Wie Eltern und Lehrpersonen gut zusammenarbeiten
Schule

Wie Eltern und Lehrpersonen gut zusammenarbeiten

Das erste Quartal des neuen Schuljahrs ist vorbei, das Kind ist in den letzten Wochen in der Klasse ­angekommen und hat die Lehrperson kennengelernt. Nun gilt es in geteilten Rollen das Kind gut durch das Schuljahr zu begleiten. Eine gelingende Kommunikation zwischen Eltern und Lehrpersonen ist dafür eine wichtige Grundlage.
Text: Franziska Peterhans
Bild: rawpixel.com
Im Schulalltag gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrpersonen und Schulleitung nicht immer einfach. Unterschiedliche Erwartungen, missverständliche Kommunikation und ungeeignete Kommunikationsmittel können zu Konflikten führen, welche die Zusammenarbeit belasten. Dabei ist es für das Kind äusserst wichtig, dass seine nahen Bezugspersonen zu Hause und in der Schule einander verstehen. Denn sie sind wichtige Menschen im Leben des Kindes und oft dessen Vorbilder.

Zwei Rollen – zwei Perspektiven

Wichtig ist, dass sich beide Seiten von Anfang an vor Augen führen, dass sie Kooperationspartner in unterschiedlichen Rollen und mit verschiedenen Perspektiven sind. Eltern sehen ihr Kind aus einem sehr nahen und persönlichen Blickwinkel, der von einem grossen Erfahrungsschatz an gemeinsamen Erlebnissen geprägt ist. Sie sind als Vertretende und Erziehungsverantwortliche ihrer Kinder Expertinnen und Experten für das familiäre Umfeld. Von der Lehrperson erwarten sie zum Beispiel, dass diese ihr Kind optimal erfasst und fördert. Wichtig ist für die Eltern oft auch die gute Erreichbarkeit. Manche möchten den Zugang zur Lehrperson wann immer möglich via SMS, Telefon oder Mail sichergestellt haben.
Die Zusammenarbeit ­zwischen Eltern und ­Lehrpersonen braucht wechselseitiges Interesse, Offenheit und Respekt.
Lehrpersonen sind insbesondere zuständig für das Lernen im Unterricht, für die Förderung von überfachlichen Kompetenzen sowie für das soziale Lernen. Sie sorgen für Sicherheit und Wohlbefinden in der Klasse. Sie sind als pädagogische Fachkräfte Expertinnen und Experten für das Lernen, die Förderung (der Kinder) und die Klassenführung. Lehrpersonen haben die Erwartung an die Eltern, dass sie diese Rolle anerkennen und diese nicht zur ihrigen machen. Dem Bedarf nach Erreichbarkeit steht seitens der Lehrpersonen der Wunsch gegenüber, dass die wichtige Abgrenzung zwischen Schule und Privat­leben anerkannt wird.

Erfolgsfaktoren der ­Zusammenarbeit

Die Kinder, die Eltern und die Lehrpersonen – alle profitieren von einer guten Zusammenarbeit. Verschie­dene Faktoren tragen zum Gelingen bei, einige Aspekte davon sind besonders erwähnenswert: Die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrperson braucht wechselseitiges Interesse, Offenheit und Respekt. Eltern und Lehrpersonen sollten von Beginn an wohlwollende Bereitschaft zum Beziehungsaufbau zeigen.

Die Initiative ergreift meistens die Schule beziehungsweise die Lehrperson. Mittels Informations- oder Begrüssungsbriefen, Elternabenden und Elterngesprächen nehmen die Klassenlehrpersonen Kontakt zu den Eltern auf. Während des Schuljahrs ist es gerade auch seitens der Eltern wichtig, sich bei Anliegen zu fragen, wann und mit welchem Medium die Nachricht kommuniziert werden soll. 
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Hilfreich sind eine offene Haltung und das Vertrauen, dass auch für die ­Lehrperson das Wohl des Kindes im Zentrum steht.
Das heisst zum Beispiel: Braucht es abends um halb zehn sofort eine Sprachnachricht an die Lehrerin, nachdem mein Sohn mir die Prüfung gezeigt hat und ich die Bewertung nicht nachvollziehen kann?  Oder reicht es, wenn ich meine ­Frage am nächsten Elterngespräch stelle oder die Bewertung einfach akzeptiere? Muss ich ein paar Minuten nachdem meine Tochter erzählt hat, dass sie in der Schule von Mitschülerinnen beleidigt wurde, die Lehrperson auf dem Handy anrufen, oder reicht eine E-Mail am folgenden Tag oder ein Ansprechen beim nächsten Treffen? Ist ein Telefonat oder bei andauernden Problemen ein persönliches Gespräch zielführender? Natürlich gibt es auch dringende Fälle und Notfälle. Da gelten andere Regeln und die Lehrpersonen sind für die Eltern auch zu unkonventionellen Zeiten da.

Ton, Zeit und Ort

Wenn es um das eigene Kind geht, reagieren die meisten emotional. Das ist verständlich und menschlich. Dabei gilt es sachlich und konstruktiv zu bleiben. Alles andere ist selten zielführend. Im Zentrum stehen dabei die berühmten «Ich-Botschaften». Sie sind hilfreich für eine gute Kommunikation. Sie geben persönliche Eindrücke wieder und erklären, wie man selbst eine Situation empfindet. Ein «Mein Eindruck ist, dass mein stiller Sohn in Ihrer Klasse zu sehr untergeht und von Ihnen mehr Aufmerksamkeit bräuchte» ist vom Gegenüber viel besser annehmbar als ein «Sie schenken meinem Sohn zu wenig Aufmerksamkeit». Empfindungen können unterschiedlich sein, und genau da kann ein gutes Gespräch beginnen.

Sollte das Gespräch mit der Lehrperson wiederholt nicht gelingen, so können sich Eltern an die Schulleitung wenden. Sie ist die nächste Instanz und kann in schwierigen oder blockierten Situationen involviert werden. Denn auch wenn sich alle bemühen: Die Zusammenarbeit ­zwischen Schule und Eltern ist anspruchsvoll und braucht Zeit. Durch divergierende Erwartungen können Konflikte entstehen. Dann ist es wichtig, lokal und situativ Lösungen zu finden, im Interesse der Eltern und der Lehrpersonen, aber insbesondere zum Wohle des Kindes. 

Sachlich kommunizieren

Hilfreich sind eine grundsätzlich offene und wohlwollende Haltung und das Vertrauen, dass nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Lehrperson das Wohlbefinden des Kindes und eine positive, anregende und fördernde Lernumgebung im Zentrum stehen.
Wenn es um das eigene Kind geht, reagieren die meisten emotional. Das ist menschlich.
Und wenn es einmal anders wirken sollte, kann jederzeit wertschätzend, sachlich und mittels passendem Kommunikationskanal das Gespräch mit der Lehrperson gesucht werden. Dafür drücke ich allen Eltern und Lehrpersonen die Daumen und wünsche ganz gutes Gelingen!

Der Verband Schulleiterinnen und ­Schulleiter Schweiz (VSLCH) sowie der Dachverband ­Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) kommen im Wechsel zu Wort.

<div><strong>Franziska Peterhans </strong>ist Zentralsekretärin und Mitglied der Geschäftsleitung des ­Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH.</div>
Franziska Peterhans ist Zentralsekretärin und Mitglied der Geschäftsleitung des ­Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH.

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