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Arztbesuch

Asthma bei Kindern? Kein Grund zur Panik

Wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind Asthma hat, ist das meist ein Schock. Dank moderner Therapiemöglichkeiten ist Asthma aber heute so gut behandelbar, dass die meisten Betroffenen beschwerdefrei leben können.
Text. Anja Lang
Bilder: plainpicture
Ninas grosser Traum ist es, irgendwann einmal eine so gute Eiskunstläuferin zu werden wie ihr grosses Idol Denise Biellmann. Dafür steht die Neunjährige fast jede freie Minute auf dem Eis. Damit ihr beim Training aber nicht plötzlich die Luft wegbleibt, muss Nina regelmässig Medikamente nehmen. Denn mit der einstigen Weltmeisterin verbindet Nina nicht nur die Liebe zum Eiskunstlauf, sondern auch die chro­nische Lungenkrankheit Asthma.

Was versteht man unter Asthma?

Asthma bronchiale, in der Regel nur kurz Asthma genannt, ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. In der Schweiz ist etwa jedes zehnte Kind betroffen. Der Begriff Asthma stammt aus dem Alt­ griechischen und bedeutet so viel wie Atemnot. «Das beschreibt schon ziemlich treffend, um was es geht», erklärt Prof. Jürg Hammer, Abtei­lungsleiter der Pneumologie und Intensivmedizin sowie stellvertre­tender Chefarzt der Pädiatrie am Universitäts­-Kinderspital Basel. «Denn unter Asthma versteht man eine anfallsweise Obstruktion, also Verengung, der Atemwege, die zu Atemnot führt, aber potenziell reversibel ist, das heisst auch wieder zurückgehen kann.» 

Vor allem durch das episodenhafte Auftreten, unterbrochen durch beschwerde­freie Phasen, unterscheidet sich Asthma von anderen Lungen­erkrankungen wie etwa der chro­nisch obstrukiven Lungenerkrankung COPD oder Bronchitis.
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Um zu verstehen, was bei Asth­ma eigentlich passiert, kann man sich die beiden Lungenflügel wie zwei umgedrehte Bäume vorstellen, die von der Luftröhre als bildlicher Baumstamm in die rechte und linke Seite des Brustkorbs ragen. Die «Äste» der Lunge werden von den grossen Bronchien gebildet, die sich in die immer kleiner werdenden Bronchiolen verzweigen und schliesslich in den Lungenbläschen enden.

Hier wird der eingeatmete Sauer­stoff aus der Luft ins Blut abgegeben und verbrauchte Luft in Form von Kohlendioxid zum Ausatmen wie­ der zurück in die Lunge transpor­tiert. Damit das Ein­- und Ausatmen einwandfrei funktioniert, müssen die Wege von der Luftröhre bis zu den Lungenbläschen frei sein.

«Bei Asthma aber reagieren die Bronchi­en auf bestimmte Reize mit einer Entzündungsreaktion, was dazu führt, dass die Atemwege anschwel­len und sich dadurch verengen», erklärt Jürg Hammer. «Zusätzlich sondern die Schleimhäute zähen Schleim ab, der schwer abgehustet werden kann, und die Muskulatur der Bronchien verkrampft sich.»
«Ein Anfall klingt in der Regel von selbst wieder ab, kann aber auch zum lebensbedrohlichen Not­fall werden.»
Jürg Hammer, Pneumologe.
Dadurch kommt es zu einer deutlich erschwerten Atmung, die bis hin zur akuten Luftnot führen kann. Typischerweise treten ausser­dem oft trockene Hustenanfälle sowie pfeifende und brummende Atemgeräusche beim Ausatmen auf, die fachsprachlich «Giemen» genannt werden. 

«Ein Asthmaanfall klingt in der Regel von selbst wieder ab, kann in schweren Fällen aber auch zum lebensbedrohlichen Not­fall werden», erklärt der Pneumolo­ge. «Wird Asthma nicht behandelt, verschlimmern sich die chronischen Entzündungen in den Bronchien, was dauerhaft zu Langzeitschäden am Lungengewebe und damit zu einer Verschlechterung der Lungen­funktion führen kann.»

Verantwortlich für die Entste­hung von Asthma sind überemp­findliche Bronchien, die auf an sich harmlose Reize reagieren, die bei Gesunden ohne Folgen bleiben. Warum das Bronchialsystem mancher Menschen so übersensibel reagiert, ist bis heute nicht vollstän­dig geklärt. «Wir gehen davon aus, dass die Genetik, also die Verer­bung, bei der Entstehung von Asth­ma eine wichtige Rolle spielt», sagt Jürg Hammer. «So haben Kinder, deren Vater oder Mutter Asthmati­ker sind, eine höhere erbliche Ver­anlagung, ebenfalls ein Asthma zu entwickeln als Kinder, in deren Familie keine Asthmaerkrankung vorkommt.»
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Allergisches und nichtallergisches Asthma

Die Zahl der Auslösefaktoren ist hoch und von Person zu Person unter­schiedlich. Um zumindest eine gro­be Einteilung treffen zu können, wird Asthma in zwei Formen unterschie­den. Je nach Art der Auslösefakto­ren, die jeweils im Vordergrund stehen, spricht man vom allergischen Asthma sowie von nichtallergischen Asthma. 

«Typische Beispiele von Auslösefaktoren für ein allergisches Asthma sind Blüten­ und Gräserpollen, Tierhaare, der Kot von Hausstaubmilben oder auch Schimmelpilzsporen», erklärt Jürg Hammer. «Virale und bakterielle Infekte zählen dagegen zu den Aus­lösern für ein nichtallergisches Ast­hma.» Häufig gibt es aber auch Mischformen, bei denen die Kom­bination mehrerer Reize zusammen zu Asthma führt.

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