Eisenmangel: So lässt sich das Defizit vermeiden
Arztbesuch
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Teenager sind besonders gefährdet, in ein Eisendefizit zu rutschen

In starken Wachstumsphasen wie der Pubertät ist der Eisenbedarf jedoch erhöht. Neben dem Längenwachstum nehmen bei Jungen innerhalb kurzer Zeit auch Muskulatur und Blutvolumen zu. Mädchen verlieren über die einsetzende Periodenblutung zusätzlich Eisen. Jugendliche sind deshalb besonders gefährdet, in ein Defizit zu rutschen. Vor allem, wenn sie bei der Ernährung auf Fastfood setzen oder einseitige Diäten ausprobieren. «Längere Flöckli-Diäten zum Beispiel können die Eisenbilanz drücken», betont Schmugge. «Da die im Getreide enthaltene Phytinsäure die Eisenaufnahme im Darm behindert.»
Vegetarische und insbesondere vegane Ernährungsformen ­können einen Eisenmangel ­begünstigen.
Auch vegetarische und insbesondere vegane Ernährungsformen können einen Eisenmangel begünstigen. «Denn in Pflanzen enthaltenes Eisen kann vom Körper schlechter verwertet werden als Eisen aus tierischen Nahrungsquellen», sagt der Zürcher Hämatologe. «Wissen sollte man auch, dass Unverträglichkeiten wie etwa eine Zöliakie einen Eisenmangel verursachen können.» Auch verschiedene Krankheiten wie Magengeschwüre mit versteckten Magen-Darm-Blutungen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder auch ein Parasitenbefall können hinter der Mangelerkrankung stecken.

Ein Eisenmangel entsteht immer schleichend. «Kommt es zur Schieflage, greift der Körper zuerst auf ­seine angelegten Eisenspeicher zurück», erklärt Schmugge. «Sinken die Werte hier unter ein bestimmtes Niveau, spricht man von einem latenten Eisenmangel.» Zu den typischen Anzeichen zählen Müdigkeit, verminderte Ausdauer und Konzentrationsprobleme. Diese Symptome können bei Jugendlichen natürlich auch zahlreiche andere Ursachen haben. «Wenn aber selbst liebgewonnene Hobbys über längere Zeit vernachlässigt werden, sollten Eltern hellhörig werden», rät der Hämatologe. Sind die Reserven erschöpft und der Eisennachschub bleibt weiterhin aus, entsteht eine Eisenmangelanämie. «Die roten Blutzellen werden jetzt kleiner als normal ausgebildet und enthalten weniger Hämoglobin», erklärt Schmugge. «Dadurch werden die Körperzellen zunehmend schlechter versorgt.» Diese Form des Eisenmangels ist seltener. Neben Leistungsaball und Blässe drohen jetzt auch Haarausfall, eingerissene Mundwinkel – eventuell auch Kurzatmigkeit und erhöhte Infektanfälligkeit. Eine Auswertung von Daten der KiGGS-Studie 2011, einer Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, zeigte zudem schlechtere Schulleistungen bei anämischen gegenüber gesunden Kindern.

Ein funktioneller Eisenmangel schliesslich liegt vor, wenn es zur Blutarmut kommt, obwohl die Eisenspeicher gut gefüllt sind. «In diesem Fall ist der Körper nicht in der Lage, das angebotene Eisen zu verwerten», betont der Experte für Bluterkrankungen. «Ursache hierfür sind meist chronische Krankheiten wie Rheuma oder auch Darmkrankheiten.»

Zunächst geht es darum, die Ursachen zu beheben

Um Ausmass und Form des Eisenmangels richtig zu diagnostizieren, müssen also viele verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. «Im Patientengespräch werden dazu die genauen Symptome, die Ernährungssituation sowie eventuell bestehende Vorerkrankungen abgefragt», sagt Schmugge. «Bei der anschliessenden Blutuntersuchung werden sämtliche Veränderungen im Blutbild betrachtet. Der Ferritinwert als Messlatte für den Füllstand der Eisenspeicher ist dabei nur einer von vielen Parametern.»
Einige Lebensmittel wie ­Rotwein, Schwarztee oder Milchprodukte binden Eisen im Darm und hemmen die Eisenaufnahme.
Bei der Therapie des Eisenmangels geht es im ersten Schritt darum, die Ursachen zu beheben. «Wenn Vorerkrankungen bestehen, müssen diese fachgerecht therapiert werden», betont der Eisenmangel-Experte. «Deutlich häufiger sind aber Ernährungsfehler die Wurzel des Übels.» Dazu muss man wissen, dass der Körper nur etwa 10 Prozent des Eisens aus der Nahrung tatsächlich verwerten kann. Gerade in Phasen von erhöhtem Eisenbedarf sollten eisenreiche Nahrungsmittel deshalb aktiv in den Speiseplan aufgenommen werden.
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