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Arztbesuch
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Welcher Zusammenhang besteht zwischen Asthma und Allergien?

Daneben gibt es noch eine Reihe an sogenannt unspezifischen Reizen, welche die Engstellung der Bronchi­en bei beiden Asthmaformen weiter verstärken und einen Asthmaanfall mitprovozieren. Dazu gehören kör­perliche Anstrengung, Kälte, Nebel, Schadstoffe in der Luft, starke Gerü­che, aktives und passives Rauchen, aber auch Stress, Weinen und Lachen.

«Bei Kindern im Schulalter stehen vor allem Infekte und körper­liche Anstrengung wie Sport, Ren­nen und Herumtollen als Asthma­auslöser im Vordergrund», betont Jürg Hammer. «Fast immer spielen aber auch Allergien eine Rolle.» Sehr viele Kinder mit Asthma sind auch Allergiker. Dabei kann es zu einem sogenannten Etagenwechsel kom­men, wenn Kinder, die etwa auf Pol­len mit Heuschnupfen reagieren, später auf dasselbe Allergen auch Asthmabeschwerden entwickeln.

Die Diagnose einer Asthmaer­krankung bei Kindern ist nicht ganz einfach und erfolgt in mehreren Schritten. «Besteht der Verdacht auf eine Asthmaerkrankung, wird der zuständige Kinderarzt zuerst eine ausführliche Anamnese durchführen», erläutert Hammer. «Das ist ein Arzt-­Patienten-­Gespräch, das der Arzt in der Regel zusammen mit den Eltern führt.» Dabei wird unter anderem nach Art, Dauer, Zeitpunkt und Häufigkeit der Beschwerden gefragt sowie nach möglichen ande­ren bestehenden Allergien sowie Allergie-­ und Asthmavorkommen innerhalb der Familie.
Mit einer Lungenfunktionsprüfung wird der Zustand und die Leistungsfähigkeit der Lunge gemessen.
Themen sind aber auch Umweltbelastungen, denen das Kind zum Beispiel durch Luftschadstoffe wie etwa passives Rauchen ausgesetzt ist. Im Anschluss erfolgen in der Regel eine körperliche Untersuchung und das Abhören der Lunge. Ausserdem wird eine Lungenfunktionsprüfung vorgenommen. Hierzu muss das Kind auf Anweisung kräftig in ein Gerät blasen. Damit können der Zustand und die Leistungsfähigkeit der Lunge gemessen werden.

«Da bei der Lungenfunktionsprüfung die Mitarbeit des Patienten besonders gefragt ist, gilt die Messung aber erst etwa ab dem späten Vorschul- bis Schulalter als wirklich zuverlässig», betont der Lungenfacharzt Jürg Hammer. In der Regel wird noch ein Allergietest auf der Haut durchgeführt, um herauszufinden, ob bereits eine Sensibilisierung, also eine noch symptomlose Vorstufe zur Allergie, im Körper stattgefunden hat. Alternativ können mit einem Bluttest auch spezifische Antikörper nachgewiesen werden.

Zwei Arten von Medikamenten

Wird ein Asthma bronchiale diagnostiziert, ist das Ziel jeder Behandlung, die störenden Asthmabeschwerden so weit wie möglich auszuschalten. «Bislang kann Asthma zwar nicht restlos geheilt werden, doch mit Hilfe moderner Therapiemöglichkeiten ist Asthma heute so gut kontrollierbar, dass Asthmatiker in der Regel ein ganz normales Leben führen können», betont Jürg Hammer. Schwerpunkt jeder Therapie ist die Behandlung mit speziellen Asthmamedikamenten, die durch bestimmte Verhaltensmassnahmen sinnvoll ergänzt wird.

Für die medikamentöse Therapie stehen grundsätzlich zwei Arten von Medikamenten zur Verfügung, Langzeitmedikamente und Bedarfsmedikamente. Der Arzt spricht dabei auch von Controllern und Relievern. «Controller sind Langzeitmedikamente, die dauerhaft eingenommen werden müssen, um die chronischen Entzündungsprozesse der Atemwege langfristig abzuschwächen», erklärt der Arzt Jürg Hammer. «Asthmaanfälle und -symptome treten dadurch seltener und weniger heftig auf.»
Kinder können heute gut mit Asthma leben – dank moderner Therapiemöglichkeiten.
Kinder können heute gut mit Asthma leben – dank moderner Therapiemöglichkeiten.
Als besonders wirkungsvoll haben sich hier vor allem Glukokortikoide erwiesen, vielen besser bekannt als Kortison. Um die Dosierung möglichst gering zu halten, wird der Wirkstoff in der Regel als Spray oder in Pulverform inhaliert, wodurch er direkt an den Bestimmungsort gelangt, ohne den restlichen Organismus zu belasten.

«Reliever sind Bedarfsmedikamente, die nur bei akuten Beschwerden eingesetzt werden, um die verengten Atemwege rasch wieder freizubekommen», sagt der Spezialist Hammer. «Reliever werden ebenfalls als Spray inhaliert und können auch vorbeugend eingenommen werden, wenn beispielsweise eine besondere körperliche Belastung ansteht.»

Jedes Asthma ist anders. Manche Kinder haben mehrmals täglich Beschwerden, andere dagegen nur alle paar Wochen. «Für Wahl und Dosis der Asthmamedikamente spielt aber nicht nur der Schweregrad der Erkrankung eine Rolle, sondern auch, wie gut das Kind auf die gewählte Therapie anspricht», erklärt Jürg Hammer. «Deshalb muss der Erfolg der Behandlung in regelmässigen Abschnitten überprüft und die Dosis der Medikamente entsprechend flexibel nach oben oder unten angepasst werden.»

Das geschieht stufenweise, immer mit dem Ziel, nur so wenig Medikamente einzusetzen wie nötig, um die grösstmögliche Beschwerdefreiheit zu erzielen. Wurde dieses Ziel erreicht, spricht der Arzt oder die Ärztin von einem «gut kontrollierten Asthma». Zeigen sich dagegen wieder vermehrt Symptome, spricht man von einem «unkontrollierten Asthma», bei dem die Medikation wieder entsprechend heraufgesetzt werden muss.
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