Braucht mein Kind eine Spange?
Arztbesuch

Braucht mein Kind eine Spange?

Ein Drittel der Schweizerinnen und Schweizer haben in ihrem Leben eine Zahnspange getragen – meist aus ästhetischen Gründen. Für eine kieferorthopädische Behandlung bieten sich besonders 
zwei Zeitfenster an, sagen Experten. 
Text: Claudia Füssler
Bild: Jim Erickson / Plainpicture
Es ist ein typisches Bild: Teenager sitzen im Park oder am See zusammen und albern miteinander herum, einige lachen und das Metall der Zahnspangen blitzt in den offenen Mündern. Gut ein Drittel aller Schweizerinnen und Schweizer haben laut einer Studie des Bundesamtes für Statistik in ihrem Leben schon einmal eine Zahnspange getragen, bei den 15- bis 24-Jährigen ist es mehr als die Hälfte. 

Der Grund für eine solche Korrektur ist allerdings nicht hauptsächlich medizinischer Natur. Vielmehr entscheiden sich Eltern heutzutage vor allem aus ästhetischen Gründen für eine kieferorthopädische Behandlung ihres Nachwuchses. «Es gibt sehr wenige Eltern, die sagen, man solle eine Korrektur der Zahnschiefstände nur dann vornehmen, wenn es medizinisch notwendig ist», sagt Daniel Feldmann, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie aus Zug, «die meisten wollen, dass ihr Sohn oder ihre Tochter schöne Zähne hat – auch wenn manche sich durchaus scheuen, das so offen zu sagen.»  

Der Zeitpunkt ist entscheidend

Die entscheidende Frage bei kieferorthopädischen Behandlungen ist die nach dem Timing. Werden Interventionen zum richtigen Zeitpunkt vorgenommen, können sie mitunter deutlich weniger aufwendig sein, als wenn man sich zu spät dafür entscheidet. Bei Kindern und Jugendlichen haben Zahnärzte und Kieferorthopäden vor allem zwei Zeiträume im Blick. Da wäre das erste Fenster, das sich etwa im Alter von sieben bis acht Jahren öffnet. Dann kommen die bleibenden Frontzähne. «Jetzt lässt sich der Oberkiefer noch gut dehnen, da die Gaumennaht noch weich und offen ist», sagt Feldmann. Notwendig kann ein früher Eingriff auch bei einem funktionellen Kreuzbiss in der Front sein, wenn die oberen Schneidezähne hinter die unteren geraten. 

Behandlungen in diesem Alter haben noch nichts mit Ästhetik zu tun, sondern haben tatsächlich eine medizinische Relevanz. Theoretisch könnte man die Fehlstellung auch noch bei 14-Jährigen korrigieren, dann ist das Ganze aber komplizierter. Noch schwieriger wird es, bei Erwachsenen Dehnungen auf skelettaler Ebene – also beispielsweise des Oberkieferknochens – vorzunehmen. «Wenn Zahnarzt und Kieferorthopäde sich an der Entwicklung des Kindes orientieren, kann vieles mit noch relativ geringem Aufwand in die richtige Bahn gelenkt werden», sagt Feldmann. 

Das Kind muss die Spange wollen 

Die zweite, aus kieferorthopädischer Sicht spannende Phase beginnt etwa mit zehn bis elf Jahren. Dann nämlich fängt bei den meisten Kindern der Zahnwechsel im Seitenzahn­bereich an. Die Eckzähne sowie die ersten und zweiten Milchmolaren fallen aus, die bleibenden Zähne kommen nach. «Nehmen wir einmal an, es kommt durch einen Platzmangel im Kiefer dazu, dass die Zähne krumm stehen», sagt Feldmann, «dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt für eine Intervention.» Die aber, darauf legt der Kieferorthopäde Wert, von Eltern und Kind gemeinsam entschieden werden muss. Gerade in der Pubertät ist für einige Mädchen und Jungen der Gedanke, für zwei bis drei Jahre mit einer Zahnspange durchs Leben gehen zu müssen, der blanke Horror. Da hilft es oft nicht einmal, dass Freundinnen und Freunde bereits eine haben. In seltenen Fällen, wenn ein Kind sich rundheraus weigert, ist das für Feldmann in Ordnung: «Ich sage dann: Dieses Problem kannst du mit 20, 30 Jahren auch noch korrigieren. Das ist dann vielleicht etwas schwieriger, aber irgendeine Lösung gibt es schon.»

Anzeige
0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.