Arztbesuch

«Frau Hug, was tun bei Schlafwandeln und Alpträumen?»

Die Medizinerin Martina Hug sagt, wie Eltern psychische Ursachen von Schlafstörungen bei Schulkindern erkennen und wie man sie behandeln kann. 
Interview: Christine Amrhein
Bild: Willing-Holtz / Plainpicture

Frau Hug, was können Eltern tun, wenn ihnen ungewöhnliche ­Bewegungen oder Verhaltensweisen ihres Kindes im Schlaf auffallen?

Solche Phänomene sind nicht selten und meistens harmlos. Man spricht dann auch von Parasomnien. Damit sind Verhaltensauffälligkeiten im Schlaf oder beim Übergang zwischen Schlafen und Wachsein gemeint. Ein Gespräch mit dem Kinderarzt kann helfen, die Beobachtungen einzuordnen. Hilfreich für den Kinderarzt kann eine Videoaufnahme des fraglichen Verhaltens sein. In seltenen Fällen kann eine Untersuchung im Schlaf­labor notwendig werden.

Welche typischen Parasomnien gibt es bei Kindern und Jugendlichen?

Die häufigsten Parasomnien in diesem Alter sind Schlafwandeln, Alpträume und Schlaftrunkenheit. Bei der Schlaftrunkenheit, die am häufigsten zwischen dem 3. und 13. Lebensjahr auftritt, sind die Kinder nach dem Aufwachen bis zu einer Viertelstunde lang desorientiert und reagieren nicht wie gewohnt, weil sie aus einer Tiefschlafphase aufwachen oder geweckt werden. Verlassen sie das Bett in so einem Zustand, spricht man auch von Schlafwandeln. Alpträume treten vor allem bei Kindern zwischen 6 und 10 Jahren auf, sie können aber in jedem Alter vorkommen.

Was sollten Eltern beachten, wenn ihr Kind eine Parasomnie hat?

Parasomnien werden häufig durch Schlafmangel begünstigt. Deshalb sollten Eltern darauf achten, dass ihr Kind genügend schläft und einen regelmässigen Schlaf-Wach-Rhythmus einhält. 
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Was kann man bei Schlafwandeln und Alpträumen tun?

Beim Schlafwandeln ist es wichtig, die Wohnung, etwa Türen und Fenster, zu sichern, damit sich das Kind beim nächtlichen Herumgehen nicht verletzt. Ansonsten sollten die Eltern möglichst wenig tun und das Kind nicht wecken. Stattdessen können sie beruhigend mit ihm reden und es behutsam an der Hand ins Bett zurückführen. Wacht ein Kind aus einem Alptraum auf, ist es sinnvoll, Licht zu machen und beruhigend mit ihm zu reden. Ausserdem können die Eltern mit ihrem Kind über den Traum sprechen und ihn gemeinsam zu einem guten Ende führen.
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Wie läuft eine Untersuchung im Schlaflabor ab?

Das Kind schläft dabei in einem speziell ausgestatteten Untersuchungszimmer. Am Körper werden verschiedene Messfühler befestigt, die die Gehirnaktivität, Augenbewegungen, Atmung und Muskelspannung messen. Ausserdem kann der Schlaf auf Video aufgezeichnet werden. Auf diese Weise können etwa Atemaussetzer oder andere ungewöhnliche Verhaltensweisen erfasst und ihre Ursachen festgestellt werden.

Martina Hug ist Oberärztin am Fachbereich Entwicklungspädiatrie des Universitäts-Kinderspitals Zürich. 

Weiterlesen zum Thema Schlaf: 

  • Schlaf, Teenager, schlaf
    Bei Kindern und Jugendlichen kommen Schlafstörungen häufig vor – in unterschiedlicher Ausprägung. Wann sollten Eltern auf jeden Fall fachliche Unterstützung suchen? Und was können sie und ihr Kind für einen erholsamen Schlaf tun?


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