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Arztbesuch

Gesunder Darm – gesundes Kind

Wie man seine Verdauung in Schuss hält, und warum das so wichtig ist.
Text: Sandra Matteotti
Illustration: Jill Enders
Während beim Kleinkind noch jeder Pups kommentiert wird, gilt später: Verdauung hat man, man spricht nicht drüber. Eigentlich schade, denn was im Darm passiert, ist nicht nur spannend, sondern wirkt sich auf unsere gesamte Gesundheit aus.
Etwa ab dem fünften Lebensjahr ist der Darm vollständig entwickelt. Dann unterscheiden sich Kinder und Erwachsenendarm nicht mehr. Trotzdem sind gerade die Kinderjahre für die Entwicklung einer gesunden Darmflora sehr wichtig. Denn der Darm vergisst nicht. Was er mal gelernt hat, das prägt ihn fürs Leben. Und eine gesunde Darmflora ist eine wichtige Grundlage für das gesunde Dasein überhaupt. Damit Eltern wissen, was sie für einen gesunden Darm tun können, sollten sie wissen, wie die Verdauung funktioniert.

Gut gekaut ist halb verdaut

Reisen wir also mit unserem Essen in die Tiefe. Das Verdauungssystem erstreckt sich vom Mundraum über die Speiseröhre durch den Magen zum Darm. Auf der ganzen Strecke laufen verschiedene Verdauungsprozesse ab. Schon der Speichel leistet seinen Anteil: Er lässt das Essen besser durch den Rachen rutschen und killt erste Bakterien. Und hier kann der Mensch mithelfen: Wer gut kaut, durchmengt alles mit Speichel und hilft so, die Verdauung zu unterstützen. In kleinen Stücken purzelt das Essen in die Speiseröhre und wird dort von Muskeln weitertransportiert, um schliesslich in den Magen zu fallen – ein Auffangbecken mit einem Volumen von einem knappen Liter. Hier treffen die zerkauten Stücke auf die Magensäure. Sie enthält spezifische Verdauungsenzyme, die das Essen in noch kleinere Stücke zerteilen. Die Nahrungsstücke prallen von Magenwand zu Magenwand, bis sie die Grösse eines Sesamkorns erreicht haben.
Alles wirkt auf den Darm: Schmetterlinge im Bauch, Angst oder Stress.
Am Ende des Magens sitzt ein Muskel, der Pförtner genannt wird. Er prüft die Grösse der Stücke, bevor er sie für die Weiterreise freigibt. Dann gelangt das Essen endlich in den Darm. Mit 5 Metern Länge und 32 Quadratmetern Oberfläche ist er das grösste Verdauungsorgan. In ihm befinden sich die verschiedensten Mikroorganismen. Ihre Aufgabe ist es, ein stabiles Ökosystem im Körper aufrechtzuerhalten. Der Darm lernt dafür, zwischen normalen Einflüssen und Schädlingen zu unterscheiden, um Letztere zu bekämpfen.
Aber natürlich kann der Darm nur mit Dingen arbeiten, die er kennt. Viele Asiaten haben zum Beispiel eine Laktose-Intoleranz, weil sie nicht gewohnt sind, Milch zu trinken. Ihr Darm bildete darum die für deren Verdauung nötigen Enzyme nie aus. Die Darmflora eines Menschen aus dem asiatischen Raum sieht also anders aus als die eines Menschen aus Europa oder Amerika.
Genauso unterscheidet sich die Darmflora eines Menschen, der sich gesund ernährt, von jener eines Menschen, dessen Hauptnahrungsmittel Süssigkeiten sind.

Der Gesundheit-Alleskönner

Doch auch wenn der Darm ein Gewohnheitstier zu sein scheint: Durch eine gezielte Ernährungsumstellung können jederzeit positive Veränderungen erwirkt werden. Wer sich gesund ernährt, senkt das Risiko für Darmerkrankungen, Hämorrhoidalleiden, Darm- und eventuell Magenkrebs. Ausserdem werden Blutdruck und Cholesterinspiegel verbessert. Der Darm nimmt auch grossen Einfluss auf das Immunsystem und ist so Ursache für viele Krankheiten, die man nie mit ihm in Verbindung bringen würde. Zum Beispiel Allergien, Hauterkrankungen und Unverträglichkeiten. Zudem hat die Darmflora einen enormen Einfluss auf das Aussehen sowie das Körpergewicht.
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Gefühle sind Darmsache

Das Gehirn ist das Organ mit den meisten Nervenzellen – und gleich danach kommt der Darm mit einer ganzen Million Nervenzellen. Emotionen beeinflussen die Darmfunktionen da, wo sie entstehen: im limbischen System, welches mit dem Darm verbunden ist. Dabei wirkt alles auf den Darm: Schmetterlinge im Bauch, Angst, Stress. Wenn Adrenalin ausgeschüttet wird, kann dies die Darmfunktion stören, Blähungen, Völlegefühl, Verstopfung sind die Folge. Andere Hormone, zum Beispiel Angsthormone, haben die gegenteilige Wirkung und der Darm schaltet auf Durchzug. Die Aussage «vor etwas Schiss haben» kommt also nicht von ungefähr. Umgekehrt wirkt der Darm auch auf die Gefühle: 95 Prozent der Glückshormone werden im Darm gebildet. Wer also glücklich sein will, muss seinen Darm in Schuss halten. Und andersherum gilt: Der Darm merkt sich psychische Probleme. Wer also einen gesunden Darm will, sollte möglichst häufig glücklich sein.

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