Corona-Impfung für Jugendliche
Arztbesuch
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Wenn wir vom Ansteckungsrisiko sprechen: Die Impfung schützt nach aktuellem Wissensstand mindestens 12 Monate lang vor einer Corona-Erkrankung. Wie sieht es mit dem sogenannten Fremdschutz aus? Wie lange stellt eine geimpfte Person kein Ansteckungsrisiko für andere dar?

Wir wissen es nicht. Das Ziel der nationalen Strategie ist immer der Schutz vor schweren Infektionen. Von mir aus ist es auch gut, sich vor leichten Infektionen zu schützen. Aber das jemand das Virus hat und es weitergibt, können wir langfristig auch bei Geimpfen nicht verhindern. Daher ist das nicht unser Ziel. Und deshalb sagen wir, wir wollen die besonders gefährdeten Personen schützen, indem wir sie impfen und dafür sorgen, dass sie dem Virus möglichst wenig ausgesetzt sind. Und wir haben viel weniger Viren in der Bevölkerung, wenn es viele Geimpfte gibt.

Die Impfempfehlungen Ihrer Kommission entfalten ja auch rechtliche Wirkungen. Wenn sich zum Beispiel die Eltern eines noch nicht urteilsfähigen Kindes uneinig sind, ob dieses eine Impfung erhalten soll oder nicht, wird aufgrund der behördlichen Empfehlung entschieden. Wenn ich unser Kind gegen Covid-19 impfen will, meine Frau aber nicht, dann wird es als Folge Ihrer Empfehlung also geimpft.

Ja, das ist gleich geregelt wie bei anderen Impfungen. Meistens sind sich die Eltern und das Kind zum Glück einig. Ich sehe viele Jugendliche, die zusammen mit einem Elternteil zur Impfung kommen. Es gibt einige, die erscheinen mit einem Zettel, auf dem die Eltern ihre Zustimmung mit einer Unterschrift geben, dann ist es sowieso kein Problem, dann haben sie es ja mit ihren Eltern besprochen. Und dann gibt es noch jene, die alleine kommen und sagen: Ich will das. Dann müssen wir die Urteilsfähigkeit des Kindes feststellen.

Wie funktioniert das konkret?

Also erstens haben sie sich ja schon mal für einen Termin angemeldet, was sie auch nicht tun würden, wenn sie das nicht wollten. Bei uns im Kinderspital Zürich fragen wir dann: Hast du das denn mit deinen Eltern oder einer Vertrauensperson besprochen? Und zu welchem Ergebnis seid ihr in dem Gespräch gekommen? Dann fragen wir noch: Bist du allein gekommen oder hat dich jemand hergebracht? Denn wir wollen niemanden impfen, der bei uns unter der Bedingung vor die Türe gestellt wird: Du kommst erst wieder raus, wenn du geimpft bist. Und wir fragen: Weisst du, worum es bei dieser Impfung geht? Weisst du, wie viele Dosen es braucht? Und kennst du die Nebenwirkungen? Was ist für dich der Grund, warum du diese Impfung willst? Wenn ein Jugendlicher all diese Tatbeweise erbringt und im Gespräch darlegt, dass er sich impfen lassen will, dann ist die Urteilsfähigkeit gegeben.

Im Epidemiegesetz ist auch eine staatliche Haftung für allfällige Impfschäden vorgesehen. Diese ist aber gebunden an eine behördliche Empfehlung der Impfung. Hat ein Jugendlicher, der sich nun aufgrund Ihrer Empfehlung impfen lässt, im Falle später auftretender Schäden Anspruch auf diese Haftung?

Ja. Genau darum sagen wir ausdrücklich: empfohlen.
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