor war er mehrere Jahre an der Universitätsklinik in Heidelberg, Deutschland, tätig. Seit Kurzem lebt er mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Zürich.

Herr Dreher, ich war kürzlich mit meiner Tochter beim Kinderarzt für eine Impfung. Wir sind beide ziemlich erschrocken, als er plötzlich und ohne Vorwarnung zugestochen hat. Wie nähern Sie sich einem Kind mit der Spritze?

Mit Kindern als Patienten muss man zwar anders umgehen als mit Erwachsenen – aber durch Erschrecken behandelt man Kinder nicht schonender. Ich arbeite zum Glück sehr selten mit der Spritze, ich bereite aber das Kind prinzipiell immer auf das vor, was kommt. Das Wesentliche, um ein Kind auf Schmerzen vorzubereiten, ist, eine ruhige und vertrauensvolle Behandlungssituation zu schaffen.

Wie machen Sie das?

Das Entscheidende ist, dass ich als Arzt selber ruhig bin. Dazu brauche ich die nötige Zeit.

Und die haben Sie?

Ich habe als Chefarzt natürlich viele verschiedene Aufgaben. Aber ich habe in dieser Stellung auch mehr Freiheiten, meine Zeit einzuteilen. Schon früher habe ich nur sehr ungern Abstriche bei der Zeit für die Patienten gemacht – heute versuche ich, es gar nicht mehr zu tun. Hier in Zürich kann ich mir mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten und deren Eltern nehmen als zuvor in Deutschland. Dies war einer der Gründe, warum ich mich entschieden habe, die Stelle anzunehmen. 
Anzeige

Wie begegnen Sie einem Kind, das nach einem Unfall zu Ihnen in den Notfall kommt?

Ich versuche, direkten Kontakt zu ihm aufzunehmen, auf eine warme, herzliche Art. So kann ich eine Basis schaffen, um ihm zu erklären, dass vielleicht etwas gemacht werden muss.

Wie tun Sie das konkret?

Das hängt vom Alter ab. Bei Jüngeren kann man, wenn es ein kleinerer Unfall war, humorvoll Kontakt aufnehmen. Man kann zum Beispiel fragen: «Was hast du für einen coolen Trick mit dem Skateboard gemacht?» Das entspannt die Situation. Oder man erzählt, dass man auch schon einen ähnlichen Unfall oder eine vergleichbare Verletzung hatte.

Und bei älteren Kindern?

Die etwas älteren, so ab zwölf, können schon stärker reflektieren. Sie wollen weniger, dass man Spässe über ihren Unfall macht, sondern eher eine warmherzige Aufklärung und die Gewissheit, dass die weitere Behandlung mit wenig oder am besten gar keinen Schmerzen einhergeht. Man muss die Situation richtig einschätzen können: Habe ich ein eher ängstliches Kind vor mir? Oder ist es ein Haudrauf-Kind, das selbst mit gebrochenem Arm noch Spässe macht? Man muss die Situation in relativ kurzer Zeit einschätzen können.

0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.