Eisenmangel: So lässt sich das Defizit vermeiden
Arztbesuch
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Eisenräuber nicht zusammen mit Eisenspendern verzehren

Als besonders gute Eisenspender gelten Leber und rotes Fleisch. «Das darin enthaltene Eisen liegt als sogenanntes Häm-Eisen in dreiwertiger Form vor und kann vom Körper besonders gut verwertet werden», betont Markus Schmugge. «Aber auch pflanzliche Lebensmittel wie Soja, Hirse, Bohnen und Haferflocken enthalten viel Eisen.» Allerdings kann das zweiwertige Eisen aus Pflanzen vom Körper deutlich schlechter aufgenommen werden. «Hier kann Vitamin C helfen, da es die Aufnahme von Eisen in den Körper fördert», empfiehlt der Zürcher Kinderarzt. «Eisenreiche Lebensmittel sollten deshalb mit Orangensaft oder auch roter Paprika kombiniert werden.» Einige Lebensmittel dagegen binden Eisen im Darm und hemmen damit die Eisenaufnahme. «Dazu zählen Tannine, vor allem in Schwarztee oder auch in Rotwein, grosse Eiweissmoleküle in Kuhmilch und Milchprodukten oder auch Oxalsäure in Spinat und Rhabarber», so Schmugge. «Solche Eisenräuber sollten deshalb möglichst nicht zusammen mit Eisenspendern verzehrt werden.»

Eisen zum Schlucken oder per Infusion

Eisenmedikamente verordnet, um die bestehenden Defizite rasch und zuverlässig auszugleichen. «Zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen bevorzugen wir Eisenpräparate, die täglich über mehrere Wochen geschluckt werden», sagt der Kinderarzt. «Diese Form der Eisentherapie ist zwar etwas mühsam, aber nie gefährlich.» Allerdings können lästige Nebenwirkungen wie Blähungen und Verstopfung auftreten. «Ich rate deshalb, bei der Einnahme viel zu trinken», sagt Markus Schmugge.

«Alternativ kann bei Nebenwirkungen auch auf andere Präparate wie Kapseln oder Sirup in niedrigerer Dosierung gewechselt werden, die besser verträglich sind.» Ist die Eisenaufnahme über den Darm nicht möglich oder liegt eine besonders schwere Form von Eisenmangelanämie vor, kann auch eine Eisentherapie per Infusion erfolgen. «Eine Eiseninfusion sollte bei ­Minderjährigen immer die Ausnahme sein und möglichst von einem darauf spezialisierten Kinderarzt begleitet werden», betont der Hämatologe. «Denn die Gabe hoher Eisenmengen direkt ins Blut wirkt zwar deutlich schneller als Tabletten oder Tropfen, kann in seltenen Fällen aber auch zu schweren allergischen Reaktionen oder Eisenüberladung führen.»

Wenig bis gar keine Nebenwirkungen versprechen dagegen Therapieverfahren aus dem Bereich der Komplementärmedizin. Sie können bei leichten Formen von Eisenmangel oder auch begleitend zur konventionellen Therapie angewendet werden. «Anders als in der Schulmedizin wird das fehlende Eisen hier nicht ersetzt, sondern der ­Körper vielmehr dazu angeregt, das angebotene Eisen besser zu verwerten», erklärt Renato Kaiser, Mediziner und Vorstandsmitglied der Naturärztevereinigung der Schweiz (NVS). «Phytotherapeutisch können dazu Tees oder Säfte aus den Blättern blutbildender Pflanzen wie Löwenzahn, Brennnessel oder Beeren getrunken werden.» Bestimmte darin enthaltene Stoffe können ­helfen, die Eisenaufnahme zu verbessern. «Innerhalb der Spagyrik wird die dreimonatige Einnahme von besonders aufbereiteten Eisentropfen morgens sowie Kupfertropfen abends als Eisentherapie empfohlen», erklärt Kaiser. «In der Homöopathie gilt Ferrum phosphoricum D12 als Klassiker gegen Eisenmangel.»

Kassenpflicht für Eiseninfusionen auf der Kippe

In der Schweiz werden Eiseninfusionen zur Behandlung von «Eisenmangel im Frühstadium (IDS)» seit über 20 Jahren von der Grundversicherung bezahlt. Ein IDS liegt laut Swiss Iron Health Organisation (SIHO) vor, wenn Symptome von Eisenmangel auftreten und der Ferritinwert als Messgrösse für den Füllstand des Speichereisens unter 50 ng/ml liegt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht dagegen erst ab einem Wert unter 15 ng/ml Handlungsbedarf. Da in letzter Zeit insbesondere durch die Versicherer vermehrt Zweifel und Kritik am Sinn der stark zunehmenden Zahl an Eiseninfusionen aufgekommen sind, lässt das Bundesamt für Gesundheit die Eisen­infusionstherapie derzeit umfassend prüfen. In der Folge könnte die Kostenübernahme neu geregelt werden.
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Zum Autor:

<div><strong>Anja Lang</strong> ist langjährige Medizinjournalistin. Sie ist Mutter von drei Kindern und lebt mir ihrer Familie in der Nähe von München.</div>
Anja Lang ist langjährige Medizinjournalistin. Sie ist Mutter von drei Kindern und lebt mir ihrer Familie in der Nähe von München.

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