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Arztbesuch

Alarmstufe Rot bei Sepsis!

Jedes Jahr erkranken in der Schweiz rund 15 000 Menschen an einer Blutvergiftung. Ein Drittel von ihnen stirbt daran. Bei Kindern ist die sogenannte Sepsis die zweithäufigste Todesursache – Wie wird sie rechtzeitig erkannt?
Text: Claudia Füssler
Bild: Ted Catanzaro / Plainpicture
Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Je eher eine Blutvergiftung behandelt wird, desto besser stehen die Chancen, dass man sie überlebt. Doch um behandeln zu können, muss die richtige Diagnose gestellt werden. Und genau das ist die Achillesferse der sogenannten Sepsis: Ihre Symptome sind so unspezifisch und können mit so vielen anderen Erkrankungen verwechselt werden, dass selbst erfahrene Ärzte oft nicht gleich realisieren, womit sie es zu tun haben. Ein Unwissen, das tödliche Folgen haben kann.

Fieber zum Beispiel, Schüttelfrost, Herzrasen und ein Krankheitsgefühl wie bei einem schweren grippalen Infekt sind mögliche Anzeichen einer Blutvergiftung. «Das macht die Krankheit schwer zu diagnostizieren, denn Kinder fiebern äusserst häufig», sagt Horst von Bernuth, Leiter der Sektion Pädiatrische Immunologie und Infektiologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin.

Eine invasive Infektion

Acht bis zehn banale Infekte pro Jahr, sagt die Statistik, sind bei Kleinkindern völlig normal, im Kindergartenalter erhöht sich die Zahl auch mal auf 15 bis 18. «Unter Tausenden von Kindern, die mit diesen Symptomen in die Praxis kommen, eine Sepsis zu erkennen, ist eine Herausforderung für jeden Kinderarzt», sagt von Bernuth.

Wie genau aber wird das Blut vergiftet? Normalerweise kommt unser Körper gut mit Erregern klar. Täglich ficht er unzählige Kämpfe gegen Bakterien, Viren und Pilze aus – und gewinnt diese. Manchmal dauert es ein bisschen länger, dann werden wir krank, aber mit Geduld und mitunter medikamentöser Hilfe kriegt der Körper auch das in den Griff. «Doch während sich Husten, Schnupfen oder eine Lungenentzündung an der Oberfläche, also auf den Schleimhäuten abspielen, gelangen die Erreger bei einer Sepsis an sonst sterile Orte. Wir sprechen dann von einer invasiven Infektion», erklärt von Bernuth.

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