Corona-Impfung für Jugendliche
Arztbesuch
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Wenn das Grippevirus für Jugendliche in etwa gleich gefährlich ist wie das neue Coronavirus, warum empfehlen Sie dann die Covid-19-Impfung für Minderjährige und die Grippeimpfung erst ab 65 Jahren?

Es kommen bei Corona eben noch die indirekten Effekte hinzu. Die Jugendlichen leiden sehr an der Pandemie, nicht am Virus – das richtet bei ihnen gar nicht so viel Schaden an –, sondern an den Massnahmen, die man unter der Bevölkerung trifft. Es gibt eine extreme Zunahme von depressiven Verstimmungen bei Jugendlichen aufgrund von Schulabsenzen, oder abgesagten Prüfungen und Berufspraktika, aufgrund des untersagten sozialen Austauschs. Kinderpsychologen sind hoffnungslos ausgelastet. Dieser Effekt ist schwierig zu gewichten. Aber diese Jugendlichen haben sich jetzt über ein Jahr lang für die Erwachsenen und die Alten geschützt und sie wollen da raus. Jetzt können sie sich impfen, und diejenigen, die das wollen, sollen das jetzt machen.

Aber Sie sagten doch, es geht bei den Jugendlichen nicht um das Erreichen einer bestimmten Impfquote.

Nicht speziell bei den Jugendlichen. Da machen wir keinen Druck. Und wir setzen auch bei den Erwachsenen kein Durchimpfungsziel. Aber je mehr es sind, desto besser geht es uns als Bevölkerung. Und für Jugendliche ist es ganz wichtig festzuhalten: Unter 16-Jährige brauchen keinen Impfnachweis, um eine Veranstaltung besuchen zu dürfen.

Die Jugendlichen sollen selbst eine Nutzen-Risiko-Abwägung machen. Planen Sie denn noch eine spezielle Informationskampagne?

Wir haben entschieden, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine grosse Kampagne machen, sondern einfach jene zur Impfung gehen lassen, die sich selbst informieren. Es gibt aber einen speziellen Informationsflyer des BAG für Jugendliche.

Auf diesem Flyer wie auch auf dem Factsheet fürs Gesundheitspersonal steht, die Impfung sei für Erwachsene empfohlen und für Jugendliche möglich. Was bedeutet diese Unterscheidung?

Wir sagen ganz klar: Die Impfung ist für Jugendliche empfohlen. Das hat den Charakter einer offiziellen nationalen Impfempfehlung mit allen Konsequenzen. Über die genaue Formulierung hatten wir eine gute Diskussion in der Kommission: Warum sind wir mit unserer Empfehlung etwas stärker als die Deutschen und wo sind wir stärker? Und was auf dem Flyer für die Jugendlichen steht, widerspiegelt das genau. «Jetzt kannst auch du dich impfen lassen»: Diejenigen, die sich informieren und sich jetzt schon impfen lassen wollen, sollen das tun. Aber wir üben keinerlei Druck aus!
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Bisher konnten Kinderärzte ganz einfach auf den Schweizerischen Impfplan schauen und ihren Patientinnen und Patienten sagen, ob eine Impfung für sie empfohlen ist. Wie sollen sie nun so eine «Empfehlung ohne Druck» in der Praxis handhaben?

Im Newsletter von Pädiatrie Schweiz haben wir den Kinderärztinnen und -ärzten ganz klar gesagt, wie sie sich verhalten sollen: Empfehlt die Impfung den chronisch Kranken und jenen, die mit Immungeschwächten zusammenleben. Die übrigen Jugendlichen wollen wir unterstützen, wenn sie die Impfung von sich aus wollen und informieren, wenn sie Fragen haben. Aber die Covid-19-Impfung wird nicht aktiv angesprochen – im Gegensatz zu den im Schweizerischen Impfplan empfohlenen Impfungen.

Die deutsche STIKO nimmt Jugendliche von ihrer Impfempfehlung aus, wenn die Risikopersonen, mit denen sie Kontakt haben, geimpft sind.

Wir sprechen hier vom Kontakt mit immungeschwächten Risikopersonen. Denn es gibt Risikopersonen, die auch mit der Impfung nicht unbedingt geschützt sind, weil sie vielleicht gar keine grosse Immunreaktion entwickeln. Und wenn Sie die Delta-Variante anschauen, haben wir einfach keine Garantie, das der Schutz durch die Impfung genügt.

Sie würden meiner 13-jährigen Tochter, die regelmässig ihre geimpfte Oma trifft, die Impfung also trotzdem besonders empfehlen.

Generell ja, besonders nein. Oder eben nur, wenn die Grossmutter immungeschwächt ist, weil sie zum Beispiel aufgrund von Rheuma eine immunsuppressive Therapie hat. Oder wenn der Onkel eine Nierentransplantation hatte oder krebskrank ist.

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